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Für das Timing der Gesamtplanung gibt es Sonderpunkte. Nach Weihnachten kann Bewegung nicht schaden. Also bot das Tanzhaus NRW die Woche über die AfroLatin Dance Days mit zahlreichen Workshops an. Am Ende und damit auch am Jahresende steht eine Gala, die das Jahr versöhnlich ausklingen lässt. Das können die Menschen gut gebrauchen. Sie sind erschöpft, das ist überall zu spüren. 2016 war kein gutes Jahr. In vielerlei Hinsicht. Aber jetzt ist Zeit für einen Schlussstrich.
Und so entzieht sich die Gala mit dem schönen Namen Café Fusion, deren Programm Carlinhos Batá zusammengestellt hat, eigentlich auch jeder ernsthaften Beurteilung. Da will man sich dann auch über die viertelstündige Verspätung zu Beginn gar nicht erst ärgern. Sondern lässt lieber beim Anblick des Foyers ein bisschen das Herz überlaufen. Das ist doch Deutschland! Menschen aller Hautfarben, jeglichen Alters und vermutlich aller Religionen versammeln sich hier friedlich, weil das das Normalste der Welt ist. Und es gibt Platz für jeden.
| Musik | ![]() |
| Tanz | ![]() |
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| Bühne | ![]() |
| Publikum | ![]() |
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Platz gibt es auch ausreichend auf der Bühne, obwohl sie für eine Tanzveranstaltung ungewöhnlich vollgestellt ist. In der Mitte des Bühnenhintergrundes dominiert ein rotes Plüschsofa mit Kissen. Links davon eine Percussion-Ecke, davor ein Stehtisch. Auch auf der rechten Seite noch ein paar Möbel. Dort warten die Künstler bereits schwatzend und lachend auf ihr Publikum.
Bei einem Bebop versammelt sich das Ensemble auf der Tanzfläche, um anschließend die Ränge zu stürmen und Menschen im Publikum einzeln zu begrüßen. Da ist die gute Laune programmiert.
Immer erfrischen die einzelnen, im folgenden dargebotenen Nummern mit Frohsinn und Leichtigkeit, egal, ob es sich dabei um afrobrasilianischen Tanz, argentinischen Tango oder Eigenchoreografien handelt. Vor allem deshalb ein Genuss, weil hier jede Folkloristik ausbleibt. Eingebettet in kleine Intermezzi, wird der Eindruck der „Nummern-Revue“ geschickt abgemildert. Ein Höhepunkt ist sicher der Auftritt von Kofie, der zeigt, zu welcher Kunstform sich der Hiphop längst entwickelt hat. Oder die Gesangseinlage von Raúl Navalpotro, ehe er mit Stefanie Clausen den Tango präsentiert. Besonders schön, dass bei den afrikanischen Tanzformen auch der Isicathulo oder Gummistiefel-Tanz gezeigt wird, ursprünglich ein Protest-Tanz, der – ähnlich wie die Capoeira – eine eigene Kommunikationsform entwickelte. Entstanden ist der Tanz wohl bei den Minenarbeitern in Johannesburg, denen das Sprechen untereinander verboten war. Vorstellen kann man sich den Tanz in etwa wie River Dance, nur ungesünder, weil die Schäfte der Gummistiefel als Rhythmusinstrument miteinbezogen werden, die Tänzer sich also zu weiten Teilen in gebückter Haltung bewegen. Ganz abgesehen davon, dass Gummistiefel nicht dazu entwickelt wurden, sich als Tänzer leichtfüßig fortzubewegen.
Immer wieder ertönen zwischenzeitlich die harten Rhythmen afrikanischer Trommeln, sehr zur Freude der Zuschauer. Wo die Live-Musik ausbleibt, wird teils ohrenbetäubende Musik über die Lautsprecher eingespielt – und man staunt darüber, wie viel Bass die Anlage aushält. Am Ende obsiegen aber die Trommler in einer halbstündigen Zugabe, in der die Tänzer noch einmal Spontaneität und Kreativität unter Beweis stellen dürfen.
Die Vielfalt der Stilistik, die Farbenfroheit auf der Bühne, der Abwechslungsreichtum der Musik – das begeistert das Publikum, das keine Gelegenheit des Zwischenapplauses auslässt. Es wird eine wahre Gala, ein Fest des Tanzes, wie es kurzweiliger kaum sein kann. Damit hat das Tanzhaus NRW das alte Jahr gebührend verabschiedet. An Silvester findet dann ab 22 Uhr die Party für junge Leute statt, um das neue Jahr zu begrüßen. Aber die ist natürlich längst ausverkauft.
Michael S. Zerban