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Letzter Durchlauf

DAS RHEINGOLD/​DIE WALKÜRE
(Richard Wagner)

Besuch am
29./30. Juli 2017
(Premiere)

 

Bayreuther Festspiele, Festspielhaus

Was ist los in Bayreuth? Freie Plätze im Ring, neben dem Parsifal das Herzstück der immer noch renom­mierten Bayreuther Festspiele? Karten, die früher wie kostbare Edelsteine gehandelt wurden, sind in diesem Jahr problemlos erhältlich. Auch noch an den Spiel­tagen. Und sogar online auf der offizi­ellen Buchungs-Homepage.

Auch wenn Frank Castorfs Ring, der in diesem Jahr zum fünften und letzten Mal zyklisch gezeigt wird, seit seiner Premiere 2013 höchst umstritten ist, haben auch früher proble­ma­tische oder gar belanglose Insze­nie­rungen das Interesse an den Festspielen nie abreißen lassen. Offiziell gelten die Festspiele auch in diesem Jahr als restlos ausver­kauft. Die Festspiel­leitung erklärt sich den wunder­samen Karten-Überschuss so: Durch rigorose Maßnahmen gegen den Schwarz­markt­handel vor allem im Online-Markt stünden kurzfristig mehr einge­zogene Karten zur Verfügung als in früheren Jahren, als Wolfgang Wagner noch persönlich mit mehr oder weniger Erfolg gegen Schwarz­händler auf dem Vorplatz vorge­gangen ist.

Leben müssen die Festspiele heute auch mit dem Blogger-Wust im Internet, bei dem sich vor allem Gegner des Castorf-Rings nicht immer respektvoll Luft verschaffen und der Produktion einen nicht sonderlich guten Ruf einbrachten. Und die massiven Umbeset­zungen in den ersten Jahren haben auch nicht gerade zu einer quali­ta­tiven Stabi­li­sierung oder zur Stärkung des Ansehens beigetragen.

POINTS OF HONOR

Musik     
Gesang     
Regie     
Bühne     
Publikum     
Chat-Faktor     

Schließlich wurde der Ring nach seiner Premiere vor fünf Jahren als „Petrenko-Ring“ gefeiert. Doch Kirill Petrenko, der gefeierte Dirigent, Chef der Bayeri­schen Staatsoper und designierter Leiter der Berliner Philhar­mo­niker, verließ bereits nach zwei Jahren den Hügel, und mit dem Wagner-erfah­renen Marek Janowski erhielt der Ring eine neue, erheblich straffere und robustere musika­lische Ausrichtung. Das schlägt sich, wie bereits die beiden ersten Ring-Teile in diesem Jahr zeigen, in einem von überbor­dender musik­dra­ma­ti­scher Energie getra­genen Gewaltritt durch die Parti­turen nieder. Janowski nimmt wenig Rücksicht auf musika­lische Feinheiten, die im verdeckten Orches­ter­graben ohnehin einer besonders sensiblen Behandlung bedürfen, noch auf die Sänger, auch wenn er seinem Wotan im großen Monolog des zweiten Walküren-Akts diesmal ein wenig mehr Luft zum Atmen und zur Gestaltung lässt als im Vorjahr.

Foto © Enrico Nawrath

Ansonsten kann sich Janowski glücklich schätzen, vor allem in der Walküre über Sänger verfügen zu können, die den dynamisch aufge­heizten und durchweg auf Sprint-Tempo getrimmten Parforce-Ritt ohne nennens­werte Reibungs­ver­luste bewäl­tigen können. Dazu zählen Chris­topher Ventris als Siegmund und die erstaunlich stimm­ge­waltige Camilla Nylund als Sieglinde, erst recht natürlich die bewährte Catherine Foster als Brünn­hilde. Und John Lundgren hätte die stimm­lichen Mittel, die komplexe Partie des Wotan diffe­ren­zierter zu gestalten, wenn ihm Janowski genügend Freiraum ließe.

Insgesamt überflügeln die Gesangs­leis­tungen in der Walküre die mittel­mä­ßigen Darbie­tungen im Rheingold um mindestens eine Klasse. Dort können lediglich Daniel Behle als Froh, Andreas Conrad als Mime und Günther Groissböck, der gerüch­te­weise schon als Wotan des nächsten Rings im Jahre 2020 gehandelt wird, vollauf überzeugen. Iain Petersons Wotan wirkte so blass wie Roberto Saccàs Loge stimmlich eng und flackernd. Und selbst der versierte Albert Dohmen als Alberich irritiert durch ungewohnte Vokal­ver­fär­bungen, an denen der Druck aus dem Orches­ter­graben nicht unschuldig sein dürfte.

Zum Publi­kums­liebling avanciert in diesem Jahr der im Sauerland geborene Bassist Georg Zeppe­nfeld, der, auf der Höhe seiner stimm­lichen Leistungs­fä­higkeit, wie zu Zeiten von Hans Sotin gleich als König Marke im Tristan, als Gurnemanz im Parsifal, als Hunding in der Walküre und auch noch als Nacht­wächter in den Meister­singern für markante Akzente sorgt.

An Frank Castorfs Deutung des Rings als Saga inter­na­tio­naler Öl-Multis scheiden sich nach wie vor die Geister. Dass Castorf die „Rheingold-Gesell­schaft“ in die Luden- und Huren­sze­nerie eines abgeta­kelten Motels der ameri­ka­ni­schen Route 66 verlegt, ist zwar originell, verkürzt aber die Möglich­keiten, den morali­schen Verfall der Ring-Gesell­schaft bis zum weit entfernten Ende der Götter­däm­merung zwingend und ohne Spannungs­ver­luste entwi­ckeln zu können. Im Grunde ist die Welt mit dem ersten Takt des Rhein­golds bereits am Ende. Castorfs Rezept, mit Hilfe der gigan­ti­schen Bühnen­bilder von Aleksandar Denić die vier Abende in verschiedene Öl-produ­zie­rende Regionen der Welt zu trans­for­mieren, die Walküre etwa auf eine Ölstation im aserbai­dscha­ni­schen Baku, könnte im Film erheblich überzeu­gender wirken als auf der Bühne. Das Ergebnis sind vier sehr lose zusam­men­hän­gende Einzelteile.

Platz für eine diffe­ren­zierte Perso­nen­führung bleibt da wenig. Und an der scheint Castorf nach den vielen Umbeset­zungen auch nicht mehr sonderlich inter­es­siert zu sein. Zumal man in den gewal­tigen Bauten Denićs die Figuren, vor allem in der Walküre, oft mit der Lupe suchen muss.

Doch abgerechnet mit einer Ring-Produktion wird erst nach der Götter­däm­merung. Das Publikum reagiert auf die beiden ersten Vorstel­lungen wie gehabt. Mit stürmi­schem Beifall für Sänger und Dirigent, in die sich einige zaghafte Buh-Rufe gegen die Regie mischen. Die zielen aller­dings ins Leere, da sich das szenische Team um Frank Castorf erst nach der Götter­däm­merung dem Publikum stellen wird. Da wird es turbu­lenter zugehen.

Pedro Obiera

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