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Parkour und Poesie

PUBLIC MOVES – BEWEGUNG IM GRÜNEN
(Claudia Küppers)

Besuch am
6. und 7. September 2025
(Einmalige Aufführungen)

 

Hofgarten, Düsseldorf

Küppers & Konsorten: Das ist das Team um Claudia Küppers, das sich in der so genannten Freien Szene in Düsseldorf darum bemüht, Kinder und Laien über 60 in Tanzpro­jekte einzu­binden. Küppers & Konsorten dürfen sich ein wenig privi­le­giert fühlen, weil sie das Düssel­dorfer Theater­museum als festen Auffüh­rungsort zur Verfügung gestellt bekommen. Spiel­stätten für den zeitge­nös­si­schen Tanz sind in der Landes­haupt­stadt rar. Zuletzt konnten die Choreo­grafin und ihr Ensemble Goldene Garde mit Sweet Heimat beein­drucken. Für den Sommer hat sich Küppers etwas Beson­deres einfallen lassen. Sie möchte zum ersten Mal ein Tanzfes­tival im Hofgarten, das ist der Park vor den Toren des Theater­mu­seums, der mitten in der Stadt liegt, durch­führen. Im Falle schlechten Wetters könnte man sich so in das Theater­museum zurück­ziehen und das Festival so oder so statt­finden lassen.

Foto © Michael Zerban

Aber das Glück ist mit den Tüchtigen. Der Samstag als erster Tag des zweitä­gigen Festivals präsen­tiert sich mit Sonnen­schein und angenehmen Tempe­ra­turen um die 24 Grad. Die Freude ist groß. Gegen 14 Uhr eröffnet Küppers vor dem Theater­museum Public Moves – Bewegung im Grünen vor dem Café, das sich vor dem Theater­museum ausbreitet. Von dort aus kann man mit aufmerk­samem Blick vier Gestalten in der Ferne erkennen, die sich offenbar allmählich zu einer Gruppe formieren. Es handelt sich um das Make a Move Collective, das im Hofgarten eine Tanzauf­führung in Gestalt eines Parkours zeigen will. Unter einem Parkour versteht man eine Fortbe­we­gungsart, deren Ziel es ist, „nur mit den Fähig­keiten des eigenen Körpers möglichst effizient von Punkt A zu Punkt B zu gelangen. Der Parkour­läufer bestimmt seinen eigenen Weg durch den urbanen oder natür­lichen Raum – auf eine andere Weise als von Archi­tektur und Kultur vorge­geben“, definiert Wikipedia. Um es etwas salopp zu formu­lieren: Wenn dem Läufer ein Hochhaus im Weg steht, geht er halt nicht außen herum, sondern klettert drüber. Da sind spekta­kuläre Aktionen und waghalsige Sprünge im städti­schen Raum vorpro­gram­miert. Das Kollektiv besteht aus Charlotte Brohmeyer, Maria Golding, Jan Lorys und Karoline Strys. Die vier stehen im Hofgarten mit seinen gepflegten, gut ausge­bauten Wegen und den weitläu­figen Rasen­flächen vor einer Heraus­for­derung. Hier muss man nämlich seinen Weg lange suchen, wenn man ein Hindernis überwinden will. Not macht erfin­de­risch, um eine zweite Binsen­weisheit zu bemühen. Und so werden Straßen­lampen, Parkbänke, Brücken­ge­länder und die Beton­mauern vor dem Schau­spielhaus zum Gegen­stand tänze­ri­schen Eifers. Der erhoffte Erfolg aus Küppers‘ Sicht stellt sich dabei rasch ein: Etliche Spazier­gänger schließen sich spontan der Wander­gruppe an, um die Künste der Tänzer mitzu­ver­folgen. Auch beim anschlie­ßenden Workshop sind mehr Menschen dabei als Anmel­dungen im Vorfeld einge­gangen sind.

