O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Foto © Ennevi Foto

Wahres Arenagefühl

AIDA
(Giuseppe Verdi)

Besuch am
10. August 2025
(Premiere am 16. Juni 2023)

 

Fonda­zione Arena di Verona

Verona von seiner besten Seite: Herrlichstes Sommer­wetter lässt die Besucher bei gerade noch erträg­lichen Tempe­ra­turen in den zahlreichen Straßen­cafés der Piazza Bra vor der Vorstellung ein leichtes Mahl genießen. Ein Lokal nach dem anderen schließt sich an der Schat­ten­seite anein­ander an. Die Namen der Pizzas auf den Speise­karten sind übrigens den Opern entnommen, Tosca, Rigoletto heißen sie, und natürlich Radames, die mit Sardellen, Kapern, roten Zwiebeln und Mozza­rella daher­kommt. Der König zwischen all den Restau­rants und Cafés ist das Vittorio Emmanuele, nach dem König Italiens von 1861 bis 1878 benannt, der sich im Risor­gi­mento zu einer Symbol­figur entwi­ckelt. Der Ausruf „Viva Verdi!“ aus jener Zeit scheint an den zu der Zeit schon beliebten Kompo­nisten zu erinnern, bedeutet aber eigentlich: Vittorio Emanuele Re d’Italia, Viktor Emanuel König von Italien. Das Gasthaus sticht unter den anderen Lokalen durch weiße Tisch­decken und sehr beflissene Ober heraus. Unter den hohen Arkaden stehen die Tische mit angenehmem Sprüh­nebel darüber zur Erfri­schung der Gäste. Im Inneren glaubt man sich an die Jahrhun­dert­wende zurückversetzt,1895 ist das Etablis­sement gegründet worden. In getäfelten Räumen hängen weiße Murano-Kristall­leuchter, alles ist edel und gepflegt. Hier kehren die Solisten aus der Arena nach der Vorstellung ein, ein Begleiter bringt die Sänge­rinnen durch die Menge zum Platz, ruft immer wieder. „Signore e Signori: Aida!“ Das hat schon was, und ehe man sich versieht, sitzt man zwei Tische neben Maria José Siri, der Aida des Abends. Natürlich ist das Speise­lokal das teuerste am Platz, aber im Café sind selbst hier die Preise durchaus akzep­tabel. Wie überhaupt Essen gehen in Italien immer noch günstiger ist als in Deutschland.

Im Herzen der Arena selbst laufen Geträn­ke­ver­käufer mit eisge­kühlten Boxen herum, hier zahlt man mehr als draußen, finan­ziert aber vielleicht einem jungen Menschen die Ausbildung. Man tut gut daran, viel Wasser zu sich zu nehmen, bei Zehntau­senden von Menschen kommt es bei hohen Tempe­ra­turen immer wieder zu Hitzschlägen. Dann aber sind die Helfer sehr schnell zur Stelle und geleiten den Betrof­fenen die halsbre­che­ri­schen Stufen hinunter nach draußen. Man sollte sich gut überlegen, wo man in der Arena sitzen möchte, sehr steil gehen die Ränge ohne Handlauf hoch. Ist man nicht so gut zu Fuß, wählt man besser Plätze im Parkett oder ganz unten in den Rängen. Dadurch, dass der äußere Ring der Arena irgendwann wegge­brochen oder abgebaut worden ist, kann man auch zu den oberen Stock­werken nur über die inneren Treppen kommen.

