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Potpourri der Farbenfreude

CAFÉ FUSION
(diverse Choreografen)

Besuch am
30. Dezember 2016
(Gala)

 

Tanzhaus NRW, Düsseldorf

Für das Timing der Gesamt­planung gibt es Sonder­punkte. Nach Weihnachten kann Bewegung nicht schaden. Also bot das Tanzhaus NRW die Woche über die AfroLatin Dance Days mit zahlreichen Workshops an. Am Ende und damit auch am Jahresende steht eine Gala, die das Jahr versöhnlich ausklingen lässt. Das können die Menschen gut gebrauchen. Sie sind erschöpft, das ist überall zu spüren. 2016 war kein gutes Jahr. In vielerlei Hinsicht. Aber jetzt ist Zeit für einen Schlussstrich.

Und so entzieht sich die Gala mit dem schönen Namen Café Fusion, deren Programm Carlinhos Batá zusam­men­ge­stellt hat, eigentlich auch jeder ernst­haften Beurteilung. Da will man sich dann auch über die viertel­stündige Verspätung zu Beginn gar nicht erst ärgern. Sondern lässt lieber beim Anblick des Foyers ein bisschen das Herz überlaufen. Das ist doch Deutschland! Menschen aller Hautfarben, jeglichen Alters und vermutlich aller Religionen versammeln sich hier friedlich, weil das das Normalste der Welt ist. Und es gibt Platz für jeden.

POINTS OF HONOR

Musik
Tanz
Choreo­grafie
Bühne
Publikum
Chat-Faktor

Platz gibt es auch ausrei­chend auf der Bühne, obwohl sie für eine Tanzver­an­staltung ungewöhnlich vollge­stellt ist. In der Mitte des Bühnen­hin­ter­grundes dominiert ein rotes Plüschsofa mit Kissen. Links davon eine Percussion-Ecke, davor ein Stehtisch. Auch auf der rechten Seite noch ein paar Möbel. Dort warten die Künstler bereits schwatzend und lachend auf ihr Publikum.

Bei einem Bebop versammelt sich das Ensemble auf der Tanzfläche, um anschließend die Ränge zu stürmen und Menschen im Publikum einzeln zu begrüßen. Da ist die gute Laune programmiert.

Immer erfri­schen die einzelnen, im folgenden darge­bo­tenen Nummern mit Frohsinn und Leich­tigkeit, egal, ob es sich dabei um afrobra­si­lia­ni­schen Tanz, argen­ti­ni­schen Tango oder Eigen­cho­reo­grafien handelt. Vor allem deshalb ein Genuss, weil hier jede Folklo­ristik ausbleibt. Einge­bettet in kleine Inter­mezzi, wird der Eindruck der „Nummern-Revue“ geschickt abgemildert. Ein Höhepunkt ist sicher der Auftritt von Kofie, der zeigt, zu welcher Kunstform sich der Hiphop längst entwi­ckelt hat. Oder die Gesangs­einlage von Raúl Naval­potro, ehe er mit Stefanie Clausen den Tango präsen­tiert. Besonders schön, dass bei den afrika­ni­schen Tanzformen auch der Isica­thulo oder Gummi­stiefel-Tanz gezeigt wird, ursprünglich ein Protest-Tanz, der – ähnlich wie die Capoeira – eine eigene Kommu­ni­ka­ti­onsform entwi­ckelte. Entstanden ist der Tanz wohl bei den Minen­ar­beitern in Johan­nesburg, denen das Sprechen unter­ein­ander verboten war. Vorstellen kann man sich den Tanz in etwa wie River Dance, nur ungesünder, weil die Schäfte der Gummi­stiefel als Rhyth­mus­in­strument mitein­be­zogen werden, die Tänzer sich also zu weiten Teilen in gebückter Haltung bewegen. Ganz abgesehen davon, dass Gummi­stiefel nicht dazu entwi­ckelt wurden, sich als Tänzer leicht­füßig fortzubewegen.

 

Immer wieder ertönen zwischen­zeitlich die harten Rhythmen afrika­ni­scher Trommeln, sehr zur Freude der Zuschauer. Wo die Live-Musik ausbleibt, wird teils ohren­be­täu­bende Musik über die Lautsprecher einge­spielt – und man staunt darüber, wie viel Bass die Anlage aushält. Am Ende obsiegen aber die Trommler in einer halbstün­digen Zugabe, in der die Tänzer noch einmal Sponta­neität und Kreati­vität unter Beweis stellen dürfen.

Die Vielfalt der Stilistik, die Farben­froheit auf der Bühne, der Abwechs­lungs­reichtum der Musik – das begeistert das Publikum, das keine Gelegenheit des Zwischen­ap­plauses auslässt. Es wird eine wahre Gala, ein Fest des Tanzes, wie es kurzwei­liger kaum sein kann. Damit hat das Tanzhaus NRW das alte Jahr gebührend verab­schiedet. An Silvester findet dann ab 22 Uhr die Party für junge Leute statt, um das neue Jahr zu begrüßen. Aber die ist natürlich längst ausverkauft.

Michael S. Zerban

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