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Zischen, gurgeln, piepsen, hysterisches Lachen, rubbeln, klopfen, klatschen, pfeifen, stampfen, klappern, staubsaugen … und weitere hunderte von Geräuschen werden im Staatstheater zusammengeführt. Fast wie im richtigen Leben. Das 1971 uraufgeführte Stück wird jetzt vom Ensemble des Opera Lab in Berlin in einer von Evan Gardner erarbeiteten Fassung im Ballhaus Ost auf die Bühne gebracht.
Zwar gab der Komponist Mauricio Kagel einige Regeln an – neun lose Szenen mit den Titeln Repertoire, Einspielungen, Ensemble, Debüt, Saison, Spielplan, Kontra-Danse, Freifahrt und Parkett die allesamt nicht länger als 100 Minuten dauern sollen – ließ aber den Interpreten sehr viel Freiheiten in der Umsetzung. So ist jede Aufführung des selten gespielten Werkes ein Unikat in mehreren Hinsichten „Jede Realisation des Werkes wird unvollständig sein und zwar auf eine Weise, die die beteiligten Sänger und Musiker vielleicht nicht befriedigen wird,” sagte der Komponist damals.
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Andockend an die 1971 revolutionären Parolen von Pierre Boulez, man solle doch die Opernhäuser in die Luft sprengen, findet diese Inszenierung unter dessen Ruinen statt. Hier betreibt das Phantom der Oper sein Altersheim und kümmert sich um den dementen Zeitgeist. In den Folterkellern aus den Tagen der Kommune bewohnt die Ewige Jugend ein Hospiz ohne Erinnerung an die Zukunft. Durchweg wird kein einziges echtes Wort gesprochen oder gesungen, obwohl einige onomatopoetische Laute beispielsweise dem Wiener Umgangswort „Schmäh“ sehr nah kommen.
Anfänglich sitzt das Publikum auf langen Bänken, während es die alltäglichen Abläufe des Altersheimes mitbekommt. Dann aber fordert die Ewige Jugend die Zuschauer auf den Rummelplatz der Bühne, wo jeder mitmachen kann, zum Beispiel beim Erdbeer-Bowle-Geräusche-machen oder beim Wettlauf mit kleinen, weißen Aufziehküken.
Der Rummelplatz der Aktion wird mit einem lauten Topfdeckellauf der Ewigen Jugend auf allen Vieren in Richtung der ehemaligen Sitzplätze beendet. Ein drittes Mal wendet sich die Richtung des Geschehens. In diesem Teil werden Spruchbänder aufgestellt und zerrissen, diverse Instrumente werden in Kinderwagen hin und her gefahren. In einer Wagner-Parodie stolziert eine Walküre mit nackter Gummibrust und mit einer rückwärts deutenden Fahne der Bayreuther Festspiele über die Bühne. Solche Klamauk-Aktionen sind eher infantil als komisch. Von einer Schockwirkung ganz zu schweigen.

Mit hunderten von alltäglichen Geräuschemachern kreiert Evan Gardner eine neue Fassung des Werkes. Regisseur Michael Höppner weiß, wie man auf jedes Geräusch reagieren kann, und sei es nur ein gekonntes, naives Augenrollen. Gespannt erwartet der Zuschauer den nächsten Effekt und lauscht den diversen musikalischen und vokalen Kundgebungen. Günter H. W. Lemke gibt den zwei Hauptakteuren würdige, klassische Roben, die sie als betagte Opernbesucher in Frack und Abendkleid oder Könige der Antike mit phantasievollen Kronen aus Aluminiumfolie und Plastikperlen bekleidet. Die Ewige Jugend springt im pfiffigen weißen Tennis-Dress herum. Das sparsame Bühnenbild von Martin Miotk und Cristina Lelli lässt sich je nach Richtung und Aufgabe verlagern.
Catherine Gayer und Klaus Lang – ehemals langjährige Mitglieder der Deutschen Oper – füllen ihre Charaktere mit Persönlichkeit und Würde aus. Das wird durch die kleinste Handbewegung und Augenrollen kommuniziert. Köstlich, wie Gayer als alternde Opernsängerin mit ihren stummen Einspielungen verliebt Karaoke mimt oder Klaus Lang als ihr Peiniger, der sich allerlei Absurdes und Groteskes einfallen lässt, um sie und sich selber zu amüsieren.
Das musikalische Ensemble von acht Musikern und deren Leiter Antoine Daurat ist unsichtbar. Es hat die schwierige Aufgabe, das Timing der Geräusche und Reaktionen zu koordinieren – bekanntlich hängt Komik ja immens vom richtigen Timing ab.
Das Ballhaus Ost ist in einem noch unrenovierten Hinterhofgebäude in Berlin-Kreuzberg untergebracht. Mit seinem abblätternden Putz und den noch sichtbaren Einschusslöchern in der Fassade gehört es zu den heute noch wenigen „freien“ Orten in Berlin, die zum Flair der Stadt gehören. Wie lange noch? Ringsherum ist schon fast alles saniert und gentrifiziert. Schicke Restaurants und Designerläden sprechen eine andere Lebensart an.
Am Ende applaudiert das Publikum sich selbst und den nicht nur stummen Darstellern sowie – besonders herzlich – den beiden Hauptdarstellern Catherine Gayer und Klaus Lang.
Zenaida des Aubris