Das Festival hatten Küppers und ihr Team bei seiner ersten Ausgabe bewusst klein angelegt, um erste Erfah­rungen zu sammeln. Schon am Samstag zeigt sich, dass es gern etwas mehr hätte sein dürfen. Und das wird auch für den Sonntag gelten. Wieder bei fantas­ti­schem Sommer­wetter findet die zweite Aufführung diesmal neben einer Bühne, die sich hier Pavillon nennt, statt. Die Erwar­tungen sind nicht allzu hochge­schraubt. Ein Tanzduo auf einer Parkbank. Hm. Immerhin. Die Sitzbänke, die im Halbkreis um eine Parkbank aufge­stellt sind, sind zu Beginn bis auf den letzten Platz besetzt, und für die Kinder sind Decken vor den Bänken ausgelegt. Schließlich will sich das Festival an alle von 7 bis 77 richten. Ein Mann mit verfilzten, grauen Haaren läuft herum und preist Programme auf Italie­nisch an: ein großes, ein kleines und eins fürs Internet. Zwischen­durch wird er laut. Dann hat er in der Ferne Parkbe­sucher entdeckt und will sie herbei­rufen. Als erfah­rener Straßen­künstler weiß man, dass man vorbei­lau­fende Menschen durchaus mit persön­licher Ansprache noch zum Verweilen einladen kann. Schließlich taucht noch eine Mitar­bei­terin mit einer weiteren Gäste­schar auf, die sie am Theater­museum einge­sammelt hat. Und dann kann es losgehen.

Foto © Michael Zerban

Der Mann entpuppt sich als Rudi Galindo vom Teatro Pachuco. Gemeinsam mit Lisa Da Boit bildet er das Duo Giolisu, das seit mehreren Jahren so etwas wie poetische Artistik im öffent­lichen Raum anbietet. Das Stück Le contraire de Un – ungefähr: Im Gegensatz zu dem Einen – entstand in der Pandemie, als man sich nicht in öffent­lichen Parks aufhalten und schon gar nicht zu jemandem auf die Bank setzen durfte. Die Isolation und Einsamkeit hat die beiden Künstler nachhaltig beein­druckt. Und so versteht Da Boit es als revolu­tio­nären Akt, sich zu dem Mann zu setzen, der auf der Parkbank eigentlich nur in Ruhe seine Tages­zeitung lesen will. Was dann passiert, ist grandios. Zur Einleitung gibt es das fried­liche Vogel­ge­zwit­scher von der Festplatte, ehe Musik von Lars Senders, DJ Birdy Nam Nam und Facundo Cabral erklingt. Die Frau nähert sich dem Mann auf der Parkbank, versucht, nicht nur einen Platz auf der Bank zu ergattern. Es entspannt sich ein tänze­ri­sches Spiel mit kleinen Schmun­zel­ein­fällen – Galindo wird nicht nur einmal seine Haare verlieren, verheddert sich in einem Band, das ständig an ihm klebt oder die Tages­zeitung wird plötzlich zu einer veritablen Decke – mit artis­ti­schen Einlagen und einer Poesie, die am Ende des Tages alles überlagert. Es gelingt den beiden, ganz unauf­dringlich dafür zu sorgen, dass die Besucher für eine halbe Stunde ihr gesamtes Umfeld vergessen. Der begeis­terte Applaus ist mehr als gerechtfertigt.

Auch die beiden laden im Anschluss zu einem Workshop ein, der noch besser besucht zu sein scheint als der am Vortag. Später am Nachmittag werden sie ihre Aufführung noch einmal wieder­holen. Und wäre da nicht der Rest der Welt, man könnte es sich glatt ein zweites Mal anschauen.

Zum ersten Mal fand Public Moves – Bewegung im Grünen im Düssel­dorfer Hofgarten statt. Das Fazit muss deutlich ausfallen: Das war zu wenig. Wenn, wie geplant, eine Wieder­holung in ein oder zwei Jahren statt­findet, sollten bei dem gezeigten Quali­täts­niveau deutlich mehr Auffüh­rungen auf dem Programm stehen. Und da dürfen Küppers & Konsorten auch durchaus über eine Abend­ge­staltung nachdenken. Der Stadt Düsseldorf sei eine auskömm­liche Förderung in den Pflich­tenkorb gelegt. Denn hier wird nicht nur eine Lücke im Tanz geschlossen, sondern auch eine deutliche Aufwertung des Hofgartens erreicht. Und die Aufwertung öffent­lichen Raums hat sich Düsseldorf ja, so ist immer wieder zu hören, auf die Fahnen geschrieben.

Michael S. Zerban

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