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Foto © Gert Weigelt

Auf und neben den Spuren Martin Schläpfers

YOUNG MOVES
(Wun Sze Chan, Sonny Locsin, Boris Randzio, Chidozie Nzerem, So-Yeon Kim, Michael Foster)

Besuch am
4. Juli 2017
(Urauf­führung)

 

Ballett der Deutschen Oper am Rhein, Oper Düsseldorf

Das Essener Ballett prakti­ziert es schon seit einigen Jahren, im letzten Jahr griff auch Martin Schläpfer, der Ballett­di­rektor der Deutschen Oper am Rhein, die gute Idee auf, ambitio­nierten Tänze­rinnen und Tänzern des eigenen Ensembles die Möglichkeit zu geben, sich als Choreo­grafen zu versuchen. Erfah­rungen, die für die Zeit nach der aktiven Tänzer-Karriere von unschätz­barem Wert sein können.

Der erste Versuch unter dem Titel Young Moves wurde ein durch­schla­gender Erfolg und zum Abschluss dieser Saison stellten sich gleich sechs Ensem­ble­mit­glieder mit ihren nagel­neuen Kreationen vor: Wun Sze Chan, So-Yeon Kim, Michael Foster und Boris Randzio nach ihrem letzt­jäh­rigen Erfolgen zum zweiten Mal, Chidozie Nzerem und Sonny Locsin gaben im gut besuchten Düssel­dorfer Opernhaus ihr taufri­sches Debüt als Choreografen.

Die Handschriften der sechs jungen Künstler sind so unter­schiedlich, dass ein quali­ta­tiver Vergleich schwer­fällt. Die meisten haben natürlich ihre mehrjäh­rigen Erfah­rungen im Ensemble von Martin Schläpfer einge­ar­beitet. Umso inter­es­santer stechen die Arbeiten heraus, die ganz eigene Wege beschreiten. So der Ameri­kaner Chidozie Nzerem mit Edge of Reason, der zur rhyth­misch pulsie­renden Musik von Chris­topher Rouse eine vitale Studie von anima­lisch urwüch­siger Kraft und teilweise drasti­scher Sinnlichkeit schuf. Die Bewegungen gleichen eher denen von Tieren als klassi­schen Vorlagen, von ihm selbst kreierte fellartige Trikots unter­streichen den urtüm­lichen Eindruck. Eine Arbeit, die stellen­weise wie eine afrika­nisch gefärbte Replik auf Strawinskys Sacre wirkt.

POINTS OF HONOR

Musik
Tanz
Choreo­grafie
Bühne
Publikum
Chat-Faktor

Exotische Akzente verleiht auch die Korea­nerin So-Yeon Kim ihrem Stück 49. Zu der verstörend aufge­wühlten Musik Arvo Pärts Lamentate und dem beruhi­genden Bach-Choral Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ zelebriert sie eine ostasia­tisch beein­flusste Toten­feier. Teils mit expres­siver Inten­sität, teils mit stoischer Gelas­senheit, wobei dem Toten zur Musik Bachs die Gelegenheit gegeben wird, mit einem engel­haften Umhang ins Leben zurück­zu­kehren. Senti­mentale Weihrauch­schwaden werden durch die strenge Bewegungs­führung weitgehend vermieden.

Einen Ausflug in halbseidene Etablis­se­ments der ameri­ka­ni­schen 1950-er Jahre unter­nimmt Michael Foster in Anlehnung an ähnliche Titel des Jazz-Musikers Charles Mingus mit dem Stück East Coasting. Ein auf den ersten Blick lebens­froher Streifzug durch Kneipen und Bars in bunten Kleidchen von Hélène Vergnes, der sich aber zunehmend verdüstert. Luden, Prosti­tu­ierte und manch licht­scheuer Geselle drücken die Stimmung zunehmend.

Foto © Gert Weigelt

Die drei übrigen Choreo­grafien orien­tieren sich deutlicher an klassi­schen Bewegungs­mustern. Boris Randzio beginnt sein Andante sostenuto zu aggres­siven Klängen von Radiohead mit tumult­ar­tigen Bewegungs­salven, die sich mit Einsatz des schroff kontras­tie­renden Andantes aus Schuberts letzter Klavier­sonate in B‑Dur zunehmend beruhigen und zu der erschüt­ternd abgeklärten Inter­pre­tation von Svjatoslav Richter zu ausge­gli­chener Harmonie auf Spitze führen.

Einen Bezug zur Natur, wenn auch nicht so sinnlich anima­lisch wie Chidozie Nzerem, stellt Wun Sze Chan aus Hongkong mit ihrem Stück No Desti­nation her, indem sich das erstarrte Ensemble allmählich zu beleben beginnt und mit fortschrei­tender Komple­xität Bewegungs­ab­läufe zeigt, die an bizarre Tier-und Pflan­zen­welten erinnern. Optisch ergänzt durch den Künstler Walter Padao, der geheim­nis­volle Schrift­zeichen live an die Wand projiziert.

Von ganz kleinen Tieren, nämlich munteren Ameisen, ließ sich der Tänzer Sonny Locsin zu seiner Choreo­grafie Fourmis inspi­rieren. Zu den minima­lis­ti­schen, klein­mo­ti­vi­schen Klängen von Philipp Glass entwi­ckeln die sechs Tänze­rinnen und Tänzer verwir­rende Bewegungs-Konstel­la­tionen, die sich allmählich ordnen.

An Fantasie fehlt es dem choreo­gra­fi­schen Nachwuchs ebenso wenig wie der engagierten Schläpfer-Truppe an Einsatz und tänze­ri­scher Qualität, auch wenn es mit der Synchro­nität angesichts der begrenzten Probenzeit in der Premiere nicht immer zum Besten steht. Man darf auf die Fortsetzung des Projekts in der nächsten Saison gespannt sein. Das Premie­ren­pu­blikum zeigt sich sichtlich beeindruckt.

Pedro Obiera

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