O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Interaktives Chaos macht Spaß

STAATSTHEATER
(Mauricio Kagel)

Besuch am
5. Mai 2017
(Premiere am 2. Mai 2017)

 

Opera Lab Berlin

Zischen, gurgeln, piepsen, hyste­ri­sches Lachen, rubbeln, klopfen, klatschen, pfeifen, stampfen, klappern, staub­saugen … und weitere hunderte von Geräu­schen werden im Staats­theater zusam­men­ge­führt.  Fast wie im richtigen Leben. Das 1971 urauf­ge­führte Stück wird jetzt vom Ensemble des Opera Lab in Berlin in einer von Evan Gardner erarbei­teten Fassung im Ballhaus Ost auf die Bühne gebracht.

Zwar gab der Komponist Mauricio Kagel einige Regeln an – neun lose Szenen mit den Titeln Reper­toire, Einspie­lungen, Ensemble, Debüt, Saison, Spielplan, Kontra-Danse, Freifahrt und Parkett die allesamt nicht länger als 100 Minuten dauern sollen – ließ aber den Inter­preten sehr viel Freiheiten in der Umsetzung.  So ist jede Aufführung des selten gespielten Werkes ein Unikat in mehreren Hinsichten „Jede Reali­sation des Werkes wird unvoll­ständig sein und zwar auf eine Weise, die die betei­ligten Sänger und Musiker vielleicht nicht befrie­digen wird,” sagte der Komponist damals.

POINTS OF HONOR

Musik  
Gesang  
Regie     
Bühne  
Publikum  
Chat-Faktor  

Andockend an die 1971 revolu­tio­nären Parolen von Pierre Boulez, man solle doch die Opern­häuser in die Luft sprengen, findet diese Insze­nierung unter dessen Ruinen statt.  Hier betreibt das Phantom der Oper sein Altersheim und kümmert sich um den dementen Zeitgeist.  In den Folter­kellern aus den Tagen der Kommune bewohnt die Ewige Jugend ein Hospiz ohne Erinnerung an die Zukunft. Durchweg wird kein einziges echtes Wort gesprochen oder gesungen, obwohl einige onoma­to­poe­tische Laute beispiels­weise dem Wiener Umgangswort „Schmäh“ sehr nah kommen.

Anfänglich sitzt das Publikum auf langen Bänken, während es die alltäg­lichen Abläufe des Alters­heimes mitbe­kommt. Dann aber fordert die Ewige Jugend die Zuschauer auf den Rummel­platz der Bühne, wo jeder mitmachen kann, zum Beispiel beim Erdbeer-Bowle-Geräusche-machen oder beim Wettlauf mit kleinen, weißen Aufziehküken.

Der Rummel­platz der Aktion wird mit einem lauten Topfde­ckellauf der Ewigen Jugend auf allen Vieren in Richtung der ehema­ligen Sitzplätze beendet. Ein drittes Mal wendet sich die Richtung des Geschehens. In diesem Teil werden Spruch­bänder aufge­stellt und zerrissen, diverse Instru­mente werden in Kinder­wagen hin und her gefahren. In einer Wagner-Parodie stolziert eine Walküre mit nackter Gummi­brust und mit einer rückwärts deutenden Fahne der Bayreuther Festspiele über die Bühne. Solche Klamauk-Aktionen sind eher infantil als komisch. Von einer Schock­wirkung ganz zu schweigen.

Foto © Vincent Stefan

Mit hunderten von alltäg­lichen Geräu­sche­ma­chern kreiert Evan Gardner eine neue Fassung des Werkes.  Regisseur Michael Höppner weiß, wie man auf jedes Geräusch reagieren kann, und sei es nur ein gekonntes, naives Augen­rollen. Gespannt erwartet der Zuschauer den nächsten Effekt und lauscht den diversen musika­li­schen und vokalen Kundge­bungen. Günter H. W. Lemke gibt den zwei Haupt­ak­teuren würdige, klassische Roben, die sie als betagte Opern­be­sucher in Frack und Abend­kleid oder Könige der Antike mit phanta­sie­vollen Kronen aus Alumi­ni­um­folie und Plastik­perlen bekleidet. Die Ewige Jugend springt im pfiffigen weißen Tennis-Dress herum. Das sparsame Bühnenbild von Martin Miotk und Cristina Lelli lässt sich je nach Richtung und Aufgabe verlagern.

Catherine Gayer und Klaus Lang – ehemals langjährige Mitglieder der Deutschen Oper – füllen ihre Charaktere mit Persön­lichkeit und Würde aus. Das wird durch die kleinste Handbe­wegung und Augen­rollen kommu­ni­ziert. Köstlich, wie Gayer als alternde Opern­sän­gerin mit ihren stummen Einspie­lungen verliebt Karaoke mimt oder Klaus Lang als ihr Peiniger, der sich allerlei Absurdes und Groteskes einfallen lässt, um sie und sich selber zu amüsieren.

Das musika­lische Ensemble von acht Musikern und deren Leiter Antoine Daurat ist unsichtbar.  Es hat die schwierige Aufgabe, das Timing der Geräusche und Reaktionen zu koordi­nieren – bekanntlich hängt Komik ja immens vom richtigen Timing ab.

Das Ballhaus Ost ist in einem noch unreno­vierten Hinter­hof­ge­bäude in Berlin-Kreuzberg unter­ge­bracht. Mit seinem abblät­ternden Putz und den noch sicht­baren Einschuss­lö­chern in der Fassade gehört es zu den heute noch wenigen „freien“ Orten in Berlin, die zum Flair der Stadt gehören. Wie lange noch? Rings­herum ist schon fast alles saniert und gentri­fi­ziert. Schicke Restau­rants und Designer­läden sprechen eine andere Lebensart an.

Am Ende applau­diert das Publikum sich selbst und den nicht nur stummen Darstellern sowie – besonders herzlich – den beiden Haupt­dar­stellern Catherine Gayer und Klaus Lang.

Zenaida des Aubris

Teilen Sie O-Ton mit anderen: