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CHOMBOTROPE
(Stephanie Thiersch, Kefa Oiro)

Besuch am
22. September 2017
(Urauf­führung am 21. September 2017)

 

Tanzhaus NRW, Düsseldorf

Mit einem Pauken­schlag eröffnet Stephanie Thiersch die neue Spielzeit. Vor ziemlich genau einem Jahr hat die Choreo­grafin noch mit City Dance Köln Aufsehen erregt. Jetzt tritt sie mit einem neuen Team an, um die Fantasie des Publikums in neue Sphären zu lenken. The Jitta Collective ist eine Schnitt­menge aus der eigenen Compagnie Mouvoir und der Tuchan­gamke Group aus Kenia, die Kefa Oiro leitet. Zusammen mit der Voguerin Marie Zoe und der Tänzerin Alexandra Naudet haben die beiden Choreo­grafen das europäisch-afrika­nische Projekt Chombo­trope erarbeitet. Das Tanzhaus NRW hat die Ehre, als Ort der Urauf­führung zu dienen.

POINTS OF HONOR

Musik
Tanz
Choreo­grafie
Bühne
Publikum
Chat-Faktor

Im großen Saal sind auf den Seiten­bühnen zusätz­liche Tribünen aufge­stellt. Nach hinten ist die Bühne von einem Podium mit Schlagwerk, Trommeln und einem Tisch für den Discjockey begrenzt, an dessen Rückseite sich eine Kleider­stange, dicht behängt mit Kostümen, befindet. Unter dem Podium ist eine LED-Licht­leiste aufgebaut, die als Licht­orgel geschaltet ist. Sie ist so einge­stellt, dass sie die Augen der Zuschauer auf der Haupt­tribüne verblitzt. Der einzige außer­ge­wöhn­liche Licht­effekt des Abends. Mit dem Auftritt der Perkus­sio­nistin N’deye Seck kann die Reise in die Aufhebung aller Stilrich­tungen oder deren Kompo­sition beginnen. Im Hinter­grund gehen Schlag­zeuger Dodo NKishi und Discjockey Nicolas Badoux an ihre Arbeits­plätze, während die Performer die ersten, wunderbar fanta­sie­vollen Kostüme vom Ssamson Ssenkaaba überstreifen.

Beginnend mit einer stili­sierten Moden­schau zeigen die Choreo­grafen, die selber, wenn auch verhalten, auftreten, gemeinsam mit Marie Bucholz, Alexandra Naudet und Georgina Philp die neuesten Tanztrends wie Voguing, Beatboxing oder Catwalking. Bedenklich, dass sich in der Einführung und Bezeichnung neuer Stile immer wieder falsch­ver­stan­denes Marketing durch­setzt. Immerhin verstehen es die Tänzer, die Begriffe mit Leben zu füllen und auf der Bühne eindrucksvoll darzu­stellen. Da gibt es die übersti­li­sierte Bewegung auf dem Laufsteg, Schat­ten­boxen im Zeitlu­pen­tempo oder aus der Bewegung heraus erstar­rende Skulp­turen zu bewundern.

Foto © Martin Rotten­kolber

Spoken Word Art meint dann wohl, dass Texte über Mikrofone verbreitet werden, ohne vom Publikum zu verlangen, dass sie verstanden werden. Das ermög­licht dann auch eine Mikro­fon­technik, die eine saubere, verständ­liche Übertragung nicht zwingend voraus­setzt. Eindrucksvoll ist ja auch schon die Tonalität und der Vortrag. Ein beson­derer Zugang zum Stück scheint also nicht erfor­derlich. Das bringt auch der Text der Vorankün­digung zum Ausdruck, der so verquast ist, dass sich damit wirklich niemand ernsthaft ausein­an­der­setzen will. Am zweiten Abend der Urauf­führung, einem Freitag­abend, ist dann der Saal tatsächlich nur noch zur Hälfte besetzt.

Dabei ist das Werk schon vom reinen Unter­hal­tungswert her beein­dru­ckend. Vor allem auch deshalb, weil gleich drei Kompo­nisten druck­volle Disko­theken-Klänge zusam­men­ge­mischt haben, die punkt­genau auf die Bühnen­aktion passen.

Stephanie Thiersch und Kefa Oiro haben mit Chombo­trope ein Stück produ­ziert, das beim Aufwand, in der tänze­ri­schen Ausführung und im Zusam­men­spiel mit der Musik beein­druckt. Dennoch bleiben viele Fragen offen.

Dem Publikum gefällt, was es gesehen und gehört hat. Länger als im Tanzhaus üblich währt der Applaus.

Eine Aufführung gibt es noch im Tanzhaus NRW, ehe das Stück in der kommenden Woche nach Köln zur Akademie der Künste der Welt und anschließend ins Ausland geht.

Michael S. Zerban

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