O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Foto © Claudia Heysel

Süditalienische Tragödien

CAVALLERIA RUSTICANA/​A SANTA LUCIA
(Pietro Mascagni, Pieran­tonio Tasca)

Besuch am
22. April 2017
(Premiere)

 

Anhal­ti­sches Theater Dessau

Zu Pietro Mascagnis Caval­leria Rusticana gehört Ruggero Leonca­vallos I Pagliacci. So jeden­falls wird es meistens an den Opern­bühnen prakti­ziert. Aber es geht auch anders. Eine drama­tur­gisch besonders reizvolle Kombi­nation ist derzeit in Dessau zu besich­tigen. Nach Mascagnis sizilia­ni­scher Bauern­tra­gödie wird Pieran­tonio Tascas neapo­li­ta­ni­sches Volks­drama A Santa Lucia gezeigt – eine Entde­ckung und Herzens­an­ge­le­genheit des Opern­di­rektors und Chefdra­ma­turgen Felix Losert, der das Werk schon 2002 in Auszügen konzertant in Erfurt vorge­stellt hatte.

POINTS OF HONOR

Musik  
Gesang  
Regie  
Bühne  
Publikum  
Chat-Faktor  

Pieran­tonio Tasca wurde 1858 im sizilia­ni­schen Noto geboren und starb 1934 ebendort. Von seinen Opern hatte nur A Santa Lucia Erfolg. Zu verdanken war das nicht unwesentlich Gemma Bellin­cioni, eine der prägenden Verismo-Diven. Sie hatte schon in der Urauf­führung der Caval­leria mitge­wirkt und suchte nach neuen Rollen. Die Partie der Rosella war maßge­schneidert für ihre expressive Darstel­lungs­kunst – eine mittellose Frau, die heimlich mit dem Sohn eines Austern­händlers liiert ist, ein Kind mit ihm hat und Selbstmord begeht, nachdem sie von einer Rivalin ihrem Geliebten gegenüber der Untreue bezichtigt wird. Die Premiere von A Santa Lucia fand 1892 auf Bestreben der Bellin­cioni an der Berliner Krolloper statt, an die sich europa­weite Gastspiele anschlossen. Aufgrund des Erfolges erhielt Tasca vier Jahre später eine Anstellung am neu gegrün­deten Theater des Westens, doch konnte er nicht nachhaltig Fuß fassen. Keine seiner weiteren Werke behaup­teten sich und auch A Santa Lucia geriet nach dem Rückzug der Bellin­cioni in Vergessenheit.

Foto © Claudia Heysel

Umso verdienst­voller ist das Bemühen des Dessauer Hauses, Tascas Oper mit Mascagnis Reper­toire­knüller zu koppeln. Die Paral­lelen sind evident. Beide gehören stilis­tisch zum Verismo, beide verbinden prägnante Alltags- und Milieu­schil­de­rungen mit einem tragi­schen Frauen­schicksal und beide lassen trotz ihrer Kürze einen ganzen musika­li­schen Kosmos entstehen, der vom großen Choraufzug, einem breit ausge­pin­selten Orches­ter­fun­dament mit jeweils einem Inter­mezzo und glutvollen Soli und Duetten eine beacht­liche Formen­vielfalt aufweist. Doch während Caval­leria rusticana wuchtig und emoti­ons­ge­laden auftrumpft, klingt A Santa Lucia feinglied­riger, weniger kantig und bietet dazu mit Mando­li­nen­musik, Taran­tella und Fischer­ge­sängen einiges an neapo­li­ta­ni­schem Lokalkolorit.

Pitto­reskes Volks­treiben sucht man in Holger Potockis Insze­nierung vergebens. Der Regisseur will mehr und verknüpft beide Werke zu einer gedan­ken­schweren Einheit: die schwangere Santuzza wird von Alpträumen geplagt, in denen sich Realität und Illusion vermi­schen. Die von der Gesell­schaft Ausge­stoßene fanta­siert sich in die vermeintlich heile Welt der Rosella. Verbin­dendes Element ist ein Bett im Vorder­grund, in dem nicht nur Santuzza, sondern auch mal Rosella und Maria, ihre Neben­buh­lerin, liegen. Potocki jongliert mit wechselnden Identi­täten, zeigt Liebes- und Todes­symbole und verwebt die beiden Geschichten mit zahlreichen Querver­bin­dungen und Verweisen, die in ihrer Vielschich­tigkeit das Verständnis erschweren. Am Ende von A Santa Lucia schließt sich der Kreis: man hört eine männliche Stimme „Santuzza“ schreien. Passend zu diesem Ansatz hat Lena Brexen­dorff in der Caval­leria strenge Häuser­fas­saden entworfen, die Kostüme Katja Schröpfers sind entspre­chend schwarz gehalten. Beim Szenen­wechsel verschwindet die Kulisse. Zu sehen ist nun ein Himmel voller Wölkchen und ein rosen­um­rankter Zaun, hinter dem sich die pastell­farben gekleidete Volks­menge vergnügt – eine trüge­rische Idylle.

Dessau kann alle Rollen aus dem Ensemble besetzen. Vor allem Iordanka Derilova beein­druckt als stimmlich überlegene, ausdrucks­starke Tragödin. Neben ihr behauptet sich Rita Kapfhammer in der Doppel­funktion als Mutter Lucia im Rollstuhl und dominante Rivalin. Ray M. Wade, Jr. singt die Liebhaber-Figuren blendend, belässt es aber szenisch beim ungelenken Herum­stehen. Ulf Paulsen ist ein eher grobschläch­tiger Alfio, überzeugt dafür als neapo­li­ta­ni­scher Austern­händler mit diffe­ren­zier­terem Gesang.

Der Dirigent Wolfgang Kluge hält die Musik schön im Fluss, kann aber wacklige Chorein­sätze und Unsau­ber­keiten im Orchester nicht verhindern.

Starker und anhal­tender Applaus für eine bemer­kens­werte Opern­ent­de­ckung nach einer nur mäßig besuchten Nachmittagsaufführung.

Karin Coper

Teilen Sie O-Ton mit anderen: