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Foto © Maria Falconer

Zwischen Bewunderung und Mitleid

GIVE ME A REASON TO LIVE
(Claire Cunningham)

Besuch am
2. Oktober 2017
(Premiere)

 

Tanzhaus NRW, Düsseldorf

Es ist schon erstaunlich, mit welcher kreativen Energie die schot­tische Perfor­merin Claire Cunningham ihre körper­liche Behin­derung künst­le­risch einbringt. Früh an schwerer Osteo­porose erkrankt, ist sie auf Krücken angewiesen, was sie nicht davon abhält, ein ganzes Tanzpro­gramm solis­tisch auf offener, völlig leerer Bühne zu präsen­tieren. So auch in Give Me A Reason To Live, das sie an zwei Abenden im Düssel­dorfer Tanzhaus NRW mit großem Publi­kums­zu­spruch zeigt.

An der 45-minütigen Perfor­mance beein­druckt nicht zuletzt, dass sie ihr Handicap weder überspielen noch beschwich­tigen will. Ausgehend von den verwach­senen Bettler-Figuren auf Gemälden von Hiero­nymus Bosch eröffnet sie den Monolog zu schwe­relos anmutenden elektro­ni­schen Klängen Jean Motons zusam­men­ge­kauert in einer Ecke liegend, den Anblick einer formlosen Körper­masse bietend. Allmählich schält sie sich aus der amorphen Position heraus und beginnt sich zu bewegen. Teilweise mühsam, teilweise die Krücken wie zusätz­liche Glied­maßen benutzend, wodurch die Bewegungs­for­ma­tionen an kriechende Insekten erinnern. Mitunter kämpft sie mit den Krücken, mitunter hebt sie sich mit ihnen vom Boden ab und scheint eine erstaun­liche Leich­tigkeit zu gewinnen. Zeitweise verharrt sie stehend, die Gehhilfen beisei­te­gelegt, in spannung­voller Stille und Regungs­lo­sigkeit. Es ist eine Mischung aus Bewun­derung und latentem Mitleid, mit der man die Perfor­mance verfolgt.

POINTS OF HONOR

Musik
Tanz
Choreo­grafie
Publikum
Chat-Faktor

Auf beides speku­liert die Künst­lerin gewiss nicht. Wohl aber auf die Gefühle und Gedanken, die die Aufführung in den Zuschauern auslösen. Reaktionen, die zur Reflexion mit dem oft unsicheren Umgang mit Behin­derten zwingen.

Dass Claire Cunningham trotz ihrer künst­le­ri­schen Erfolge und des aktiven Umgangs mit ihrer Behin­derung keinen Anlass zu einer verklärten Weich­zeichnung ihrer Situation sieht, zemen­tiert sie mit dem Schlussbild, indem sie, stehend an eine Wand gepresst, Johann Sebastian Bachs Arie Den Tod niemand zwingen kunnt aus der Passions-Kantate Christ lag in Todes­banden“ nicht singt, sondern verzweifelt deklamiert.

Das Publikum zeigte sich sichtlich beein­druckt von der Leistung.

Pedro Obiera

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