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DIE SEERÄUBER-JENNY
(Andrea Eckert)
Besuch am
25. Februar 2017
(Premiere)
Im 25. Jahr des Kurt-Weill-Festes in Dessau ist längst ein Abend fällig über und mit Lotte Lenya, der die gestandene Sängerin, Schauspielerin und kreative Künstlerin eigenständig würdigt. Viele Jahre war sie Weills Ehefrau und Partnerin. Andrea Eckert erweckt sie zu einer schillernden Bühnenfigur. Eine große Fläche mit verfremdeten Portraits der Lenya zeigt die Person, der Eckert diesen Abend widmet. Es geht um das Leben der in Wien aufgewachsenen Karoline Wilhelmine Charlotte Blamauer, bekannt als Lotte Lenya. Eckerts Textrezitationen und Songs, in denen sie Lotte Lenyas buntes Künstler- und Liebesleben biographisch skizziert und musikalisch untermalt, skizzieren ihr Leben zwischen Zürich, Berlin, Paris und New York. Mit ungeheurer Zähigkeit und Entschlossenheit hat sie ihren Weg aus einer Wiener Vorstadtstube in das Licht des Broadway geschafft, was nur wenigen Künstlern gelingt. In Berlin begegnet sie ihrer frühen Liebe Kurt Weill, die nicht ihre einzige bleiben soll.
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Man kann es Andrea Eckert nicht verdenken, dass sie als geborene Wienerin mehrere Wiener Lieder in ihr Programm aufnimmt. Gemeinsam mit Wolfgang Kluge hat sie einen Liederabend zusammen gestellt, der vom umwerfenden Charme der Eckert lebt und durch die musikalische Einrichtung von Wolfgang Kluge einen authentischen Klang erhält. Und so reichen die gut zwanzig Titel von Wiener Liedern über Chansons wie Friedrich Hollaenders Zersägte Dame, Filmmusik wie Ich brech die Herzen der stolzesten Frau´n oder Musicaltitel wie I´m a Stranger here myself, und – frech und herrlich – bis zu einem Jodler. In einer ganzen Kollektion von Weill-Titeln freuen sich die Zuhörer über Ohrwürmer wie Berlin im Licht, Surabaya Johnny, Die Saga of Jenny und den unvergessenen Mackie Messer.

Andrea Eckerts eher dunkel getönte Stimme lässt bald vergessen, dass Lotte Lenya Sopranrollen sang. Zunächst in schwarzrotem Outfit, dann in revuemäßigem Glitzerkleid erzählt Eckert fast beiläufig und unterhaltsam aus dem bunten, auch schillernden Leben der Lotte Lenya. Trotz ihrer ständigen tänzerischen Bewegungen auf der Bühne füllt sie den Raum spielerisch und symbolisiert auch optisch das bewegte Leben dieser Künstlerin. So gelingt es ihr, in einem gelungenen Mix aus Informationen, Anekdoten, Weill-Texten und einer bunten Mischung aus Song und Musik eine Künstlerwelt zwischen Berlin, Paris und New York auf die Bühne zu bringen, die manchem Dokumentarfilm nicht gelungen wäre. Wolfgang Kluges Sextett bedient alle Genres der Musik der 1920-er Jahre mit leichter Hand, nimmt den Foxtrott ebenso gekonnt auf wie Schuberts Der Tod und das Mädchen.
Den Zuschauern präsentiert Eckert ein Künstlerleben aus dieser Zeit, das in seiner Intensität und Unsicherheit ein „Leben ohne Ruhe“ war. Für Weill ist Lotte Lenya „seine Liebe, seine Muse“, davon überzeugt die Eckert quasi nebenbei. Ihr und Kluge gelingt ein informativ-unterhaltsamer Abend, von dem die Besucher eigentlich noch nicht genug haben. Doch auch ihr intensiver, sich steigernder Beifall muss schließlich … das Ende dieses vergnüglichen Abends akzeptieren – ungern.
Horst Dichanz