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ZOROASTRE
(Jean-Philippe Rameau)
Besuch am
24. Juni 2017
(Premiere am 18. Juni 2017)
Als die Komische Oper 2014 Jean-Philippe Rameaus Oper Castor et Pollux anlässlich seines 250. Todestags herausbrachte, war die Begeisterung groß. Das lag gleichermaßen an der psychologisch ausgefeilten, zeitlosen Inszenierung von Barrie Kosky wie an den furiosen Sängern und der kongruenten musikalischen Umsetzung durch Christian Curnyn. Drei Jahre später steht mit Zoroastre erneut eine Oper von Rameau auf dem Spielplan. Doch ein Rundumerfolg ist ihr diesmal nicht beschieden, obwohl mit Tobias Kratzer ein viel umworbener Regisseur engagiert ist, der sogar schon einen Vertrag für den nächsten Tannhäuser in Bayreuth in der Tasche hat.
| Musik | ![]() |
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Zoroastre handelt vom Kampf des Guten gegen das Böse. Die Titelfigur bezieht sich auf den persischen Religionsstifter Zarathustra, der in der Oper Krieg gegen den Wüstling Abramane führt, um die Herrschaft über das Reich der Baktrier, heute ein Teil von Afghanistan, zu erlangen. Die politische Krise verschärft sich durch einen persönlichen Konflikt. Zoroastre liebt Amélite, wird aber auch von Érinice umworben. Voller Wut, dass ihre Gefühle nicht erwidert werden, verbündet sich die Abgewiesene mit Abramane. Doch am Ende siegen die edlen Kräfte, ob zum Wohle des Volkes bleibt offen.

Von Herrschern und ihren Machtgelüsten im Weltgeschehen will Kratzer nicht erzählen. Stattdessen verlegt er Zoroastre ins Private und inszeniert einen Zwist zwischen zwei Nachbarn, deren Gegensätzlichkeit sich in ihrer von Rainer Sellmaier entworfenen Häuslichkeit widerspiegelt. Sowohl Zoroastre – Bildungsbürger mit schick eingerichtetem Wohnzimmer und eigenem Jogalehrer – als auch Abramane – eher schlichteren Gemüts und in seinem zweckdienlich möblierten Heim mit Ballerspielen am Computer beschäftigt – beanspruchen jeweils einen Teil des Grundstücks für sich. Was einigermaßen harmlos mit dem Aufstellen eines Zauns beginnt, verselbstständigt sich und ist nicht mehr zu stoppen. Immer wildere Aggressionen sind die Folge, es kommt zu Handgreiflichkeiten mit Häcksler und anderen Gerätschaften, bis am Ende ein Gartentraktor das Streitobjekt überrollt. Und damit auch das Volk der Baktrier, das unter der Auseinandersetzung der Nachbarn am meisten leidet. Dabei handelt es sich um Ameisen, die die umstrittene grüne Scholle bewohnen und deren Reaktionen auf das Geschehen wie durch ein Mikroskop auf eine Leinwand projiziert werden.
Die Sänger lassen sich bewunderungswürdig auf Katzers Konzept ein. Nadja Mchantaf durchmisst die Ausbrüche der Érinice mit stimmlichem Furor und starken Koloraturen, während Katherine Watson die sanftere Rivalin Amélite mit innigem, schlackenlosem Sopran ausstattet. Thomas Walker als Zoroastre nimmt furchtlos die extremen Höhen der Partie, geht dabei aber mitunter bis an die Grenzen seines Tenors. Thomas Dolié gibt den Wutattacken des Abramane dramatisches Gewicht.
Unter der Leitung von Rameau-Kenner Christian Curnyn spielt das Orchester der Komischen Oper aufmerksam und mit theatralischem Biss. Trotzdem scheint die Musik angesichts der szenischen Überaktion fast ein wenig in den Hintergrund gedrängt. Und auch der von David Cavelius einstudierte Chor klingt nicht so präsent wie gewohnt. Was nicht verwundert, da er meist nur aus dem Off zu hören und bei seinen raren Auftritten in behelmte Ameisenkostüme gezwängt ist.
Das Publikum in der zweiten, nur mäßig besuchten Vorstellung würdigt alle Beteiligten mit großem Beifall.
Karin Coper