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Vom 14. bis zum 23. Juli fand in diesem Jahr die fünfte Ausgabe des Asphalt-Festivals Düsseldorf statt. Als Sommerfestival der Künste kam die zehntägige Party trotz Unwetterwarnungen so gut wie ohne Regen aus. Und das ist nicht die einzige gute Nachricht dieses Jahres.

Im Hinausgehen verklingt allmählich die samtige, nahezu kindhaft-sinnliche Stimme von Anikó Kanthak über dem Stimmengewirr im Asphalt-Paradies. Stühle und Bänke sind noch gut besetzt, an der Bar herrscht noch einiger Betrieb, Kuchentheke und Grillstand haben ihre Schuldigkeit getan. Im Hintergrund arbeiten noch ein paar Unentwegte, aber es ist unverkennbar: Das Asphalt-Festival in Düsseldorf neigt sich dem Ende zu. Letzte Abschiedsgrüße werden im Vorübergehen ausgetauscht. Die zunehmende Anzahl an Stammgästen führt auch zu neuen Bekanntschaften, von denen man weiß, dass man sie im kommenden Jahr wiedersehen wird. Rund 4.500 Menschen haben in diesem Jahr allein die Aufführungen besucht. Das ist eine Steigerung von mehr als zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr. Daraus ergibt sich eine Auslastung von knapp 90 Prozent. Darüber darf sich mancher Intendant eines Stadttheaters freuen, für das Festival bedeutet es, dass es noch Luft nach oben gibt. Nicht eingerechnet sind dabei allerdings die 2.000 Menschen, die bei den Kunststörer-Projekten gezählt wurden, oder die Menschen, die die Stadtklaviere in den U‑Bahn-Stationen zur Kenntnis genommen haben. Rund 10.000 Menschen kommen da jeden Tag vorbei, schätzt Michael Strotmann, Sicherheitschef der Rheinbahn.
Was bedeuten solche Zahlen, um etwas über den Erfolg eines Festivals zu sagen? Nichts. Viel interessanter ist, wie das Festival beim Publikum ankommt. „Die Resonanz ist für mich persönlich überwältigend. Und das meine ich genau so, wie ich es sage, weil wir ganz viel Post bekommen haben. Unabhängig davon, dass uns die Menschen auch hier im Asphalt-Paradies ansprechen. Da schwingt ganz viel Dankbarkeit mit“, resümiert Christof Seeger-Zurmühlen, einer der Künstlerischen Leiter, zufrieden. Und erzählt von den Menschen, die zu Wagemut und Durchhaltevermögen gratulieren und ihre Bewunderung äußern. Tatsächlich, deutet Seeger-Zurmühlen an, habe man einen Großteil der Arbeitskraft in der Vorbereitungsphase darauf verwenden müssen, Genehmigungen der öffentlichen Hand einzuholen. Da würde er sich doch nach fünf Jahren Asphalt-Festival mehr Kooperationsbereitschaft wünschen. Bojan Vuletić, der andere Künstlerische Leiter, bestätigt die Widerstände, hofft aber auf Einsicht. „Man muss die Räume für die Menschen und Künstler der Stadt erobern“, sagt er. Da ist geradezu unglaublich, dass in letzter Minute doch noch alle Planungen funktioniert haben. Neben den Künstlern haben rund 30 Mitarbeiter zum Erfolg beigetragen, davon etwa die Hälfte ehrenamtlich. Allen Helfern gebührt dabei besonderer Dank aus Sicht des Publikums. Obwohl die organisatorischen Bedingungen einen Quantensprung nach vorn gemacht haben, kann die Freundlichkeit und Geduld aller Mitarbeiter nicht hoch genug eingeschätzt werden. Wer sich einmal den Ablauf an Kasse und Einlass angeschaut hat, kann nur staunen ob der Gelassenheit, mit der die in der Mehrzahl weiblichen Hilfen auf Sorgen und Nöte der Besucher eingehen. Kompliment!
