O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.
Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.
Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.
O-Ton
3-Monats-Abo
für jeweils 3 Monate
O-Ton
Jahres-Abo
pro Jahr
O-Ton
6-Wochen-Abo
für jeweils 6 Wochen
O-Ton
Jahres-Mitgliedschaft
für ein Jahr
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Kulturmagazin mit Charakter
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
YOUNG MOVES
(Wun Sze Chan, Sonny Locsin, Boris Randzio, Chidozie Nzerem, So-Yeon Kim, Michael Foster)
Besuch am
4. Juli 2017
(Uraufführung)
Das Essener Ballett praktiziert es schon seit einigen Jahren, im letzten Jahr griff auch Martin Schläpfer, der Ballettdirektor der Deutschen Oper am Rhein, die gute Idee auf, ambitionierten Tänzerinnen und Tänzern des eigenen Ensembles die Möglichkeit zu geben, sich als Choreografen zu versuchen. Erfahrungen, die für die Zeit nach der aktiven Tänzer-Karriere von unschätzbarem Wert sein können.
Der erste Versuch unter dem Titel Young Moves wurde ein durchschlagender Erfolg und zum Abschluss dieser Saison stellten sich gleich sechs Ensemblemitglieder mit ihren nagelneuen Kreationen vor: Wun Sze Chan, So-Yeon Kim, Michael Foster und Boris Randzio nach ihrem letztjährigen Erfolgen zum zweiten Mal, Chidozie Nzerem und Sonny Locsin gaben im gut besuchten Düsseldorfer Opernhaus ihr taufrisches Debüt als Choreografen.
Die Handschriften der sechs jungen Künstler sind so unterschiedlich, dass ein qualitativer Vergleich schwerfällt. Die meisten haben natürlich ihre mehrjährigen Erfahrungen im Ensemble von Martin Schläpfer eingearbeitet. Umso interessanter stechen die Arbeiten heraus, die ganz eigene Wege beschreiten. So der Amerikaner Chidozie Nzerem mit Edge of Reason, der zur rhythmisch pulsierenden Musik von Christopher Rouse eine vitale Studie von animalisch urwüchsiger Kraft und teilweise drastischer Sinnlichkeit schuf. Die Bewegungen gleichen eher denen von Tieren als klassischen Vorlagen, von ihm selbst kreierte fellartige Trikots unterstreichen den urtümlichen Eindruck. Eine Arbeit, die stellenweise wie eine afrikanisch gefärbte Replik auf Strawinskys Sacre wirkt.
| Musik | ![]() |
| Tanz | ![]() |
| Choreografie | ![]() |
| Bühne | ![]() |
| Publikum | ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() |
Exotische Akzente verleiht auch die Koreanerin So-Yeon Kim ihrem Stück 49. Zu der verstörend aufgewühlten Musik Arvo Pärts Lamentate und dem beruhigenden Bach-Choral Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ zelebriert sie eine ostasiatisch beeinflusste Totenfeier. Teils mit expressiver Intensität, teils mit stoischer Gelassenheit, wobei dem Toten zur Musik Bachs die Gelegenheit gegeben wird, mit einem engelhaften Umhang ins Leben zurückzukehren. Sentimentale Weihrauchschwaden werden durch die strenge Bewegungsführung weitgehend vermieden.
Einen Ausflug in halbseidene Etablissements der amerikanischen 1950-er Jahre unternimmt Michael Foster in Anlehnung an ähnliche Titel des Jazz-Musikers Charles Mingus mit dem Stück East Coasting. Ein auf den ersten Blick lebensfroher Streifzug durch Kneipen und Bars in bunten Kleidchen von Hélène Vergnes, der sich aber zunehmend verdüstert. Luden, Prostituierte und manch lichtscheuer Geselle drücken die Stimmung zunehmend.

Die drei übrigen Choreografien orientieren sich deutlicher an klassischen Bewegungsmustern. Boris Randzio beginnt sein Andante sostenuto zu aggressiven Klängen von Radiohead mit tumultartigen Bewegungssalven, die sich mit Einsatz des schroff kontrastierenden Andantes aus Schuberts letzter Klaviersonate in B‑Dur zunehmend beruhigen und zu der erschütternd abgeklärten Interpretation von Svjatoslav Richter zu ausgeglichener Harmonie auf Spitze führen.
Einen Bezug zur Natur, wenn auch nicht so sinnlich animalisch wie Chidozie Nzerem, stellt Wun Sze Chan aus Hongkong mit ihrem Stück No Destination her, indem sich das erstarrte Ensemble allmählich zu beleben beginnt und mit fortschreitender Komplexität Bewegungsabläufe zeigt, die an bizarre Tier-und Pflanzenwelten erinnern. Optisch ergänzt durch den Künstler Walter Padao, der geheimnisvolle Schriftzeichen live an die Wand projiziert.
Von ganz kleinen Tieren, nämlich munteren Ameisen, ließ sich der Tänzer Sonny Locsin zu seiner Choreografie Fourmis inspirieren. Zu den minimalistischen, kleinmotivischen Klängen von Philipp Glass entwickeln die sechs Tänzerinnen und Tänzer verwirrende Bewegungs-Konstellationen, die sich allmählich ordnen.
An Fantasie fehlt es dem choreografischen Nachwuchs ebenso wenig wie der engagierten Schläpfer-Truppe an Einsatz und tänzerischer Qualität, auch wenn es mit der Synchronität angesichts der begrenzten Probenzeit in der Premiere nicht immer zum Besten steht. Man darf auf die Fortsetzung des Projekts in der nächsten Saison gespannt sein. Das Premierenpublikum zeigt sich sichtlich beeindruckt.
Pedro Obiera