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Foto © O-Ton

Reprise

Vom 14. bis zum 23. Juli fand in diesem Jahr die fünfte Ausgabe des Asphalt-Festivals Düsseldorf statt. Als Sommer­fes­tival der Künste kam die zehntägige Party trotz Unwet­ter­war­nungen so gut wie ohne Regen aus. Und das ist nicht die einzige gute Nachricht dieses Jahres.

Christof Seeger-Zurmühlen und Bojan Vuletić – Foto © O‑Ton

Im Hinaus­gehen verklingt allmählich die samtige, nahezu kindhaft-sinnliche Stimme von Anikó Kanthak über dem Stimmen­gewirr im Asphalt-Paradies. Stühle und Bänke sind noch gut besetzt, an der Bar herrscht noch einiger Betrieb, Kuchen­theke und Grill­stand haben ihre Schul­digkeit getan. Im Hinter­grund arbeiten noch ein paar Unent­wegte, aber es ist unver­kennbar: Das Asphalt-Festival in Düsseldorf neigt sich dem Ende zu. Letzte Abschieds­grüße werden im Vorüber­gehen ausge­tauscht. Die zuneh­mende Anzahl an Stamm­gästen führt auch zu neuen Bekannt­schaften, von denen man weiß, dass man sie im kommenden Jahr wieder­sehen wird. Rund 4.500 Menschen haben in diesem Jahr allein die Auffüh­rungen besucht. Das ist eine Steigerung von mehr als zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr. Daraus ergibt sich eine Auslastung von knapp 90 Prozent. Darüber darf sich mancher Intendant eines Stadt­theaters freuen, für das Festival bedeutet es, dass es noch Luft nach oben gibt. Nicht einge­rechnet sind dabei aller­dings die 2.000 Menschen, die bei den Kunst­störer-Projekten gezählt wurden, oder die Menschen, die die Stadt­kla­viere in den U‑Bahn-Stationen zur Kenntnis genommen haben. Rund 10.000 Menschen kommen da jeden Tag vorbei, schätzt Michael Strotmann, Sicher­heitschef der Rheinbahn.

Was bedeuten solche Zahlen, um etwas über den Erfolg eines Festivals zu sagen? Nichts. Viel inter­es­santer ist, wie das Festival beim Publikum ankommt. „Die Resonanz ist für mich persönlich überwäl­tigend. Und das meine ich genau so, wie ich es sage, weil wir ganz viel Post bekommen haben. Unabhängig davon, dass uns die Menschen auch hier im Asphalt-Paradies ansprechen. Da schwingt ganz viel Dankbarkeit mit“, resümiert Christof Seeger-Zurmühlen, einer der Künst­le­ri­schen Leiter, zufrieden. Und erzählt von den Menschen, die zu Wagemut und Durch­hal­te­ver­mögen gratu­lieren und ihre Bewun­derung äußern. Tatsächlich, deutet Seeger-Zurmühlen an, habe man einen Großteil der Arbeits­kraft in der Vorbe­rei­tungs­phase darauf verwenden müssen, Geneh­mi­gungen der öffent­lichen Hand einzu­holen. Da würde er sich doch nach fünf Jahren Asphalt-Festival mehr Koope­ra­ti­ons­be­reit­schaft wünschen. Bojan Vuletić, der andere Künst­le­rische Leiter, bestätigt die Wider­stände, hofft aber auf Einsicht. „Man muss die Räume für die Menschen und Künstler der Stadt erobern“, sagt er. Da ist geradezu unglaublich, dass in letzter Minute doch noch alle Planungen funktio­niert haben. Neben den Künstlern haben rund 30 Mitar­beiter zum Erfolg beigetragen, davon etwa die Hälfte ehren­amtlich. Allen Helfern gebührt dabei beson­derer Dank aus Sicht des Publikums. Obwohl die organi­sa­to­ri­schen Bedin­gungen einen Quanten­sprung nach vorn gemacht haben, kann die Freund­lichkeit und Geduld aller Mitar­beiter nicht hoch genug einge­schätzt werden. Wer sich einmal den Ablauf an Kasse und Einlass angeschaut hat, kann nur staunen ob der Gelas­senheit, mit der die in der Mehrzahl weiblichen Hilfen auf Sorgen und Nöte der Besucher eingehen. Kompliment!

