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Als „Zaubermärchen“ hatte der Dramatiker Hugo von Hofmannsthal einst sein Werk beschrieben, als er mit Richard Strauss im Frühling 1911 anfing, die Handlung zu besprechen. Es dauerte dann doch noch lange, bis die Oper endlich 1919 an der Wiener Staatsoper zur Uraufführung kam und von Anfang an mit der Zauberflöte von Mozart und Faust von Goethe verglichen wurde.
Vielleicht wegen der polyphonen Komplexität und dem doch nicht so zugänglichen Sujet zwischen Mystik und Psychoanalytik ist diese Oper eher selten gespielt. Jetzt wird sie an der Berliner Staatsoper mit Zubin Mehta als Dirigent und Claus Guth als Regisseur sowie einer hervorragenden Riege an Solisten als Premiere der Festtage herausgebracht – als Koproduktion zwischen dem Teatro alla Scala und Royal Opera Covent Garden.
Wie schon in vergangenen Inszenierungen, hat Claus Guth die Geschichte in einem bürgerlichen Milieu angesiedelt – hier mit Andeutungen an das psychiatrische Krankenhaus „am Steinhof“ in Wien und in edlen, mit Mahagoni getäfelten Räumen von Christian Schmidt, der auch für die zeitlosen Kostüme verantwortlich zeichnet.
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Während des Vorspiels wird die bettlägerige Kaiserin und Tochter aus dem Geisterreich als „schattenlos“ diagnostiziert. Als Arzt und Amme, wie auch ihr Mann, der Kaiser, den Raum verlassen, fängt sie an zu träumen. So wird die Handlung der Oper ihr Alptraum, Vergangenheitsbewältigung und Reifprüfung in einem, komplett mit Nosferatu-ähnlichen, schwarzen Gestalten, Visionen der weißen Gazelle, die sie einst war und die von ihrem Mann eingefangen und sublimiert wurde. Der Geisterkönig Keikobad gibt seiner Tochter noch drei Tage, einen Schatten – Fruchtbarkeit – zu finden. Ansonsten wird ihr Mann zu Stein erstarren. Ihre Amme – eine zwiegespaltene Gestalt zwischen Fee und Hexe –hilft ihr, in die irdische Welt hinabzusteigen, in das Haus vom Färber Barak und seiner Frau, beide ebenfalls kinderlos. Die Amme erkennt, dass Baraks Frau bereit ist, ihren Schatten an die Kaiserin zu verkaufen. Zwar wird der Handel abgeschlossen, aber die Geister der ungeborenen Kinder klagen an und lassen Baraks Frau an ihrer Entscheidung zweifeln. Es folgen Reifeprüfungen für beide Paare – Barak und seine Frau, die zu irdisch sind, der Kaiser und Kaiserin, die fernab jeglicher Realität leben. Symbolik überall – der Falke als Symbol der Macht des Kaisers, die Gazelle als verwundbare Verkörperung der Kaiserin, der Schatten als verankerndes Element der Menschen mit der Erde, der alternde Keikobad mit imposanter Antilopenmaske.
Wie in einem Drogenrausch laufen die verschiedenen Prüfungen für alle vier Protagonisten ab und steigern sich zu einer Walpurgisnacht-ähnlichen Apotheose am Ende des zweiten Aktes. Auch hier ist die Amme der Katalysator, die Urkraft, die alles vorantreibt, um letztendlich von Ihrem Zögling, der Kaiserin, verschmäht zu werden. Die bekommt ihren Schatten nicht durch den schnöden Handel der Amme mit Baraks Frau, sondern durch ihr eigenes, wachsendes Selbstbewusstsein als erwachsene und selbstbestimmte Frau.
Der dritte Akt ist von herrlichen lyrischen Passagen bestimmt, die quasi zur Lösung des dramaturgischen gordischen Knotens und einer Art Happy End führt. Claus Guth aber lässt seine Patientin aufwachen und jetzt selbstbewusst weiterleben. Die sublime Musik von Strauss wird hier durch die starke visuelle Umsetzung mit den Videoprojektionen von Andi A. Müller und dem Licht von Olaf Winter unterstützt.

Die Frau ohne Schatten ist eine Oper mit großer Besetzung – sowohl im Orchestergraben wie auf der Bühne. Wie so oft bei Strauss, sind die Rollen der weiblichen Figuren diejenigen, die das Werk tragen. Hier sind es Camilla Nylund als Kaiserin und Iréne Theorin als Baraks Frau – beides Rollendebüts – die die stimmlich und dramatisch sehr anspruchsvollen Partien bravourös und ebenbürtig bewältigen. Michaela Schuster verkörpert die Amme mit fast grotesken Überzeichnungen und ausdrucksreicher stimmlicher Leistung. Burkhard Fritz gibt dem Kaiser mit seinem schön timbrierten, edlen Tenor viel Persönlichkeit. Der warme Bass-Bariton von Wolfgang Koch erdet seinen Barak in der Realität des Hier und Jetzt. Roman Trekel überzeugt als eleganter Geisterbote. Die vielen kleineren Rollen werden von Ensemblemitgliedern dargestellt. Die weiße Gazelle von Tänzerin Sarah Grether und der Falke von Victoria McConnell müssen erwähnt werden. Zwar sind ihre Rollen stumm, aber die Grazie und Anmut beider Figuren in ihren realistischen Masken, tragen sehr zur gefühlvollen Fantasiewelt der Geschichte bei – dank der Einstudierung von Julia Burbach.
Richard Strauss hat für großes Orchester und mehrere Chöre geschrieben – für jedes Opernhaus ist die Produktion dieser Oper eine Herausforderung von wagnerschen Dimensionen. Die Staatskapelle Berlin mit Ehrendirigent Zubin Mehta an der Spitze meistern diese Anforderungen glänzend. Klanggewaltig in den Naturbildern und ebenso durchsichtig und zart in den lyrischen Passagen: Wie ein Wasserfall von Musik strömt es über das Publikum. Dass man manchmal sowohl Orchester und Sänger als zu laut empfindet, liegt eher an dem relativ kleinen Schiller-Theater.
Rauschender Applaus für die Sänger, Dirigent und Orchester. Die wenigen Buhrufe für das kreative Team um Claus Guth werden locker von den Bravo-Rufen übertönt.
Zenaida des Aubris