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Foto © Bernd

Der Tod ist unsichtbar

L’INVISIBLE
(Aribert Reimann)

Besuch am
8. Oktober 2017
(Urauf­führung)

 

Deutsche Oper Berlin

Der Doyen der deutschen Kompo­nisten, Aribert Reimann, hat schon oft die Werke von litera­ri­schen Riesen als Vorlage für seine Opern verwendet – Lear von Shake­speare, Das Haus der Bernarda Alba von Federico Garcia Lorca, um nur zwei Beispiele zu nennen. Nun hat Reimann drei kurze Geschichten von Maurice Maeter­linck – ursprünglich für Mario­net­ten­theater geschrieben – als litera­rische Vorlage für das Libretto seiner neunten Oper genommen: L’Intruse – der Eindringling, Intérieur und La Mort de Tinta­giles werden als L’Invisible – der Unsichtbare – in einer 90-minütigen, zusam­men­hän­genden Mini-Trilogie präsen­tiert. Die Werke des Symbo­listen Maeter­linck sind bekannt für Figuren, die scheinbar aus einer anderen Welt stammen – etwa die Mélisande, die alle in Pelléas et Mélisande verzaubert.

In der gut bürger­lichen Gesell­schaft von L’Invisible hat alles – oberflächlich – seine Ordnung. In der ersten Geschichte sitzt die Familie um einen Tisch und wartet, dass es der jungen Frau, die ein Kind geboren hat, aber jetzt im Fieber liegt, bessergeht – oder nicht. Da erahnt der blinde Großvater einen unsicht­baren Eindringling. Reimann kompo­niert in diesem ersten Teil ausschließlich für Streicher. Cluster­artige Akkorde steigern die Spannung, bis hin zum ersten Schrei des Kindes, der zugleich den Tod der Mutter ankündigt und von den erst jetzt einset­zenden Holzbläsern regel­recht heraus­ge­presst wird.

POINTS OF HONOR

Musik
Gesang
Regie
Bühne
Publikum
Chat-Faktor

In der zweiten Geschichte ist gerade Weihnachten, und die Familie packt Geschenke aus. Zwei alte Männer haben die Leiche einer der Töchter der Familie im Fluss gefunden. Nun sinnieren sie, ob sie es der Familie jetzt oder später sagen sollen.  Passend zu diesem kammer­mu­si­ka­li­schen Intérieur spielen nur Holzbläser, inklusive Bassflöte, Heckelphon und Kontrabassklarinette.

In der dritten Geschichte geht es um einen jungen Thron­folger, der in das Schloss seiner Großmutter geholt wird. Sie ist eine macht­gierige Königin. Seine zwei Schwestern probieren, ihn vor den mordenden Diene­rinnen der Großmutter zu schützen. Letzt­endlich gelingt es ihnen nicht. Jetzt erklingt das volle Orchester, inklusive Blech­bläsern, Schlagwerk und zwei Harfen.

Die Regie von Vasily Barkhtov deutet auf eine fast Chekov- oder Chabrol-artige, oberfläch­liche Norma­lität. Unter­stützt von den bürger­lichen Bauten des Einheits­büh­nen­bildes mit zurück­wei­chenden Fronten von Zinovy Margolin, sieht es vorab aus wie eine schöne, heile Welt. Auch die braven Kostüme von Olga Shaish­me­lashvili lassen nichts Schlimmes erahnen und passen sich der monochromen, grauen Ästhetik an. Durch die schat­ten­riss­ar­tigen Video­pro­jek­tionen von Robert Pflanz wird dann das Unsichtbare sichtbar – Wesen aus einer anderen Welt schweben über die Hausfassade, mensch­liche Gestalten erzählen die Paral­lel­ge­schichte der Dorfbe­wohner, die die Leiche aus dem Fluss heben, das Spiel um Leben und Tod nimmt sehr reale Formen an.

Foto © Bernd Uhlig

Wie kein anderer Komponist der Gegenwart schreibt Reimann für die Stimme – und Rachel Hamisch, die die Haupt­partien in allen drei Teilen verkörpert – würdigt das mit ihrem klaren, kulti­vierten Sopran. Besonders im dritten Teil drückt sie ihre Verzweiflung mit sicheren Kolora­turen in einem großen Monolog aus. Auch Mezzo­so­pra­nistin Annika Schlicht kann sich mit der Doppel­rolle von Marthe und Bellangère behaupten, wie auch Bariton Seth Carico als Vater. Der souveräne Bass-Bariton von Stephen Bronk in der Dreifach-Partie von Großvater, Altem und Aglovale verankert die Handlungen besonders im zweiten Teil. Hier drückt er – mit dem blassen, aber durch­schlags­kräf­tigen Tenor von Thomas Blondelle als Fremder – die Zweifel aus, wie und wann man schlechte Nachrichten überbringen soll.

Drei Counter­tenöre begleiten und kommen­tieren die Gescheh­nisse, ähnlich einem griechi­schen Chor. Tim Severloh, Matthew Shaw und allen voran Martin Wölfel tauchen erst im dritten Teil auf der Bühne als Diene­rinnen der bösen Königin auf. Hier sind sie als Kranken­pfleger getarnt, die das Kind Tinta­giles abholen, um es zu töten. Der Junge Salvador Macedo hat eine Sprech­rolle, die in seiner Unschuld umso stärker wirkt.

Donald Runnicles führt das sehr engagierte Orchester der Deutschen Oper sicher über die kulti­vierten Disso­nanzen und Mikro­po­ly­phonie der Partitur. Seit Aribert Reimann die drei Stücke an der Berliner Schau­bühne vor Jahrzehnten gesehen hat, wollte er eine Oper hierzu kompo­nieren. Nun hat ihm die Deutsche Oper Berlin mit diesem Auftragswerk die Gelegenheit dazu gegeben und sich selbst und dem Kompo­nisten einen großen Erfolg gesichert.

Nur selten dürfte man ein so begeis­tertes Premie­ren­pu­blikum am Haus erlebt haben wie bei dieser Uraufführung.

Zenaida des Aubris

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