O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.
Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.
Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.
O-Ton
3-Monats-Abo
für jeweils 3 Monate
O-Ton
Jahres-Abo
pro Jahr
O-Ton
6-Wochen-Abo
für jeweils 6 Wochen
O-Ton
Jahres-Mitgliedschaft
für ein Jahr
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Kulturmagazin mit Charakter
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
MACBETH
(Giuseppe Verdi)
Besuch am
14. August 2025
(Premiere am 29. Juli 2023)
Man kennt die Inszenierung. Denn sie hatte schon vor zwei Jahren Premiere. Wegen des großen Erfolgs und der enormen Nachfrage hat man daher seitens der Salzburger Festspiele entschieden, Giuseppe Verdis Macbeth diesen Sommer wiederaufzunehmen. Und so sieht man wieder die leere Bühne mit der langen Wartebank, wo Lady Macbeth auf ihren Gynäkologen wartet. Ein Tunnel mit Vorhängen wird hereingeschoben, in dem sie untersucht wird. Als sie vom Gynäkologen erfährt, dass sie keine Kinder bekommen kann, bricht sie fast zusammen. Das ist eine Schlüsselszene in Krzysztof Warlikowskis Inszenierung: Kein Kind, dann Flucht und Erfüllung durch Macht, wie es ihrem Mann von den Hexen prophezeit wird. Ihr Ehrgeiz erwacht und Rachegedanken blitzen auf. Sie animiert ihren Gatten zu den folgenden Morden.

Auf der riesigen Bühne des Großen Festspielhauses wird mit Simultanszenen und filmischen Videoprojektionen, mit denen etwa auch der Mord an König Duncan gezeigt wird, gearbeitet. Die Hexen sind blind, bestehen überwiegend aus kleinen Mädchen und werden immer mit einem Kubus herein- oder hinausgeschoben. Warlikowski greift immer wieder in seine Psychokiste, wofür seine Frau Malgorzata Szcześniak einen durchaus ästhetischen Psychoraum entworfen hat, der wie auch die Kostüme an die 1930-er Jahre erinnert. Etwa werden auf einer langen, ebenfalls hereingeschobenen Tribüne für den Chor beim Festmahl später kleine Kinder, es sind jene von Macduff, vergiftet, denn Kinder von anderen erscheinen Macbeth eine Bedrohung. Gleichzeitig sieht man per Video den Herodes-Feldzug gegen die Erstgeborenen aus Pasolinis Matthäus-Evangelium. Als Macbeth glaubt, den ermordeten Banco zu sehen, tragen Kinder entsprechende Masken. Zum Finale sind jedenfalls Macbeth jetzt schon im Rollstuhl und seine Lady blutüberströmt gefesselt und werden von Macduff nicht erschossen, obwohl er mehrmals die Pistole auf sie richtet, sondern dem Volk zur Lynchjustiz übergeben.
Asmik Grigorian ist wieder die Lady Macbeth, hat sich in die Rollengestaltung noch vertieft und sie verbessert. Darstellerisch umwerfend vielseitig, kann sie Machtrausch, Depression, Kälte und Wahn vereinen. Auch stimmlich ist sie noch beeindruckender als vor zwei Jahren. Sie singt reicher an Emotionen und Abstufungen und kann enorm kraftvoll aufdrehen. Ihr Trinklied darf sie im Zentrum eines Strahlenkranzes singen, sonst muss sie während ihrer großen Szenen mit dem Feuer spielen, sich umziehen oder mit Stöckelschuhen über die lange Bahnhofsbank klettern. Ihr fast ebenbürtig ist auch wieder Vladislav Sulimsky in der Titelrolle zu erleben. Er verfügt über einen sehr edel geführten Bariton, fast zu schön für einen Bösewicht, aber durchaus auch zur Dramatik fähig. Tareq Nazmi ist ein profunder, kraftvoller Banco, Joshua Guerrero ein Macduff mit einem höhensicheren Tenor. Die Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor singt machtvoll und mitreißend. Wunderbar erlebt man die Wiener Philharmoniker unter der Leitung von Philippe Jordan. Man hört das Orchester ungemein farbenprächtig, fein ausbalanciert, dramatisch wuchtig und ganz zart in den Lyrismen.
Am Ende gibt es riesigen Jubel.
Helmut Christian Mayer