„Wenn man so ein Festival im Vorfeld komponiert, im Sinne von neue Kunst auf den Weg zu bringen und Gastspiele einzuladen, weiß man natürlich noch nicht, wie sich das in diesen Räumen, in denen wir spielen, einlöst“, sagt Seeger-Zurmühlen. Mit dem Ergebnis ist er „sehr, sehr glücklich. Weil wir großartige Künstlerinnen und Künstler hier hatten. Und vor allem, weil die neuen Arbeiten auch innerhalb der Räume hier erst aufgegangen sind.“
Der Anspruch war, ein Sommerfestival der Künste zu sein. Genre-Grenzen sollte es nicht geben. Wie wir inzwischen wissen, hat Asphalt das voll und ganz eingelöst. Ein großes Thema dabei waren die Nachtkonzerte, die in diesem Jahr zum ersten Mal nach dem Hauptprogramm kostenlos im Asphalt-Paradies aufgeführt wurden. „Es sind auch wirklich viele Leute gekommen, um nur die Nachtkonzerte zu sehen. Wir kriegen auch immer wieder Nachfragen, wie das überhaupt ist. Im vorderen Teil treffen sich die Menschen, um zu reden. Und dann gibt es da hinten diese Nische, wo Intimität für ein Nachtkonzert entsteht. Das ist schon faszinierend“, erzählt Vuletić. Das Besondere: Hier treten Künstler von Weltrang auf. „Unter freiem Himmel, bei freiem Eintritt. Das ist einerseits eine Hommage an die Kunst, aber es ist auch ein Zeichen, dass es ernstgemeint ist. Und das hat sich auch insofern bewährt, weil sich hier wirklich ein diverses Publikum abgebildet hat. Das Asphalt-Paradies war teilweise richtig überfüllt. Und es fühlte sich an wie Stimmgewirr in Babylon, auch ganz viele Sprachen waren hier im Raum“, ist Seeger-Zurmühlen immer noch begeistert.
Zu kritisieren gibt es immer etwas. Das ist auch bei aller Faszination des Asphalt-Festivals so. Dass es bei den Konzerten immer noch keinen Abendzettel mit dem Programm gibt, mag ja noch der fehlenden Kapazität geschuldet sein. Unpünktlichkeit ist allerdings gerade in Deutschland immer wieder ein Ärgernis. Zwar haben wir da inzwischen von unseren südeuropäischen Nachbarn viel Gelassenheit gelernt, aber warum beim Asphalt-Festival nahezu jede Veranstaltung mit einer Viertelstunde Verspätung beginnt, ist nicht nachvollziehbar. Im ansonsten großartig ausgearbeiteten und kostenlosen Programmheft, immer noch ist hier großzügig von der Mikroskripsie abzusehen, steht eindeutig „Beginn der Veranstaltung“. Es ist nicht die Rede von „Einlass um etwa 20.30 Uhr und Beginn der Veranstaltung irgendwann“. Zumal die Verzögerungen regelmäßig dazu führen, dass die Besucher beginnen, sich um die Anzahl der Sitzplätze zu fürchten. Obwohl das im gesamten Festival-Programm überflüssig war. Etwas mehr Entspannung könnte hier leicht durch pünktlichen Beginn geschaffen werden. Und: Nein, es gibt dafür keine Rechtfertigung.
Geschehen ist geschehen. Nachdem die wundervolle Stimme von Anikó verklungen ist, geht der Blick nach vorn. Und da wird es schon wieder aufregend. „Man kann eigentlich nicht gleichbleiben, weil die Sachen, die wir haben, eigentlich alle anders sind. Oder ungewöhnlich. Wir verstehen es als unsere Aufgabe, den Künstlern Räume aufzumachen, gute Kunst zu gestalten, und dann alle Barrieren gegenüber den Menschen der Stadt aufzuheben in bestmöglicher Weise. Das bleibt definitiv erhalten, aber es erfindet sich die ganze Zeit neu“, sagt Vuletić.
Das Festival im kommenden Jahr findet voraussichtlich vom 13. bis zum 22. Juli statt. Seeger-Zurmühlen verbindet damit einen konkreten Wunsch. „Wir suchen noch einen Ort, der sich in Höhe und Breite eignet, auch viele Menschen auf die Bühne zu bringen.“ Da sollten sich doch Düsseldorfer finden, die helfen können.
Am Ende des diesjährigen Festivals bleibt festzuhalten, dass die Fantasie hier nur wenig Grenzen kennengelernt hat. Die Konzentration auf das Festival-Zentrum hat sich ausgezahlt. Service und Genuss wurden ausreichend bedient. Und auf das Asphalt-Paradies können sich wohl alle schon im kommenden Jahr freuen.
Michael S. Zerban