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Seit 2014 arbeiten die Duisburger Philharmoniker alljährlich mit dem Kölner Tanzlabel Emanuele Soavi incompany zusammen. Entstanden sind gewaltige Produktionen wie die vierstündige Mythentrilogie Verführte und Verführer oder das zweiteilige Projekt Aurea – Variations on Bach. Johann Sebastian Bach ist man auch mit der dritten Kreation treu geblieben, auch wenn Relics insgesamt etwas bescheidener ausfällt.
Ungewöhnlich geheimnisvoll startet Relics an ungewöhnlicher Stelle des Stadttheaters. Zu der 90-minütigen Tanz-Performance wird das Publikum mitten auf die Bühne geführt, wo es zunächst frei wandelnd Tische bewundern darf, auf denen rote Tücher rätselhafte Gegenstände verhüllen. Streng bewacht von Musikern des Barockensembles der Duisburger Philharmoniker, die nach zehn Minuten die „Objekte“ langsam von den Stoffen befreien.
| Musik | ![]() |
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| Publikum | ![]() |
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Zum Vorschein kommen die Körper der acht Tänzer und Tänzerinnen der Kölner Tanzcompany, die sich regungslos und in völliger Nacktheit den Blicken der Zuschauer aussetzen. Dazu startet das Barockensemble mit dem ersten Satz aus Bachs 5. Brandenburgischem Konzert. Kraftvolle, von der fabelhaften Cembalistin Flóra Fábri mit einer hochvirtuosen Solo-Kadenz geadelte Musik, die einen bizarren Kontrapunkt zu den leblos wirkenden Gestalten auf den schmucklosen Tischen bilden. Ein Szenario, das bei manchem der teilweise sehr jungen Besucher Irritationen auslöst. Langsam, nach den Schlusstakten des Eingangssatzes, erwachen die Tänzer aus ihrer Starre und beginnen, sich ziemlich triste Alltagsanzüge überzuziehen und zunächst recht amorph zu ihren Bewegungsmöglichkeiten zurückzufinden.

Mit dem Einsatz der nächsten Sätze des Bach-Konzerts entwickelt sich mit harten Bewegungsabläufen ein komplexes Spannungsfeld von Gruppenbildungen und Abweisungen. Es kommt zu Annäherungen, die allerdings meist früh gestört werden. Mit expressiven Gebärden und überzeichneten Gesten wirken die Menschen wie aus dem Ruder gelaufene Automaten mit gestörten Sozialbindungen.
Zu den Klängen des 4. Brandenburgischen Konzerts finden die Tänzer zu weicheren Bewegungen, die stellenweise zu harmonischen Abläufen führen, bevor sie im dritten Teil zu den abstrakten geräuschhaften Elektro-Klängen von Wolfgang Voigt offenbar verschiedene Entwicklungsstadien durchleben. Zu sehen sind animalisch anmutende Formationen und puppenhafte Mutationen, die viel Spielraum für diverse Assoziationen freilassen. Erst am Ende dieses dritten Teils wird hörbar, dass Wolfgang Voigt seine Klangmischungen aus Klängen der Bach-Kompositionen zauberte. Ende offen.
Wie in den Vorjahren gehen Musiker und Tänzer äußerst ernsthaft aufeinander ein, auch wenn die Bezüge zwischen den polymorphen Bewegungsprozessen und der stringenten Musik Bachs vor allem durch ihre Kontraste überzeugen und sich nur selten ergänzen. Immerhin bietet sich dadurch ein interessantes Potenzial für eine experimentierfreudige, über Strecken recht rätselhafte Performance, die vom Publikum mit großem Applaus belohnt wird. Ein Erfolg auch für das tüchtige Orchester, das seine Flexibilität und Offenheit für ungewöhnliche Projekte mit solchen Arbeiten untermauert.
Pedro Obiera