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Klagelieder und Lobgesänge

HIMMLISCHE SCHÖNHEIT
(Ensemble Tenebrae)

Besuch am
23. Juni 2017
(Einma­liges Gastspiel)

 

Musik­fes­tival Klang­vokal Dortmund, St. Bonifatiuskirche

Auch dieses Chorkonzert trägt wie schon andere vorher mit Recht den Zusatz­titel Heimat Europa. Die Sänge­rinnen und Sänger des Chores Tenebrae, der sich mit seinem latei­ni­schen Namen auf das Nacht­gebet der kirch­lichen Liturgie der Karwoche bezieht, stammen meist aus Großbri­tannien, die Kompo­nisten und ihre Musik reprä­sen­tieren das Europa der letzten 500 Jahre, von Thomas Tallis bis zu William Harris, mit Eric Whitacre sind auch die USA vertreten.

Trotz der eher dunklen Kar-Tage des Kirchen­jahres versteht Tenebrae seine Chormusik von Tallis bis Rachma­ninoff als „Hymne auf die himmlische Schönheit“, die er in der hohen Halle der St. Bonifa­ti­us­kirche in Dortmund erklingen lässt.  Im Ensemble von 16 Sängern treffen sich ausschließlich Berufs­sänger, die je nach Auftritt und Werk aus einem Pool von etwa 40 Mitgliedern zusam­men­kommen. Als Nigel Short  diesen Kammerchor 2001 mit Sitz in London gründete, war nicht abzusehen, dass seine Sänger und er sich bald auf Solis­ten­niveau zu „einem der namhaf­testen Chöre Englands“ entwi­ckeln würden, der jetzt erstmalig bei Klang­vokal auftritt.

POINTS OF HONOR

Musik     
Gesang     
Publikum     
Chat-Faktor     

In den letzten, gut besetzten Reihen verstummen die Gespräche, ein leises, harmo­ni­sches Summen breitet sich aus, schwe­bende Klänge schreiten langsam zu beiden Seiten in den Altarraum voran. „Meine Harfe ist eine Klage geworden“, leise erklingt Alonso Lobo´s trauriges Lied. In getra­genem Tempo breitet sich Trauer aus, besonders die inten­siven, hohen Soprane singen „das Weinen einer Flöte“. Mit einem Forte-Einsatz füllen alle Stimmen das Kirchen­schiff, mal mehr im Vorder­grund, dann aus dem hinteren Raum. Die in Englisch gesungene Kompo­sition von William Croft und Henry Purcell zitiert Textstellen aus dem Johannes-Evangelium, der Offen­barung und dem Buche Hiobs. Thomas Tallis´ Kompo­si­tionen bringen ein wenig mehr Leben in den Gesang. Der Chor verändert seine Zusam­men­setzung und Platzierung, getragene Passagen in mäßigem Tempo wechseln ab mit lebhaften, entschlos­senen Phrasen und einem jubelnden Alleluia. Zum latei­nisch vorge­tra­genen Cruci­fixus von Antonio Lotti  verteilen sich die Solisten auf die Apsis und die Seiten­bänder, um im Wechsel­gesang die Kreuzigung Christi zu beklagen.

Nigel Short – Foto © Bülent Kirschbaum

Mehrstimmig erklingen im zweiten Teil des Abends  John Taveners Kompo­si­tionen, darunter der Trauer­gesang Funeral Ikos oder die Hymn to the Mother of God. Sergej Rachma­ninoffs und Pavel Chesnkovs  Heruvimskaya pesn bringen einen anderen, vollen Klang und überra­schen mit moder­neren Klängen. Auch Gustav Holsts Ave Maria stammt aus dem 20. Jahrhundert und stellt eine modernere Auffassung von Musik dar. Bei dieser innig-emotio­nalen Musik beein­drucken vor allem die Soprane mit klaren Höhen und filigraner Melodie­führung. Mit William Harris´ Faire is the Heaven und Eric Whitacre´s I Thank you God erklingen noch einmal zeitge­nös­sische Stücke, die der Chor mit Harris´ Gerecht ist der Himmel beschließt. Nigel Short hat keine Mühe, zum außer­or­dentlich gut vorbe­rei­teten Chor auch bei einer Verteilung im ganzen Kirchen­schiff Kontakt zu halten und die Dynamik vorzu­geben. Selten erlaubt ihm das Programm, das ganze Volumen des Chores im kräftigem Forte auszu­loten und die Klang­fülle zu präsen­tieren, über die die Sänge­rinnen und Sänger verfügen und die mühelos das große Kirchen­schiff klanglich füllt.

In der Umgebung der geschätzten briti­schen Chormusik verdient es Respekt, wenn sich der Tenebrae-Chor zu einem „der weltweit anerkann­testen Kammer­chöre“ entwi­ckelt hat und eine lange Liste von Auftritten in renom­mierten Häusern aufweisen kann. Shorts Ziel war und ist es, „den raumfül­lenden, leiden­schaft­lichen Klang der großen Kirchen­chöre mit der Präzision eines klein­be­setzten Vokal­ensembles“ zu kombinieren.

Das haben die sachkun­digen Zuhörer längst wahr genommen und bedanken sich nach erwünschter Zurück­haltung mit ausführ­lichem Beifall für einen Chorabend, der seine Zuhörer mit beein­dru­ckender gesang­licher Präzision und einer berüh­renden musika­li­schen Atmosphäre erfreut. So kann Europa zu einer musika­li­schen Heimat werden, die Klang­vokal vorzeichnet.

Horst Dichanz

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