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Martin Schläpfer, Ballettdirektor der Deutschen Oper am Rhein, der sich nach eigenen Angaben gar nicht so wohl fühlt in Düsseldorf und Duisburg, verlangt mit seinen anspruchsvollen, abstrakten Choreografien von abendfüllender Länge nicht nur seiner Compagnie, sondern auch seinem Publikum eine Menge an Konzentration und Kondition ab. Am 2. Juni steht mit der Uraufführung seines neuen Balletts zur Musik von Gioacchino Rossinis Petite Messe Solenelle die nächste Großtat auf dem Programm.
Da ist das Publikum dankbar für kleine „Verschnaufpausen“ mit bunt gemischten Programmen, die zwar keinen großen innovativen Ehrgeiz ausstrahlen und allesamt ihre Feuerprobe teilweise schon vor Jahrzehnten bestanden haben. Doch wenn die Qualität von Tanz und Choreografie stimmt, ist auch gegen risikoarme Projekte wie das neue unter der Werknummer b.31 nichts einzuwenden.
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Abwechslung bestimmt das neueste Ballett-Programm der Deutschen Oper am Rhein, in dem sich Schläpfer auf bewährte Stücke unterschiedlicher Machart beschränkt. Er selbst greift auf ein vor zehn Jahren kreiertes Erfolgsstück aus seiner Mainzer Zeit zurück, das er jetzt nach zehn Jahren leicht revidiert auf die Bühne des Düsseldorfer Opernhauses zurück bringt. Obelisco heißt das 40-minütige, in sieben Teile zersplitterte Stück, das einen eindrucksvollen Einblick in die fantasiereiche Ästhetik des Choreografen erlaubt. Den Obelisken sieht Schläpfer als imaginären, zentral ausgerichteten Mittelpunkt, um den sich die Episoden zu denkbar unterschiedlichen Musiken wie Planeten gruppieren. Seiner Vorliebe für ausgefallenes Schuhwerk kommt er in der ersten Szene zu Marla Glens Song Travel entgegen, wenn die Damen zunächst in schwerfälligen Stiefeln mit wuchtigen Plateausohlen einen schillernden Kontrast zur Schwerelosigkeit des klassischen Spitzentanzes setzen. Es folgen diverse Miniaturen, die für die Solisten der Compagnie äußerst dankbare Aufgaben bereithalten. Besonders beeindruckend Marlúcia do Amarals siebenminütiger Tanz auf Spitze zu den selbstverlorenen Klängen von Scelsis Anâgâmin, dem Marcus Pei ein expressives, aber nicht weniger sensibles Solo zu Schuberts Lied Du bist die Ruh entgegensetzt.

Klassisch orientierte Sequenzen, die zeigen, wie viel Schläpfer seinem Nestor und Vorbild Hans van Manen zu verdanken hat. Und der darf auch in Schläpfers 31. Programm nicht fehlen. Van Manens über 40 Jahre alter Klassiker Adagio Hammerklavier zur extrem langsamen und introvertierten Interpretation des Adagios aus Beethovens Hammerklavier-Sonate durch Christoph Eschenbach demonstriert in Reinkultur, wie sehr van Manen dem klassischen Tanz verbunden ist und wie kreativ er dessen Bewegungsmuster erweitert und aufbricht, ohne das Terrain ästhetisch vollkommener Harmonie auch nur ansatzweise zu verlassen. Auch wenn Eschenbachs exponierte Interpretation die formale Übersicht über den gewaltigen Satz erschwert: Als Vorlage für die ätherischen Bewegungen der drei schlicht und licht gekleideten Tanzpaare zu sanften Nebelschwaden im Hintergrund eignet sie sich ideal. Ein Meisterwerk von zeitloser Gültigkeit, das auch die Tänzer des Rheinopern-Balletts in Hochform zeigt.
So überraschend Schläpfer seinen Obelisco mit einer salonhaften Choreografie zu Heubergers Opernball-Musik abschließt, so clownesk endet der Abend mit einer Gemeinschaftschoreografie von Sol León und Paul Lightfoot, zwei Hauschoreografen des Nederlands Dans Theaters. Revueartig, mit akrobatischer Virtuosität treibt das Ensemble in SH-Boom aus dem Jahre 1994 zum offensichtlich eigenen Vergnügen und zur Freude des Publikums Schabernack mit Rollenbildern, bei denen die Männer, überwiegend in Feinripp-Unterhosen gekleidet, gegenüber den in hochgeschlossenem Schwarz gewandeten Damen keine sehr glückliche Figur abgeben. Eine Farce, weiter nichts. Aber ein munterer Kehraus, den die Tänzer mit viel Witz zum Erfolg bringen.
Insgesamt ein in seiner Vielseitigkeit kurzweiliger Abend ohne besonderen innovativen Anspruch. Das Publikum bedankt sich für die „Erholungspause“ mit begeistertem Beifall.
Pedro Obiera