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Nach Stefan Herheims brillanter, aber auch ideologisch überfrachteter Parsifal-Inszenierung nimmt sich Uwe Eric Laufenbergs im letzten Jahr aus der Taufe gehobene Deutung gewöhnungsbedürftig schlicht aus. Das führte zu gewissen Enttäuschungen. Allerdings läuft man Gefahr, ihm Unrecht zu tun, misst man ihn an der Bilderflut Herheims, die in ihrer Fantasiefülle den Blick weniger auf das Werk als auf die Rezeptionsgeschichte richtete. Eine Ästhetik, mit der auch Barrie Koskys neue Meistersinger-Umdeutung nicht nur eine erstaunlich große Begeisterung auslöste, sondern im illustren Kreis erlauchter Professoren, darunter auch der langjährige Stuttgarter Intendant Klaus Zehelein, im Rahmen eines Symposions in der Villa Wahnfried eine Diskussion auslöste, die sich wie selbstverständlich vom Werk abhob und nur noch um Fassetten der Inszenierung kreiste.
Die Lobeshymnen auf Uwe Eric Laufenbergs Parsifal-Sicht fielen in diesem Kreis mit Sicherheit bescheidener aus. Doch ohne die wenig originelle und brave Inszenierung ungewollt aufwerten zu wollen, muss man Laufenberg ein größeres Interesse an dem Stück selbst bescheinigen, als es Kosky und auch Herheim erkennen lassen.
Gleichwohl: Einen Markstein in der Bayreuther Rezeptionsgeschichte bildet die Arbeit nicht. Was das Reflexionsniveau angeht, lässt sie sich zwischen der Bilderbuch-Ästhetik Wolfgang Wagners und der Meta-Perspektive Herheims ansiedeln. Christoph Schlingensiefs sehr private „Nahtod“-Analyse nimmt eine Sonderstellung ein.
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Uwe Eric Laufenberg möchte den Blick auf das Stück zurücklenken und den religionskritischen Ansatz herausstellen. Wagner mahnt schließlich den Verlust an Empathie, an Mitleidsbereitschaft der christlichen Religionen an. Ein Verlust, der zu brutalen, menschenverachtenden Perversionen und Kriegen geführt hat. Laufenberg erweitert diese Botschaft auf den Islam, klammert die dritte große monotheistische Religion, das Judentum, freilich aus. Wir sehen im ersten Akt die Gralsritter als frömmelnde Betbruderschaft, die nur an ihr Weiterleben denkt und die Leiden ihres mit Dornenkrone und Wundmalen geschundenen Königs Amfortas brutal verschärft, indem sie seine Wunde gewaltsam öffnet und ein Blutbad auf einem Opferstein anrichtet. Vom Gral und himmlischer Erleuchtung ist nichts zu sehen. Der Blutrausch wird zum Lebenselixier.
Angesiedelt ist das Geschehen in einem von Gisbert Jäkel ziemlich grob gestalteten, von einer Kuppel überhöhten Kirchenraum, wie man ihn, wenn auch filigraner, vom Dom zu Siena und auch von islamischen Moscheen kennt. Im zweiten Akt sind die Wände mit orientalischen Arabesken verziert und die Blumenmädchen erscheinen tief verschleiert, bevor sie ihre Hüllen fallen lassen und Parsifal in einem Dampfbad leicht geschürzt zu verführen versuchen. Klingsor, der Herr über den Harem, geilt sich derweil an einer Sammlung christlicher Kreuze auf, geißelt sich und frönt christlicher Arten und Unarten. Bigotterie in fortgeschrittenem Stadium. In dieser wüsten Mischung freilich eher verwirrend als erhellend.
Botschaften, die allerdings substantiell vom Stück getragen werden. Auch wenn Laufenberg manches platte Klischee aus dem Theaterfundus bemüht, hat er die Personenführung und die Charakterisierung der Figuren gegenüber dem Vorjahr doch merklich präzisiert. Dennoch: Das Bild von Amfortas als Christus-Allegorie wird überstrapaziert, die Badeszene im Hamam ist banal angelegt, Parsifals Eroberung des Speers mutet geradezu unbeholfen an.

Mag man Laufenbergs Diagnose der ethisch entwurzelten Religionen noch folgen, bleibt er uns Wagners Gegenentwurf nach wie vor schuldig. Was bewirkt denn Parsifals „Mitleidsgeste“ und Erlösungshandlung bei Laufenberg? Keine Reinigung der Religionen, sondern die Menschen distanzieren sich davon, werfen Kreuze, Kelche und andere Insignien in den Sarg Titurels und wandeln einer ungewissen Zukunft entgegen. Einer von Religionen befreiten Welt, die dadurch mehr Empathie verspricht? Dieser Frage entzieht sich Laufenberg, so dass Wagners verklärende Schlussmusik die hoffnungsvolle Antwort geben muss.
Gewonnen hat der Parsifal auf jeden Fall an musikalischer Überzeugungskraft. Wunder durfte man von Hartmut Haenchens Dirigat im letzten Jahr angesichts knapper Probenzeiten nicht erwarten. Er sprintet nach wie vor eine halbe Stunde schneller durch den ersten Akt als seinerzeit James Levine, lässt es auch diesmal nicht an dramatischer, mitunter plakativ opernhafter Schlagkraft vermissen, doch entlockt er dem Festspielorchester erheblich mehr an jenen weltentrückten Klangfarben und entmaterialisierten Zwischentönen, die nur im Bayreuther Festspielhaus zu erleben sind. Hier wirkt sich die gegenüber dem Vorjahr großzügigere Probenzeit wohltuend aus.
Publikumsliebling Klaus Florian Vogt wechselt in diesem Jahr vom Parsifal zum Walther von Stolzing. Mit Andreas Schager nimmt ein Tenor seinen Platz ein, der die Partie mit erheblich mehr jugendlichem Impetus und vor allem größerer stimmlicher Strahlkraft ausstattet als Vogt und sich damit auch für die ganz großen Tenor-Partien auf dem Grünen Hügel empfiehlt. Klaus Florian Vogt mag derzeit als Lohengrin unerreichbar sein. Sein für die meisten Wagner-Partien zu lyrischer und weicher Tenor, zu denen auch der Parsifal und der Walther zu zählen sind, schränken seinen Einsatzradius erheblich ein. Darin ist er Andreas Schager deutlich unterlegen.
Eine ganz große Leistung vollbringt erneut Georg Zeppenfeld als vorbildlich deklamierender Gurnemanz, und Elena Pankratova überzeugt wie im letzten Jahr als stimmgewaltige und dennoch differenziert gestaltende Kundry. Einen stimmlich etwas schütteren Eindruck hinterlässt dagegen Ran McKinny als Amfortas, während Derek Welton als Klingsor erheblich mehr an dämonischer Hintergründigkeit ausstrahlt als sein Vorgänger Gerd Grochowski. Eine Klasse für sich stellt wie gewohnt der Festspielchor dar, so dass der Parsifal insgesamt den musikalischen Aufwärtstrend der Bayreuther Festspiele unterstützt.
Insgesamt begeisterter Beifall für alle Beteiligten, in den sich einige wenige und recht zahme Buh-Rufe für das szenische Team mischen.
Pedro Obiera