O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.
Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.
Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.
O-Ton
3-Monats-Abo
für jeweils 3 Monate
O-Ton
Jahres-Abo
pro Jahr
O-Ton
6-Wochen-Abo
für jeweils 6 Wochen
O-Ton
Jahres-Mitgliedschaft
für ein Jahr
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Kulturmagazin mit Charakter
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
DER JAHRMARKT VON SOROTSCHINZI
(Modest Mussorgski)
Besuch am
2. April 2017
(Premiere)
In der laufenden Spielzeit bietet die Komische Oper Berlin ein besonders reizvolles Premierenprogramm. Gezeigt werden bis auf eine Ausnahme – Der Barbier von Sevilla – vorwiegend Opern jenseits des gängigen Repertoires. In diesem Rahmen hat Intendant Barrie Kosky erstmals seit 1948 Modest Mussorgskis groteske Volkskomödie Der Jahrmarkt von Sorotschinzi, die 1911 als Fragment posthum uraufgeführt wurde, angesetzt und zur Chefsache gemacht. Die Komische Oper greift auf die Rekonstruktion des russischen Komponisten Wissarion Schebalin zurück und integriert dazu einige von Mussorgskis Lieder und Tänze des Todes sowie das in Gedenken an Mussorgski komponierte Hebräische Lied von Nikolai Rimski-Korsakov.
| Musik | ![]() |
| Gesang | ![]() |
| Regie | ![]() |
| Bühne | ![]() |
| Publikum | ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() |
Die Oper führt in ein kleines ukrainisches Dorf, in dem man noch an den Teufel glaubt. Der soll aus Ärger über einen vermeintlichen Betrug im Ort sein Unwesen treiben, in dem er den Bewohnern in Schweinegestalt erscheint. So geschieht es auch der Familie Tscherewik, vor deren Fenster eine Tierfratze auftaucht, als unerwartete Gäste das Techtelmechtel von Ehefrau Chiwrja mit ihrem jungen Geliebten stören. Doch es ist nur der Streich eines Zigeuners. Wegen der Blamage widersetzt sich Chiwrja nicht mehr der bisher abgelehnten Heirat ihrer Stieftochter Parasja mit einem Bauernburschen.
Koskys Inszenierung beginnt im Dunkeln. Man hört einen berückenden, melancholischen Gesang. Es ist jenes Hebräische Lied, das auch am Ende erklingt. Ganz allmählich schreitet der Chor dabei nach vorne, in den Händen Kerzen, die nach und nach aufglimmen. Er trägt üppige, von Katrin Lea Tag entworfene, folkloristische Kostüme. So stellt sich eine Schtetl-Atmosphäre ein, die durch die jüdische Weise musikalisch untermauert wird. Was folgt, ist ein kontrastreicher Wechsel von statischen Chortableaus, deftig ausgespielten Genreszenen und Momenten des Innehaltens.

Die Szene im Hause Tscherewik, in der Chiwrja nach dem Ehestreit ein Festmahl für den Geliebten bereitet, wird zum naturalistischen Glanzstück und ist wie geschaffen für die Gestaltungskraft von Agnes Zwierko. Wie sie vom keifenden Hausdrachen zum Turteltäubchen mutiert, dabei kocht, bäckt, sich schmückt und dazu mit üppigem Mezzosopran pralle Sinnesfreude verbreitet, ist ungemein komisch. Mit raumfüllender Präsenz und rabenschwarzem Bass gelingt Jens Larsen ein realistisches Porträt des trunksüchtigen Tscherewik. Romantisches Gefühl und lyrisches Sehnen vermitteln Mirka Wagner und – eine Tenorentdeckung – Alexander Lewis. Trotz der großartigen Solisten gebührt dem durch das Vocalconsort verstärkten und von David Cavelius einstudierten Chor der Komischen Oper, die Krone des Abends. Tonfülle und Klangpracht, Homogenität auch im zartesten, schwebenden Piano verbunden mit Spiel- und Tanzeslust zeichnet das Gesangskollektiv auch in dieser Produktion aus.
Henrik Nánási lässt in seiner letzten Produktion als Generalmusikdirektor mit Saft und russischer Emotionalität musizieren, kann aber einige Koordinationswackler nicht verhindern.
Starker Beifall, aber auch einige Buhs für Barrie Kosky.
Karin Coper