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DONGNIO CUI
(Diverse Komponisten)
Besuch am
25. Juli 2025
(Einmalige Aufführung)
Klassik aber frisch in der Werkstatt des Piano-Store, Meerbusch
Das gemeinnützige Unternehmen Klassik aber frisch kümmert sich um den Nachwuchs in der klassischen Musik. Aber das Spektrum ist weitgefächert. Es reicht von den talentierten Kindern aus der Musikschule bis zu den hidden champions, die es bislang aus verschiedensten Gründen nicht auf die großen Bühnen geschafft haben. Und so können Ekaterina Porizko als künstlerische Leiterin und Ekaterina Belowa als Geschäftsführerin bei den Konzerten, die sie veranstalten, immer wieder Künstler präsentieren, von denen man auf Anhieb sagt, dass sie für die kleine Bühne völlig überqualifiziert sind. Seit geraumer Zeit kooperieren die beiden mit dem Klavierbauer Marten Overath, der seine Werkstatt im Meerbuscher Stadtteil Lank als Bühne zur Verfügung stellt. Ein Erfolgsmodell, das man zwar noch als Geheimtipp bezeichnen kann, aber die Stühle für die Besucher werden allmählich knapp.

Das gilt auch für einen Freitagabend in den Sommerferien. Selbst die zusätzlich aufgestellten Stühle sind im Handumdrehen besetzt. Und das kommt nicht von ungefähr. Denn für diesen Abend ist der Auftritt von Dongni Cui angekündigt. Sie wurde in Xi’an, Shaanxi, in der Volksrepublik China geboren und begann im Alter von fünf Jahren ihre Klavierausbildung an der Musikschule ihrer Heimatstadt. Nach ihrem Bachelorabschluss an der Musikhochschule Peking im Jahr 2008 setzte sie ihr Studium von 2009 bis 2011 an der Staatlichen Hochschule für Musik Trossingen mit einem Master in „Künstlerische Ausbildung Klavier“ fort. Anschließend absolvierte sie einen weiteren Master im Studiengang „Klavier-Duo“ und gründete zusammen mit ihrer Duo-Partnerin das Mendon-Klavier-Duo. 2018 schließlich absolvierte sie ihr Konzertexamen – der höchstmögliche Bildungsabschluss bei den Instrumentalisten – an der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf, wo sie derzeit als Dozentin arbeitet.
Verletzungsbedingt kann Porizko an dem Abend nicht teilnehmen, und so übernimmt Overath die Begrüßung, ehe Cui das Konzert mit einer Gavotte von Jean-Philippe Rameau eröffnet. Das Stück bildet den Höhepunkt der a‑Moll-Suite aus dem Jahr 1706, deren sechs Variationen Cui geschmeidig spielerisch wiedergibt. Die Moderation zwischen den Stücken übernimmt Belowa in angenehmer Kürze von ihrem Platz im Hintergrund aus, so dass die Ruhe gewahrt bleibt. Schöne Idee.
Die Sonate Nr. 31 in As-Dur von Joseph Haydn gerät zur Träumerei, wenn Cui die Piani auskostet und offenbar durchlebt. Damit zieht sie die Besucher so in ihren Bann, dass die gar nicht mehr wissen, was eine Sonate ist und nach dem ersten Satz rauschenden Beifall zollen. Ohne sich etwas anmerken zu lassen, verbeugt Cui sich kurz. Der zweite und dritte Satz geraten auch ohne Notenblätter wiederum zum Erlebnis. Und die Pianistin, die an Steinway und Bechstein gewöhnt ist, verschmilzt mit dem historischen Ibach-Flügel. Gleichwohl hat sie ihr Programm so angepasst, dass sie virtuose Höhenflüge vermeidet – was in dem intimen Rahmen der Werkstatt ohnehin hätte oversized wirken können.

Einer ihrer erklärten Lieblingskomponisten ist Charles-Valentin Alkan, ein französischer Tondichter, der zu Unrecht kaum noch auf den Podien stattfindet. Viele seiner Werke sind von enormer Schwierigkeit, galten teils als unspielbar und sind „nur dem Virtuosen vorbehalten“. Der Freund Frédéric Chopins, der nach dessen Tod mehr als menschenscheu galt, steht in seiner kompositorischen Meisterschaft und individueller Klaviersprache seinen Zeitgenossen Chopin und Franz Liszt in nichts nach. Aus seiner Grande Sonate, in deren vier Sätzen vier Lebensdekaden beschrieben werden, wählt Cui den dritten Satz, der das vierte Lebensjahrzehnt charakterisiert.
Im anschließenden Applaus schäumt Glückseligkeit. Und einmal mehr stellt man sich die Frage, ob es einem Künstler wirklich mehr Befriedigung verschaffen kann, vor den tausend oder zweitausend Menschen in einem Konzertsaal zu stehen als in intimer Umgebung vor fünfzig Menschen, die vermutlich ihren Enkeln noch von dem Abend berichten werden. Wie schön, dass wir es nicht erfahren werden. Cui jedenfalls, die trotz hervorragender Deutschkenntnisse im Konzertsaal lieber spielt als redet, lässt sich von der Begeisterung ihres Publikums erneut zum Flügel treiben, um als Zugabe einen Satz aus Domenico Scarlattis Klaviersonate K. 322 zu spielen.
Es gehört zum Format des Klavierabends in der Piano-Store-Werkstatt, dass Overath noch von seiner Arbeit plaudert. Da erfährt man nicht nur manche Anekdote aus dem Theaterleben, sondern kommt an diesem Abend auch noch in den Genuss einer Darbietung. Overath improvisiert über Ludovico Einaudi und setzt damit noch ein Sternchen an das Konzertprogramm. Als die Besucher nach über einer Stunde den Hinterhof verlassen, gibt es keinen, der versäumt, sich noch einmal persönlich bei Dongni Cui für ein außergewöhnliches Erlebnis zu bedanken.
Michael S. Zerban