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Foto © Nana Franck

Warum nicht

SPRECHGESANG FÜR EIN ORCHESTER
(Mihalj Kekenj)

Besuch am
15. Monat 2017
(Einma­liges Gastspiel)

 

Asphalt-Festival Düsseldorf, Weltkunst­zimmer, Glashalle

Michael Sebastian Kurth ist in Minden geboren. Seinen bürger­lichen Namen verball­hornte er als Jugend­licher zu Curse, dem engli­schen Wort für Fluch. Das war seiner Karriere als Rapper dienlich. Zunächst schwamm er äußerst erfolg­reich im Mainstream des Raps mit, veröf­fent­lichte fünf Alben, ehe er eine sechs­jährige sänge­rische Pause einlegte, während der er hinter den Kulissen weiter­wirkte. Dann folgte seine sechste Platte Uns, wieder ein Erfolg. So kann das ja noch eine Weile weiter­gehen. Aber Curse geht auf die 40 zu. Und er ist intel­ligent genug, sich nicht vorstellen zu wollen, als Rap-Opa jugend­liche Zielgruppen erreichen zu müssen. Es muss also irgend­etwas passieren, das darüber hinausgeht, ein eigenes Label zu gründen oder als Moderator beim Jugend­radio lustig zu sein.

Man muss vermutlich Kenner des Asphalt-Festivals sein, um zu wissen, dass sich hinter den spröden, in fast unleserlich kleiner Schrift verfassten Ankün­di­gungen des Programm­heftes wahre Schätze verbergen. Und selbst dann muss man sich einfach mal auf Neues, ja, Unbekanntes einlassen. Wie eben die Begegnung eines Rappers mit einem kammer­mu­si­ka­li­schen Ensemble auf hohem Niveau. Selbst­ver­ständlich füllt sich die Tribüne in der Glashalle des Weltkunst­zimmers am zweiten Festi­valtag zunächst einmal mit Anhängern des Rappers, die sich von einer neuen musika­li­schen Ausrichtung nicht hindern lassen, einem Konzert ihres Idols zu frönen. Die restlichen Plätze sind samt und sonders schnell mit Besuchern des Asphalt-Festivals besetzt.

POINTS OF HONOR

Musik
Gesang
Publikum
Chat-Faktor

Mihalj Kekenj ist der kluge Kopf des Abends. In Braun­schweig geboren, studierte er an der Robert-Schumann-Hochschule und lebt heute in Düsseldorf. Haupt­be­ruflich ist er Erster Konzert­meister der Bergi­schen Sympho­niker. Seit seinem zwölften Lebensjahr inter­es­siert er sich neben seiner klassi­schen Violin­aus­bildung für Hip-Hop. Den Trend, Rap mit sympho­ni­scher Musik zu verbinden, also zwei Pole anein­an­der­zu­ketten, verfolgt er schon seit vielen Jahren. Neuer ist die Idee, das große Orchester auf ein kammer­mu­si­ka­li­sches Ensemble zu reduzieren. In Curse findet er den konge­nialen Partner. Miki, wie er sich selbst seit ersten eigenen Crossover-Projekten nennt, findet neue Arran­ge­ments für Kammer­musik für die Texte von Curse, versammelt Kollegen der Bergi­schen Sympho­niker um sich und zeigt Curse damit eine echte Weiter­ent­wicklung auf. Genre-Grenzen spart Miki aus. Bei dem Titel Warum nicht geht es eindeutig in Richtung Jazz.

Auf der Bühne finden eindeutig die richtigen Musiker zusammen, um die zum „Edel-Rap“ avancierten Texte von Curse zu inter­pre­tieren. Während Kekenj nicht nur die Geige, sondern auch unauf­fäl­liges Dirigat und Glocken­spiel beisteuert, sich dabei auch noch auf Dialoge mit Curse einlässt, nimmt Max Dommers am Kontrabass als Rhyth­mus­in­strument eine zentrale Rolle ein. Marlies Klumpenaar hat mit ihrer Klari­nette sichtlich Spaß am Musizieren, und Christian Leschowski untermalt mit der Oboe ebenso wie Matthias Wehmer am Cello sehr gekonnt das Gesamt­spiel. Für Maria del Consuelo Redondo Gómez hat Miki einige schöne Solo-Stellen für die Bratsche in die Stücke geschrieben. Gemeinsam nennen sie sich Takeover ! Ensemble. Glück­li­cher­weise aber übernimmt die Musik nicht die Haupt­rolle, sondern ordnet sich gleich­be­rechtigt neben den Texten von Curse ein. Dabei hat Kekenj ganz wunderbare Arran­ge­ments geschrieben, die allein schon für sich stehen.

Miki und Curse – Foto © Nana Franck

Curse zeigt sich dankbar für eine dermaßen gute Musik, passt seine lyrischen Texte profes­sionell an. Die Texte zeichnen sich durch intel­li­gente Inhalte und einen hohen Grad an Poesie aus. Da hört man gerne hin. Es blutet in der Wüste in mir drin oder Wenn ich die Welt aus dir erschaffen könnte: Da entstehen Bilder im Kopf des Hörers. Freiheit, ein Lied von Marius Müller-Western­hagen, vielleicht einer der besten Texte von ihm, ist aller­dings so sehr entfremdet, dass selbst die Düssel­dorfer zunächst Schwie­rig­keiten haben, die geliebten Textzeilen zu identi­fi­zieren. Aber im zweiten Anlauf klappt es doch mit dem Mitsingen des Refrains. Bei den älteren Texten ist dann auch der Chor des Fanclubs im Publikum zur Stelle. Und so entsteht mehr als einmal Gänsehaut an diesem Abend.

Wer sich schon immer gewundert hat, warum beispiels­weise bei einem Oratorium die Solisten nur vom Blatt singen können, wird nach diesem Abend nur noch den Kopf schütteln können. Die Textmengen, die Curse hier leich­ter­dings präsen­tiert, dabei die Geschichten noch gestisch hinreißend unter­streicht, sind überwäl­tigend. Da überholt der Rapper die klassi­schen Sänger mit links. Auch sonst stimmt einiges nachdenklich bei dem Konzert. Als Curse auf das Mikrofon verzichtet, entsteht eine Stimmung, die die Lange­weile des Musik­theaters aufdeckt. Da wird nachvoll­ziehbar, dass Kekenj auch durchaus mal über Oper nachdenkt. Eine ganz neue Oper. Klingt aufregend.

Vorerst müssen sich die Musiker des Kammer­mu­sik­ensembles ebenso wie Curse damit zufrie­den­geben, dass das Publikum rast, Zugaben verlangt und restlos glücklich ist.

Nach einem solchen Abend ist das Angebot eines zusätz­lichen Konzerts – egal, ob der Eintritt kostenlos ist oder nicht – mögli­cher­weise überflüssig. Wer sich auf all die Emotionen an diesem Abend einge­lassen hat, ist dann auch mal gesättigt. Und morgen ist ja auch noch ein Tag.

Michael S. Zerban

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