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DIE LUSTIGEN WEIBER AUS WINDSOR
(Carl Ditters von Dittersdorf)
Besuch am
25. August 2017
(Premiere)
In Berlin gibt es die spektakulären Sommerfestspiele, und es gibt die kleinen, feinen, die ein bisschen im Verborgenen blühen. Die Sommeroper des Festivals Schloss Britz in Neukölln, die seit über zehn Jahren im ehemaligen Stall einer idyllischen, schön herausgeputzten Gutshofanlage stattfindet, ist so ein Fall. Sie muss sich neben den derzeitigen Großspektakeln Tanz im August und Young Euro Classic behaupten und schafft das mit durchaus berechtigtem Selbstbewusstsein. Weil sich hier unter der Federführung der überaus rührigen Musikschule Paul Hindemith Neukölln professionelle Künstler, Musiklehrer und Laien zusammenfinden und mit viel Enthusiasmus und kleinstem Budget anregendes Musiktheater machen. Wobei man noch nicht mal auf Repertoireknüller setzt: Selten zu hörende Werke aus der Mozartzeit, wie Salieris La grotta di Trofonio, Gazzanigas Don Giovanni, Paisiellos Barbier von Sevilla und Haydns Orlando Paladino haben sich bei der Spielplangestaltung herauskristallisiert.
| Musik | ![]() |
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Dieses Jahr ist es die komische Oper Die lustigen Weiber aus Windsor. Die Shakespeare-Vertonung um den gefoppten Möchtegern-Schwerenöter Sir John Falstaff stammt von Carl Ditters von Dittersdorf, einem Mozart-Epigonen, der von 1739 bis 1799 lebte. Was für Mühe auf die Ausgrabung verwendet wurde, ist in dem vorzüglichen Programmheft nachzulesen. Über drei Jahre brauchte der Allroundmusiker Georg Hermansdorfer, um die Partitur zu rekonstruieren. 2012 führte er die Oper in Rosenheim erstmals in modernen Zeiten auf, in Berlin ist sie nun zum zweiten Mal zu erleben, vokal angepasst an die hiesigen Möglichkeiten, wozu die Bündelung mehrerer Partien zu Doppelrollen gehört.
Die Bühnenausstattung von Pia Wessels beschränkt sich, angelehnt an das Globe-Theater, auf das Nötigste: zwei Spielflächen, die durch drei Stufen verbunden sind, einige verschiebbare Wände, später ein paar grüne Glitzerschnürvorhänge für die Waldszene reichen als Kulisse aus, während die überdrehten Kostüme und Frisuren zum Blickfang werden. An Aufführungstraditionen der Shakespeare-Zeit, als Frauen noch von männlichen Darstellern gespielt wurden, knüpft Tatjana Rese in ihrer Inszenierung an. Die Regisseurin geht dabei noch einen Schritt weiter. Sie hat nicht nur die weibliche Dienerschaft maskulin besetzt, sondern auch noch beim jungen Liebespaar Luise und Warnek das Geschlecht getauscht, so dass das Mädchen vom Bariton, der Jüngling vom Sopran verkörpert wird. Woraus sich eine Verwechslungskomödie entwickelt, die zwischen handfestem Schwank und pointiert gezeichneter Komödie, besonders hübsch etwa die Duette der Frauen, pendelt.

Das putzmuntere Ensemble lässt sich voller Spielfreude auf die Rarität ein. Andrea Chudak, Sopranstütze der ersten Stunde beim Britzer Opernsommer, überzeugt auch als Madam Wallauf und kann zudem in ihrer Arie Koloraturstärke beweisen. Dem Falstaff verleiht Tye Maurice Thomas einen virilen Bassbariton und imposante Statur. Andreas Post bringt das Kunststück zustande, sowohl Vater Wallauf als auch Tochter Luise stimmlich und darstellerisch gleichermaßen gewandt zu verkörpern. Mit einem Schauspieler ist der Herr Ruthal besetzt. Hans Piesbergen wirkt zwar in den Ensembles wie ein Fremdkörper, gleicht das aber durch darstellerische Präsenz aus. Und kann zusätzlich mit einem Einlagesong auf die Musik zu New York, New York punkten. Die Krone aber gebührt Katharina Ajyba, die erst eine Woche vor der Premiere für eine erkrankte Kollegin einsprang. Sie singt die Doppelrolle der Madam Ruhtal und des Warnek mit solcher Frische und Reinheit, dass man ihr die kurze Vorbereitungszeit in keinem Moment anmerkt.
Der Dirigent Stefan R. Kelber, der auch mal solistisch zur Geige greift, kann auf das hoch motivierte Orchester des Festivals Schloss Britz bauen, das die singspielhafte Musik locker und charmant kredenzt. Die Positionierung auf der Hinterbühne erschwert allerdings die reibungslose Koordination zwischen Sängern und Instrumentalisten.
Das Publikum bei der ausverkauften Premiere hat viel Spaß an der Aufführung und spendet allen Mitwirkenden großen Beifall.
Karin Coper