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BEETHOVEN’S LAST NIGHT
(Paul O’Neil, Robert Kinkel, John Oliva, Chris Caffery)
Besuch am
12. Juli 2017
(Premiere)
Ein bisschen kraus ist sie schon, die Geschichte, die Librettist Paul O’Neil um Beethoven’s Last Night strickte. Eine ins Dämonische transformierte Fiktion der letzten Stunden des Meisters, die die Basis für eine Rock-Oper bildet, die schon auf CD existiert und in Amerika konzertant zu erleben war, aber erst jetzt im Dortmunder Opernhaus ihre szenische Erstaufführung erfahren durfte. Und die Dortmunder lassen es richtig krachen. Es dampft, knallt und raucht aus allen Rohren. An theatralischen Effekten und Aufwand fehlt es der Produktion nicht, auch wenn zunächst nur drei Aufführungen vorgesehen sind.
Gleich vier Musiker haben an der Komposition gestrickt, darunter auch Robert Kinkel, Schulmusiker am Märkischen Gymnasium Iserlohn, der gleich mit drei Schülergruppen mitmischt. Die 70 Schüler der Band, des Streichorchesters und des Schulchors bildeten das musikalische Rückgrat der Produktion. Dabei wurden sie von professionellen Musikern gecoacht und früh in die Gesamtproduktion eingebunden. Zusätzlich mischen noch Mitglieder des Dortmunder Opernclubs Tortuga mit, die sich in das Publikum begeben und das Geschehen eifrig kommentieren. Die größeren Solo-Rollen werden natürlich mit Ensemblemitgliedern des Dortmunder Opernhauses besetzt.
| Musik | ![]() |
| Gesang | ![]() |
| Regie | ![]() |
| Bühne | ![]() |
| Publikum | ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() |
Die Handlung entführt Beethovens an sich nüchternes Ende in ein Reich der schwarz eingefärbten Fantasie. Erschöpft hat der Meister gerade seine 10. Sinfonie vollendet, als ihn Erinnerungen an sein wechselvolles Leben einholen: die von Gewalt bestimmte Kindheit, die ersten Erfolge, die Verehrung für Napoleon inklusive der rasch folgenden Ernüchterung, die ersten Liebesbande, die Tragödie der Ertaubung. Als es Mitternacht schlägt, erscheint Méphistophélès, um seine Seele zu fordern. Wenn Beethoven ihm seine letzte Komposition übereigne, um sie aus dem Gedächtnis der Menschen zu löschen, dürfe er als Gegenleistung seine Seele behalten. Doch dem verzweifelten Komponisten steht im guten Geist Fate eine Helferin zur Seite, die ihm zu einem erlösten Tod verhilft.

Es sind einige Motive aus Highlights wie der „Fünften“ und „Neunten“ Symphonie, der „Pathétique“, der „Mondschein-Sonate“ oder „Für Elise“, die ab und zu in aphoristischer Knappheit auftauchen. Im Grunde handelt es sich um ein Musical mit überwiegend soften Rock-Anklängen und melodischen Gesängen, die so viel Temperament und Sentiment versprühen, wie man es von gängigen Musicals unserer Tage gewohnt ist. Richtige Ohrwürmer sind nicht dabei. Aber alles ist doch von Paul O’Neil, John Oliva und Chris Caffery so angelegt, dass sich die Schüler wirkungsvoll einbringen können.
Regisseur Alexander Becker inszeniert das Spektakel als eine Art „Rocky Horror Beethoven Show“ mit allem, was dazu gehört. Mit einer märchenhaften Fee, einem dampfenden Teufel, einem brutal dreinschlagenden Vater und einem Napoleon auf hohem Ross. Der Schülerchor wird als flexible, schwarz gekleidete Masse geführt, die wie Erinnerungsfetzen Beethoven einschüchtern oder trösten. Das Ganze ist professionell und unterhaltsam ausgeführt, woran natürlich die Ausstatterin Annika Haller und der Choreograf Giuseppe Ragona mit ihrem Bühnenzauber wesentlich beitragen.
Die professionellen Solisten singen auf ordentlichem Niveau. Allen voran Marvin Zobel in der Titelrolle, aber auch der Mephisto von Mirco Wessolly und die gute Fate Elaine Richter bewältigen ihre Aufgaben auf branchengerechtem Niveau. Schön, dass auch die Schüler mit kleineren Rollen wie den Musen oder dem „kleinen“ Beethoven eingespannt werden.
80 Minuten dauert das kurzweilige Vergnügen, das allerdings auf Englisch ohne Übertitel präsentiert wird, was das Verständnis mancher Feinheit doch stark einschränkt. Der Begeisterung des Publikums tut das keinen Abbruch. Das erfreulich junge Publikum zeigt sich rundum begeistert.
Pedro Obiera