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Foto © Gert Weigelt

Die Einsamkeit von Menschen und Engeln

b.30
(Martin Schläpfer)

Besuch am
14. Januar 2017
(Premiere)

 

Deutsche Oper am Rhein, Düsseldorf

In seinem 30. Programm hält sich Martin Schläpfer, der Ballett­di­rektor der Deutschen Oper am Rhein, dezent zurück und überlässt das Terrain dreien seiner Kollegen. Auf Spuren des renom­mierten Tanzmeisters braucht man aller­dings nicht zu verzichten. Denn Remus Şucheană tanzte seit 1999 in Mainz unter der Leitung von Schläpfer und folgte ihm an den Rhein, wo er 2015 zum Co-Ballett­di­rektor ernannt wurde. Die Urauf­führung seines 30-minütigen Tanzstücks Concerto grosso Nr. 1 zur gleich­na­migen Musik von Alfred Schnittke weist unver­kennbare Einflüsse Schläpfers auf, lässt aber auch eine ausbau­fähige eigene Handschrift erkennen. In der Abstraktion geht Şucheană nicht so weit wie sein „Chef“. Die Konzen­tration auf Einsamkeit und Ausgrenzung des Menschen lässt sogar Umrisse eines Handlungs­bal­letts erkennen. So wie Schnittkes Musik klassische Vorbilder aufgreift und kunst­ge­recht zersplittert und verfremdet, basiert Şucheanăs Choreo­grafie auf der klassi­schen Tanzkunst, die er behutsam ausweitet. Das Thema der Einsamkeit führt zu überwiegend moderaten Bewegungs­tempi, wobei die musika­li­schen Wechsel zwischen Orches­ter­tutti und solis­ti­schen Einlagen ein dankbares Tummelfeld für entspre­chende tänze­rische Struk­turen bieten, was die 30-köpfige, groß besetzte Compagnie mit Ann-Kathrin Adam, Yuko Kato und Marlúcia do Amaral an der Spitze dankbar nutzt. Insgesamt wirkt Şucheanăs Arbeit einheit­licher, konser­va­tiver und weniger dynamisch als die meisten Arbeiten Schläpfers. Was kein Nachteil sein muss. Die Vielfalt des Bewegungs­re­per­toires gerät im Laufe der Aufführung aller­dings an ihre Grenzen.

POINTS OF HONOR

Musik
Tanz
Choreo­grafie
Bühne
Publikum
Chat-Faktor

Das betrifft auch die zweite Urauf­führung des Abends, Wounded Angel, der serbi­schen Choreo­grafin Natalia Horecna, mit 50 Minuten der längste Beitrag des Programms. Auf weiche, klassische Bewegungs­muster legt sie keinen Wert. Sie verknüpft burleske Clownerien mit fantas­ti­schen und intro­ver­tierten Elementen, entspre­chend der musika­lisch bunt gestü­ckelten Collage aus aggres­siven Bartók-Klängen, verlo­renen Klari­net­ten­tönen von Alban Berg und zünftigen Folklo­rismen des Duos Timba Harris an der Violine und Gyan Riley mit der Gitarre. Auch bei Horecna geht es um die Behauptung eines Menschen namens Love, eindringlich getanzt von Marcos Menha, in einer Welt, in der der friedens­stif­tende Engel, darge­stellt von Yuko Kato, so stark verwundet ist, dass er die in den Himmel führende Treppe nicht mehr aufsteigen kann. Camille Andriot als das Herz und Rubén Cabaleiro Campo als Ich bewegen sich im Dauer­clinch. Immer wieder brechen acht skurrile, obszön agierende Allegorien, etwa die Furcht, die Unsicherheit oder die Selbst­liebe, mit burlesken Verren­kungen in diony­sisch angehauchten Hemdchen inklusive Schwänzen am Hintern und auf dem Kopf in die Welt ein. Eine etwas verwir­rende Ansammlung vieler Seelen, die in der Brust der Love hausen. Insgesamt eine flott choreo­gra­fierte, etwas lang geratene, hypno­tisch-frivole Absage an die Kraft eines „Wunder­engels“, der die Menschen zur Vernunft bringen könnte.

Foto © Gert Weigelt

Beide Urauf­füh­rungen verbindet optisch eine gewaltige verwin­kelte Konstruktion von Bühnen­bildner Darko Petrovic, die zunächst wie ein massives Labyrinth am Bühnen­himmel hängt und sich am Ende der Stücke herab­senkt und die Weite des Raums eingrenzt.

Zwischen den Urauf­füh­rungen bietet Marco Goeckes vor zwei Jahren in Duisburg aus der Taufe gehobenes Ballett Lonesome George zu Schost­a­ko­witschs achtem Streich­quartett eine in verne­beltes Halbdunkel angesie­delte, virtuose Studie für alles, was sich an bizarren Bewegungs­mustern mit den Händen und dem Rumpf reali­sieren lässt. Nicht mehr und nicht weniger.

Die anspruchs­volle Musik­auswahl für alle drei Stücke bringen die Düssel­dorfer Sympho­niker und ihre Solisten unter Leitung von Jean-Michaël Lavoie angemessen zu Gehör und tragen damit wesentlich zum heftig bejubelten Erfolg des abwechs­lungs­reichen Abends bei.

Pedro Obiera

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