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Perlenkette und Film-Musik

LES PÊCHEURS DE PERLES
(Georges Bizet)

Besuch am
24. Juni 2017
(Premiere)

 

Staatsoper Berlin

Diese letzte Neupro­duktion der Saison an der Staatsoper Berlin war mit beson­derer Spannung erwartet worden:  Nicht nur Daniel Barenboim hatte diese Oper noch nie dirigiert, es war auch das Opern­re­gie­debüt des Filmre­gis­seurs Wim Wenders, besser bekannt für Buena Vista Social Club, Paris, Texas oder Der Himmel über Berlin. Was würde er aus dieser relativ unbekannten Oper machen?  Die Feuil­le­ton­bei­träge der letzten Wochen waren voll der netten Anekdote, wie es gerade zur Auswahl dieser Oper kam:  Wim Wenders hatte die einzigen zwei berühmten Arien immer wieder auf einer Juxebox in einer Bar in den späten 1970-er Jahren in San Francisco gehört. Als die Einladung von Daniel Barenboim kam, eine Oper zu insze­nieren und sie sich trafen, ließ Barenboim sich gleich die Partitur kommen, blätterte um und summte die Melodie zugleich. Regisseur und Dirigent wurden sich rasch einig. Beide waren sichtlich zufrieden am Premierenabend.

Die Handlung ist schnell erzählt:  Eine klassische Dreiecks­ge­schichte von Freund­schaft, Liebe, Eifer­sucht und Vergebung: In einem Fischerdorf wartet man auf die hohe Pries­terin Leila, die ihren Segen geben soll, um die Götter für die bevor­ste­hende Tauch­saison gütig zu stimmen. Zurga, Dorf-Boss, ist hocher­freut, dass sein Jugend­freund Nadir nach langer Abwesenheit aus dem Hochland zurück­kehrt. Sie erinnern sich an ihre gemeinsame Pilger­reise, als sie eine myste­riöse, wunder­schöne Frau sahen, in die sich beide verliebten; dennoch beschwören sie ihre Freund­schaft. Als Leila endlich ankommt, geführt vom Dorfäl­testen Nourabad, erkennen die Freunde, das es sich um die damalige Schönheit handelt. Für die Nacht allein am Strand allein gelassen und von Nourabad ermahnt, ihr Reinheits­ge­lübde zu wahren, wird sie von Nadir besucht, und sie besingen ihre Liebe. Nourabad ertappt beide, und sie werden zum Tode verur­teilt. Doch bevor es zur Hinrichtung kommen kann, erkennt Zurga in Leila seine einstige Retterin, als er auf der Flucht war. Jetzt zündet er selber ein Feuer im Dorf an, um das Fischervolk abzulenken und so dem Liebespaar die Flucht zu ermöglichen.

POINTS OF HONOR

Musik     
Gesang     
Regie     
Bühne     
Publikum     
Chat-Faktor     

Wim Wenders und sein Bühnen­bildner David Regehr haben sich entschlossen, erstmal jeglichen exoti­schen Kitsch wegzu­lassen. Die leicht schräge Bühne ist vollkommen lehr, bis hin zu den Brand­mauern. Lediglich wallende, boden­lange, graue Seiden­vor­hänge sind Wellen, Wind und Schutz zugleich. Die Stummfilm-Ästhetik der schwarz-weißen Filmein­spie­lungen geben dem Drama eine gewisse Dreidi­men­sio­na­lität und illus­trieren die flash­backs der Geschichte – die Pilger­reise der beiden Freunde, die Begegnung mit der unbekannten Schönen, die Rettung des verfolgten Zurga durch Leila. Und immer wieder die Wogen der Wellen, die Götter, die es zu besänf­tigen gilt. Die Licht­regie von Olaf Freese ist absoluter Bestandteil der minima­lis­ti­schen und intimen Atmosphäre der Bühne. Mal greller Spot auf die beiden Liebenden, mal sanfte Caspar-David-Friedrich-Ausleuchtung einer Wolke, mal Sandstrand­spiel­wiese für den Chor.

Von tiefgrei­fender Perso­nen­führung ist wenig zu merken. Wohlwollend kann man die statische Gestik mit naiver Stummfilm-Mimik vergleichen, was wiederum zu den Video­clips passt. Aber es liegt sicherlich auch an dem Kontext der oberfläch­lichen Geschichte, die 1863 von dem gerade 25-jährigen Kompo­nisten und seinen beiden Libret­tisten umgesetzt wurde – damals war es der letzte Schrei, solche Geschichten in exoti­schen Ländern anzulegen. Hier wurde jegliche Exotik gestrichen, nicht einmal die etwas derben monochromen Leinen­kostüme von Monts­errat Casanova geben einen Hinweis, wo das sein könnte. Allein das Abend­kleid-ähnliche Gewand von Leila hat einen Hauch Eleganz.

Foto © Donata Wenders

Olga Peretyatko-Mariotti nutzt ihr Kostüm wie eine Requisite, wirbelt und stürmt herum, gibt der keuschen Pries­terin Glut, die sich auch in ihrem bestechend klaren Sopran wider­spiegelt. Der Zurga von Gyula Orendt ist wohl die Entde­ckung des Abends – das junge Ensem­ble­mit­glied überzeugt mit sofor­tiger Bühnen­präsenz und einem warmen, kraft­vollen Bariton. Der Nadir von Tenor Francesco Demuros hingegen wirkt gepresst und überfordert. Altmeister Wolfgang Schöne beein­druckt mit souve­räner Tiefe und Autorität.

Dem 86 Mitglieder starken Chor – Einstu­dierung Martin Wright – ist auch eine solis­tische Rolle in der Insze­nierung zugeteilt. Blitz­schnell verwandelt sich Hoffnung und Bewun­derung in Empörung und Zorn, ganz wie in der heutigen populis­tisch-politi­schen Landschaft, mit dem Unter­schied, dass es hier musika­lisch bestens gemeistert wird.

Daniel Barenboim und die Staats­ka­pelle kosten jede Note in zum Teil sehr breiten Tempi aus. Feinfühlig werden die Arien begleitet, feurig die Natur­ge­walten angefeuert. Insgesamt eine Berei­cherung des Reper­toires an der Staatsoper.

Am Ende, stürmi­scher Applaus für alle Betei­ligten, besonders auch für Wenders, von dem man sich weitere Opern­regien erhoffen kann.

Zenaida des Aubris

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