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Foto © Carl Brunn

Hanswurstiade

ARIADNE AUF NAXOS
(Richard Strauss)

Besuch am
19. Mai 2017
(Premiere am 15. Mai 2017)

 

Theater Aachen

Es ist die letzte Opern­pro­duktion, die Kazem Abdullah in seiner Eigen­schaft als General­mu­sik­di­rektor am Theater Aachen betreut. Was seine Leistung betrifft, bestätigt sein Dirigat von Richard Strauss‘ Opern­zwitter Ariadne auf Naxos die quali­tative Konstanz, mit der er das Niveau seines Vorgängers Marcus Bosch zumindest halten konnte. Dass ihm das Orchester und die Stadt eine Vertrags­ver­län­gerung verwei­gerten und die Öffent­lichkeit zwei Jahre lang mit Fehlin­for­ma­tionen täuschten, ist schlimm genug. Doch nicht einmal eine würdige szenische Umsetzung seines letzten Stücks wurde ihm gegönnt.

Joan Anton Rechi hat mit locker-flapsigen Rossini-Insze­nie­rungen in Aachen große Zustimmung beim Publikum gefunden. Dass Strauss‘ Ariadne trotz burlesker Elemente keinen Nährboden für Klamauk auf Knall­char­gen­niveau bietet, ist ihm freilich entgangen. Oder liegen ihm mehr oder weniger deplat­zierte Lacher so sehr am Herzen, dass er ihnen den eigent­lichen Reiz des Stücks opfert, nämlich das ambiva­lente Changieren zwischen Tragik und feiner Komödi­an­terie? Wenn er diese Doppel­bö­digkeit schon nicht der Musik anhören kann oder mag, dann verdiente doch wenigstens das feingeistige Libretto Hugo von Hofmannsthals eine zivili­siertere Behandlung.

POINTS OF HONOR

Musik  
Gesang  
Regie  
Bühne  
Publikum  
Chat-Faktor  

Aus der simul­tanen Verknüpfung von Tragödie und Burleske zimmert Rechi eine eindi­men­sionale Hanswurs­tiade, wobei sich Ariadne und Bacchus stellen­weise noch dämlicher aufführen müssen als Zerbi­netta und ihre Gaukler-Truppe. Kein Kalauer aus der Motten­kiste lustiger Theatergags bleibt ungenutzt. Wenn Ariadne doch einmal zur Besinnung kommen darf, müssen die drei Nymphen irgend­welchen Unsinn verzapfen.

Foto © Carl Brunn

Dabei hat Alfons Flores eine durchaus stimmungs­volle Kulisse geschaffen mit einem Patina-angerei­cherten Salon, der sich im zweiten Teil in eine blau ausge­leuchtete Fantasy-Szenerie verwandelt. Damit ließe sich mehr machen, als nur die Türen knallen zu lassen. Merce Paloma lässt sich stärker als Flores von dem Heiter­keits-Bazillus Rechis infizieren. Neben gedie­genen Kostümen sind die puppen­hafte Ausstattung Ariadnes und die alberne Maskerade des Bacchus grenz­wertig. Über das spanische Kolorit der Gaukler-Truppe kann man streiten.

Schade für Abdullah und das rundum vorzüg­liche Ensemble. Aller­dings darf die kleine, überschaubare Besetzung des Ariadne-Orchesters nicht darüber hinweg­täu­schen, dass Strauss auch mit diesen begrenzten Mitteln klanglich mächtig aufdreht. Und da gibt es im Aachener Theater nicht nur bei üppig orches­trierten Stücken wie Janáčeks Jenufa oder Puccinis Trittico Probleme. Gleichwohl gelingt es Abdullah, sowohl den filigranen Konver­sa­ti­onston des Prologs als auch die rausch­hafte Süße des Haupt­teils überzeugend ertönen zu lassen.

Was die Besetzung angeht, ist grund­sätzlich nur Gutes zu vermelden, auch wenn nicht auf Gäste verzichtet werden konnte. Doch wenn man für die Zerbi­netta eine derart jugendlich strah­lende, stimmlich kernge­sunde und kolora­tur­ge­wandte Sopra­nistin wie Marielle Murphy engagiert, spricht nichts dagegen. Das gilt auch für den aufstre­benden Cooper Nolan als Bacchus, der die kurze, aber extrem kräfte­zeh­rende Partie mit tenoraler Strahl­kraft zum Höhepunkt bringt. Die heimi­schen Kräfte können da mühelos mithalten. Auch Irina Popova als Ariadne, die trotz einiger Härten in der Höhe die Partie mit viel emotio­naler Wärme und lyrischem Schmelz gestaltet. Eine ihrer besten Leistungen seit langem. Ihr ebenbürtig Sanja Radišić als burschi­koser Komponist mit einem schönen Mezzo-Timbre und fein dosierter Leidenschaft.

Ausfälle sind nicht zu beklagen, so dass neben dem vielköp­figen Theater­per­sonal im Prolog auch die Komödi­anten und das Nymphentrio zum musika­li­schen Erfolg beitragen: so Michael Terada als Harlekin, Patricio Arroyo als Scaramuccio, Pawel Lawreszuk als Truffaldin und Makudu­panyane Senaoana als Brighella sowie Jolanta Kosira als Najade, Leila Pfister als Dryade und Katharina Hagopian als Echo.

Das Publikum zeigt sich von den musika­li­schen Leistungen beein­druckt und reagiert entspre­chend lebhaft. Aller­dings lassen sich etliche Besucher von der irrefüh­renden Regie zu Lachern an denkbar falschen Stellen animieren.

Pedro Obiera

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