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Unitxt - Foto © Bettina Stöß

Harmonische Eintracht

KONTRASTE
(Johan Inger, Richard Siegal, Edward Clug)

Besuch am
25. Februar 2017
(Premiere)

 

Theater Dortmund

Konkurrenz belebt das Geschäft. Das gilt auch für die rege Tanzszene im Rheinland, die mit Compa­gnien in Essen, Dortmund, Gelsen­kirchen, Düsseldorf und Duisburg, Hagen sowie Krefeld und Mönchen­gladbach sowie etlichen freien Gruppen nicht nur quanti­tativ gut aufge­stellt ist. Die Verpflichtung guter Gastcho­reo­grafen führt zu einer weiteren Belebung der Szene, auch wenn damit gewisse Risiken verbunden sind. Gleich drei Choreo­grafen prägen das neue Programm des Dortmunder Balletts, das freilich unter dem Titel Kontraste mehr verspricht, als es halten kann. Daran ändert auch nichts der große Erfolg der Urauf­führung von Edward Clugs halbstün­digem Stück Hora, das das Dortmunder Premie­ren­pu­blikum einhellig bejubelt.

Auch wenn Clugs Stück in Konkurrenz zu seinen Kollegen Johan Inger und Richard Siegal die stärksten Eindrücke hinter­lässt und die Dortmunder Compagnie eine exzel­lente Ensem­ble­leistung präsen­tiert, ist es mit den „Kontrasten“ nicht allzu weit her. Da ließe sich eine ganze Reihe von Choreo­grafen nennen, die sich stilis­tisch stärker vonein­ander unter­scheiden als die drei Genannten.

POINTS OF HONOR

Musik  
Tanz  
Choreo­grafie  
Bühne  
Publikum  
Chat-Faktor  

Nicht unschuldig an diesem Eindruck ist die Vorliebe für minima­lis­tisch geprägte Musik­vor­lagen, die vor allem Richard Siegals Unitxt nicht gut bekommt. Denn die eintö­nigen Klang­mix­turen von Carsten Nicolai scheinen auch Siegals Bewegungs­re­servoir zu einschlä­fernder Monotonie zu inspi­rieren. Ein Reservoir, das nach spätestens zehn Minuten aufge­bracht ist und lediglich durch Siegals raffi­nierte Licht­ef­fekte und die Kostüme von Konstantin Grcic aufge­frischt wird. Und der verquaste Einfüh­rungstext im Programmheft hilft dem Stück auch nicht auf die Sprünge. Schade um den Einsatz des ambitio­nierten Tanzensembles.

Hora – Foto © Bettina Stöß

Klarer, spiele­ri­scher und ruppiger geht es in Rain Dogs des schwe­di­schen Choreo­grafen Johan Inger zu. Der Titel entspricht einem Album des Sängers Tom Waits, und Songs des Künstlers mit der Reibei­sen­stimme bilden auch die musika­lische Basis des halbstün­digen Stücks. Ein streu­nender Hund, der sich verlaufen hat, bildet den roten Faden der lockeren Handlung. Er begegnet Menschen und anderen Tieren, denen Inger mit Witz und viel Tempe­rament auf die Sprünge hilft. Ungeachtet des tristen Titels verbreitet das Stück viel Farbe und Aktivität bis hin zu swing­ar­tigen Einlagen. Eine unter­haltsame Arbeit, die die neun Tänze­rinnen und Tänzer mit entspre­chender Spiel­freude auf hohem Niveau ausführen.

Die folklo­ris­tisch angehauchte Musik des Balanescu-Ensembles bildet die akustische Grundlage für Edward Clugs neues Stück Hora, das durch weiche Bewegungen und einen ruhigen Pulsschlag ungewöhnlich poetische Momente von bezwin­gender Eindring­lichkeit aufschimmern lässt. Es ist die tänze­rische Metamor­phose einer Hochzeit aus der Balkan-Region. Ausgehend von schlichten Rundtänzen verdichtet sich das Stück zu ausdrucks­starken Pas de Deux‘, wobei eine S‑förmige Balus­trade des Bühnen­bildners Marko Japelj mit einbe­zogen wird und für zusätz­liche sanfte Momente sorgt. Ein sensibles Stück ohne etüden­haften Bewegungs­eifer oder gar Leerlauf. Wenn an dem Abend von „Kontrasten“ gesprochen werden kann, dann allein unter dem Aspekt des intro­ver­tierten Charismas, das Clugs Hora ausstrahlt. Dankbare Aufgaben für das vorzüg­liche Ensemble, das auch mit zahlreichen Solo- und Duett­ein­lagen überzeugen kann, auch wenn die Synchro­nität in komple­xeren Bewegungs­ab­läufen noch einen letzten Schliff vertragen könnte.

Begeis­terter Beifall für alle drei Darbie­tungen, der sich nach der Urauf­führung noch hörbar steigert.

Pedro Obiera

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