„Wenn man so ein Festival im Vorfeld kompo­niert, im Sinne von neue Kunst auf den Weg zu bringen und Gastspiele einzu­laden, weiß man natürlich noch nicht, wie sich das in diesen Räumen, in denen wir spielen, einlöst“, sagt Seeger-Zurmühlen. Mit dem Ergebnis ist er „sehr, sehr glücklich. Weil wir großartige Künst­le­rinnen und Künstler hier hatten. Und vor allem, weil die neuen Arbeiten auch innerhalb der Räume hier erst aufge­gangen sind.“

Der Anspruch war, ein Sommer­fes­tival der Künste zu sein. Genre-Grenzen sollte es nicht geben. Wie wir inzwi­schen wissen, hat Asphalt das voll und ganz eingelöst. Ein großes Thema dabei waren die Nacht­kon­zerte, die in diesem Jahr zum ersten Mal nach dem Haupt­pro­gramm kostenlos im Asphalt-Paradies aufge­führt wurden. „Es sind auch wirklich viele Leute gekommen, um nur die Nacht­kon­zerte zu sehen. Wir kriegen auch immer wieder Nachfragen, wie das überhaupt ist. Im vorderen Teil treffen sich die Menschen, um zu reden. Und dann gibt es da hinten diese Nische, wo Intimität für ein Nacht­konzert entsteht. Das ist schon faszi­nierend“, erzählt Vuletić. Das Besondere: Hier treten Künstler von Weltrang auf. „Unter freiem Himmel, bei freiem Eintritt. Das ist einer­seits eine Hommage an die Kunst, aber es ist auch ein Zeichen, dass es ernst­ge­meint ist. Und das hat sich auch insofern bewährt, weil sich hier wirklich ein diverses Publikum abgebildet hat. Das Asphalt-Paradies war teilweise richtig überfüllt. Und es fühlte sich an wie Stimm­gewirr in Babylon, auch ganz viele Sprachen waren hier im Raum“, ist Seeger-Zurmühlen immer noch begeistert.

Zu kriti­sieren gibt es immer etwas. Das ist auch bei aller Faszi­nation des Asphalt-Festivals so. Dass es bei den Konzerten immer noch keinen Abend­zettel mit dem Programm gibt, mag ja noch der fehlenden Kapazität geschuldet sein. Unpünkt­lichkeit ist aller­dings gerade in Deutschland immer wieder ein Ärgernis. Zwar haben wir da inzwi­schen von unseren südeu­ro­päi­schen Nachbarn viel Gelas­senheit gelernt, aber warum beim Asphalt-Festival nahezu jede Veran­staltung mit einer Viertel­stunde Verspätung beginnt, ist nicht nachvoll­ziehbar. Im ansonsten großartig ausge­ar­bei­teten und kosten­losen Programmheft, immer noch ist hier großzügig von der Mikro­skripsie abzusehen, steht eindeutig „Beginn der Veran­staltung“. Es ist nicht die Rede von „Einlass um etwa 20.30 Uhr und Beginn der Veran­staltung irgendwann“. Zumal die Verzö­ge­rungen regel­mäßig dazu führen, dass die Besucher beginnen, sich um die Anzahl der Sitzplätze zu fürchten. Obwohl das im gesamten Festival-Programm überflüssig war. Etwas mehr Entspannung könnte hier leicht durch pünkt­lichen Beginn geschaffen werden. Und: Nein, es gibt dafür keine Rechtfertigung.

Geschehen ist geschehen. Nachdem die wunder­volle Stimme von Anikó verklungen ist, geht der Blick nach vorn. Und da wird es schon wieder aufregend. „Man kann eigentlich nicht gleich­bleiben, weil die Sachen, die wir haben, eigentlich alle anders sind. Oder ungewöhnlich. Wir verstehen es als unsere Aufgabe, den Künstlern Räume aufzu­machen, gute Kunst zu gestalten, und dann alle Barrieren gegenüber den Menschen der Stadt aufzu­heben in bestmög­licher Weise. Das bleibt definitiv erhalten, aber es erfindet sich die ganze Zeit neu“, sagt Vuletić.

Das Festival im kommenden Jahr findet voraus­sichtlich vom 13. bis zum 22. Juli statt. Seeger-Zurmühlen verbindet damit einen konkreten Wunsch. „Wir suchen noch einen Ort, der sich in Höhe und Breite eignet, auch viele Menschen auf die Bühne zu bringen.“ Da sollten sich doch Düssel­dorfer finden, die helfen können.

Am Ende des diesjäh­rigen Festivals bleibt festzu­halten, dass die Fantasie hier nur wenig Grenzen kennen­ge­lernt hat. Die Konzen­tration auf das Festival-Zentrum hat sich ausge­zahlt. Service und Genuss wurden ausrei­chend bedient. Und auf das Asphalt-Paradies können sich wohl alle schon im kommenden Jahr freuen.

Michael S. Zerban

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