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Letztes Jahr feierte Aribert Reimann seinen 80. Geburtstag – und wird dafür nachträglich von der Komischen Oper mit der Berliner Erstaufführung seiner 2010 in Wien uraufgeführten Oper Medea beschenkt. Reimanns Vertonung der griechischen Sage, zu der er selbst das Libretto schrieb, basiert auf dem romantischen Schauspiel von Franz Grillparzer. Sie zeigt Medea, anders als die meisten Bühnenwerke über die mythologische Frauengestalt, weniger als rasende Kindermörderin denn als Vertriebene und Ausgegrenzte. Ihre Bemühungen, in der Fremde anzukommen, scheitern. Jason, für den sie die Heimat verließ und das mystische Goldene Vlies stahl, hat sich mit der Königstochter Kreusa eingelassen, der Herrscher selbst will sie ausweisen. Die Bluttat ist die radikale Konsequenz ihres vergeblichen Kampfes um Anerkennung und Integration. Mutig entscheidet sie sich am Ende, das Vlies, Ursache alles Leidens, zurück nach Delphi zu bringen, um dort ihre Strafe zu empfangen.
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Reimanns Medea lässt einen nicht kalt. Was einerseits an der emotionalen Musik liegt, die der Komponist, als besonderer Verehrer der weiblichen Stimme, speziell seinen Protagonistinnen in die Kehle geschrieben hat, andererseits an der Thematik. Es liegt nahe, den Stoff zu aktualisieren und als Flüchtlingsdrama zu inszenieren. Nicht so Benedict Andrews. Der Regisseur zeigt die Oper als archaische und gleichzeitig zeitlose Tragödie, verbildlicht durch den leeren Bühnenraum von Johannes Schütz und die historisch neutralen Kostüme von Victoria Behr. Eine Leuchte verbreitet, einer brennenden Sonne gleich, teils gleißendes, teils diffuses Licht. Erdgeröll bedeckt den Boden. Begrenzt von einer niedrigen Steinmauer, deuten ein paar Stangen die Umrisse eines Hauses an. An diesem tristen Ort lebt Medea, verstoßen und missachtet. Wie weit entfernt sie von der Gesellschaft ist, zeigt Andrews sehr anschaulich. Während Medea getrieben daueragiert, sitzen die anderen Personen statisch vor der hinteren Bühnenwand und begeben sich nur für ihre Auftritte ins Zentrum des Geschehens. Die Kinder sind Spielball zwischen der Mutter, dem untreuen Vater und seiner Geliebten. Folgerichtig ist da Andrews Einfall, sie von lebensgroßen Marionetten darzustellen, die sich beliebig bewegen lassen.

Die Medea ist eine weitere Glanzpartie im Repertoire von Nicole Chevalier, die für ihre Rollenidentifikationen – die Traviata in Hannover und die vier Frauenrollen in Hoffmanns Erzählungen – bereits zweimal einen Preis erhielt. Und auch dieser Abend wird zum Triumph für die Sopranistin. Sie hat sich die Medea in allen Facetten zu Eigen gemacht, wechselt beständig zwischen Raserei, Hoffnung und Verzweiflung, ohne ins Hysterische zu verfallen. Wie sie dabei die kräftezehrende Rolle, die fast die Hälfte der gut zweistündigen Oper umfasst, ohne Mühe meistert und noch die exaltiertesten Sprünge bis in die höchste Lage mit traumwandlerischer Sicherheit und Stimmschönheit gestaltet, ist überwältigend. Vorzüglich sind auch die weiteren Solisten: Nadine Weissmann, die mit expressiven Tönen warnende Amme, und Anna Bernacka, die mit verspielten Koloraturen brillierende Kreusa. Günter Papendell gibt mit kernig-nuanciertem Bariton den wankelmütigen Jason, Ivan Turšić verdeutlicht mit fein gesponnenen Tenorlinien die Exaltiertheit des Kreon. Den Episodenauftritt des Herolds nutzt Eric Jurenas für eine eindringliche Demonstration seines schönen, agilen Countertenors.
Steven Sloane führt das blendend disponierte Orchester der Komischen Oper souverän durch Reimanns zerklüftete, schroffe Klanglandschaft. Großartig gelingt die Balance zwischen Instrumenten und Solisten, die Transparenz ist durchgehend gewährleistet.
Es gibt viele Bravorufe für Nicole Chevalier und den anwesenden Komponisten und langanhaltenden Beifall für eine starke Aufführung.
Karin Coper