Foto © Ennevi Foto

Wie bei Aida, die an diesem Abend vor ausver­kauftem Zuschau­erraum statt­findet. Stefano Poda, der wie bei Nabucco auch hier mit seinem Assis­tenten Paolo Giani Cei bei der Regie, Kostümen, Licht und Choreo­grafie zusam­men­ge­ar­beitet hat, liefert auch hier eine fast gläserne, licht­durch­flutete Ästhetik. Eine große Hand aus weißen Drähten dominiert die Bühnen­mitte, davor erstreckt sich eine riesige Fläche aus spiegelnden Metall­platten. Die Ränge hinter der Bühne werden für das Spiel manchmal mitein­be­zogen. Seitlich stehen auf großen Stäben Hände in schwarz und weiß, die immer wieder herum­ge­tragen werden, die die verfein­deten Gruppen symbo­li­sieren und unter anderem die Hinwendung zu der großen, von innen zu beleuch­tenden Silber­kugel zeigen, einem Ballon, der über der großdi­men­sio­nierten Hand aufsteigt. Laser vervoll­kommnen das Spektakel und verbinden die Arena mit dem Himmel. „Kristall-Aida“ wird die Produktion auch genannt. 400 Mitwir­kende in 4000 Kostümen werden von Poda und Cei in fesselnder Choreo­grafie bewegt, der Triumphzug gerät mit allen Mitwir­kenden wirklich sehr beein­dru­ckend, umso mehr, als man den immensen freien Platz vor der Hand gut nutzen kann. Die kann entspre­chend der Handlung bewegt werden, ähnlich wie auf der Bregenzer Seebühne bei Stölzls Rigoletto. Sie zeigt mal zum Himmel, mal greift sie gierig nach den Protago­nisten, Die Kostüme sind vorwiegend in Weiß und Silber gehalten, später kommen knallige Farbak­zente dazu. Zur Ouvertüre schwingen weißge­wandete Statisten leuch­tende Laser­schwerter, später kommen herrlich mystische Gestalten mit schna­bel­för­migen Köpfen und wallenden Gewändern dazu, wohl den Gott Thot, Gott der Weisheit aus dem alten Ägypten, darstellend, wobei ja im Vulkan­tempel zu Memphis Schöp­fergott Ptah angebetet wird. Mit wenigen Allusionen gelingt es dem Regisseur, in einer modernen Hightech-Umgebung das alte Ägypten zu evozieren. Sehr archaisch wirkt das und ist absolut fesselnd.

Foto © Ennevi Foto

Dazu kommt ein Sänger­ensemble, das vom ersten Moment an begeistert. Allen voran Maria José Siri, die mit wunder­barer, sehr diffe­ren­zierter Verdi-Stimme, viel Gefühl und sagen­haften Piano­tönen die Aida singt. Scheinbar mühelos bewältigt sie die große Partie. Immer auch intensive Charak­ter­dar­stel­lerin auf der großen Bühne, einer­seits unter­gebene Sklavin, anderer­seits aufop­fe­rungs­willige, liebende Frau.

Ihr gegenüber steht mit gut geschärftem, absolut gut tragendem Mezzo­sopran Agnieszka Rehlis, die eine gefähr­liche und macht­be­sessene, aber auch in ihrer Verletztheit weiche Amneris singt. Bei sehr guter Tiefe bringt sie eine intensive Dramatik auf die Bühne und ist ein passender Gegenpol zur Aida von Siri. Als Radamès zeigt sich Yusif Eyvazov gleich zu Beginn, nachdem Simon Lim ihn mit sonorem Bass angesprochen hat. Sein insgesamt etwas sprödes Timbre vergisst man schnell, wenn man hört, wie intensiv und kraftvoll er die Partie durch­steht, ohne Ermüdungs­er­schei­nungen zu zeigen. Er singt mit großem Ton und großer Geste, bei der man nicht immer weiß, ob die vom Regisseur so geplant ist. In den Duetten mit Aida weiß er aber auch zarte Töne anzuschlagen. Ramaz Chikviladze gibt einen auch auf der großen Bühne gut hörbaren, autori­tären König.

Daniel Oren dirigiert das Orchestra di Fonda­zione Arena di Verona mit scharfem Blick zu seinen Musikern, immer auf Ausgleich bedacht. Da wird besänftigt, gefordert und den Sängern zugewandt jeder schwierige Einsatz gegeben. Bei den Pianostellen ist er ganz bei den Sängern und begleitet sie gut zurück­ge­nommen. Er ist bei den Festspielen immer wieder dabei, kann die beson­deren Gegeben­heiten der Lokalität sehr gut einaschätzen und das Orchester entspre­chend abmischen. Seine Aida ist musika­lisch von großer Inten­sität und tiefer emotio­naler Deutung.

Der Chor unter der Einstu­dierung von Roberto Gabbiani macht an diesem Abend seine Sache sehr gut und rundet den Gesamt­ein­druck einer festspiel­wür­digen und absolut lohnens­werten Produktion zusätzlich ab. Sie steht bis Ende August noch drei Mal auf dem Spielplan.

Jutta Schwegler

Teilen Sie O-Ton mit anderen: