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Musikalische Überwältigung

GIULIETTA E ROMEO
(Riccardo Zandonai)

Besuch am
8. April 2017
(Premiere)

 

Theater Erfurt

Romeo und Julia, das vielleicht berühm­teste Liebespaar der Welt, hat seit Mitte des 18. Jahrhun­derts viele Kompo­nisten zu musik­thea­tra­li­schen Werken inspi­riert. Drei sehr unter­schied­liche Verto­nungen zeigt das Theater Erfurt in dieser Spielzeit: Bernsteins ameri­ka­ni­sches Musical West Side Story, Gounods franzö­sische Opéra lyrique Roméo et Juliette und – als beson­deren Lecker­bissen – Riccardo Zandonais italie­nische Tragödie Giulietta e Romeo, die in Deutschland zuletzt vor 30 Jahren bei einem Gastspiel aus Verona in Wiesbaden zu sehen war. Zandonai, 1883 geboren, war Schüler von Mascagni, emanzi­pierte sich aber schnell von der veris­ti­schen Strömung und schuf einen eigenen Stil – eine verfei­nerte Neoro­mantik mit archai­schen Elementen, hochemo­tio­nalen Gesangs­partien und einem gleich­ge­wich­tigen Orches­terpart voller magischer Klang­farben, die er in seinem Meisterwerk Francesca da Rimini zu voller Blüte brachte. Giulietta e Romeo, 1922 und damit sechs Jahre später urauf­ge­führt, knüpft stofflich und musika­lisch an die Francesca an: eine legendäre Liebes­ge­schichte, die über den Tod hinaus­wirkt und sich in einem musika­lisch opulenten, sinnlichen Rausch entlädt.

POINTS OF HONOR

Musik  
Gesang  
Regie     
Bühne   
Publikum    
Chat-Faktor    

Die Oper konzen­triert sich auf die zentralen Figuren, alle wichtigen Neben­rollen, wie die Amme oder Pater Lorenzo, sind elimi­niert. Der regie­füh­rende Intendant Guy Montavon zeigt in seiner Insze­nierung eine ungewöhn­liche Sicht­weise. Die ersten beiden Teile spielen in einem Internat um 1900, für das Francesco Calca­gnini hohe Schulsäle mit streng symme­trisch angeord­neten Klassen­pulten im ersten und Betten im zweiten Akt entworfen hat. Romeo und Julia verlieben sich während ihrer Schulzeit, trennen sich, ohne aber einander vergessen zu können. Nach 40 Jahren, während des Zweiten Weltkriegs, hört der gealterte Romeo vom Tod seiner Freundin. An ihrem Grab hat er eine Vision und sieht, wie sie ins Paradies eingeht. Montavons Inter­pre­tation ist eigen­willig, aber in den beiden ersten Akten nicht schlüssig, zumal ihr auch die Perso­nen­führung, etwa die ungelenken Liebes­szenen und manche Idee, wie der durch das Stück geisternde blinde Seher, nicht mehr Plausi­bi­lität verleiht. Stark ist dagegen der dritte Akt. Eine Gesell­schaft, von Frauke Langer sehr geschmackvoll im Stil der 1940-er Jahre einge­kleidet, horcht dem melan­cho­li­schen Bericht von Julias Tod. Der Krieg ist gegen­wärtig, denn auch Soldaten sind unter den Zuhörern. Statt Romeos Ritt zum Grab flimmern Filmse­quenzen von Kriegs­flug­zeugen und Bomben­ab­würfen über eine Leinwand – ein Höhepunkt der Aufführung, der zum Finale überleitet: Während Julia in den Himmel schreitet, werden nachein­ander Blumen auf den Hinter­grund­pro­spekt proji­ziert – ein stimmiges Bild für die Paradies-Apotheose.

Foto © Lutz Edelhoff

Myron Michailides entfacht mit dem leiden­schaftlich mitge­henden Philhar­mo­ni­schen Orchester Erfurt, das durch die Thüringen-Philhar­monie Gotha verstärkt ist, ein orches­trales Feuerwerk, das beim sinfo­ni­schen Inter­mezzo vor dem letzten Bild vor Inten­sität fast explo­diert. Eine ganze Palette von betörenden Klang­farben wird entfaltet, die ungemein suggestiv ist.

Beset­zungs­glück hat Erfurt mit dem Liebespaar Jomantė Šležaitė und Eduard Martynyuk. Sie besitzen nicht nur die ideale jugend­liche Ausstrahlung, sondern erfüllen auch die hohen vokalen Anfor­de­rungen, darunter allein drei Liebes­duette, ohne Einschränkung: Šležaitė ist mit ihrem jugendlich-drama­ti­schen Sopran eine hinge­bungs­volle Julia, Martynyuk in seinem Deutschland-Debüt ein Romeo mit empha­ti­schem, heldi­schem Tenor.

Für die ausge­zeichnete Erfurter Ensem­ble­kultur sprechen die weiteren Solisten. Siyabulela Ntlale verleiht dem Tebaldo einen mächtigen Bassba­riton. Margrethe Fredheim, die sonst in Haupt­rollen zu hören ist, wertet die kleine Partie der Isabella mit ihrem warmen Sopran deutlich auf. Und Won Chi Choi trägt die Weise eines fahrenden Sängers mit berückendem, lyrischem Tenor­schmelz vor – ein wohltu­ender Ruhepunkt in der aufge­la­denen Atmosphäre. Der bestens dispo­nierte, von Andreas Ketelhut einstu­dierte Opernchor des Theater Erfurt trägt zum Gelingen der Aufführung bei.

Starker Beifall für eine großartige Opern­ent­de­ckung mit vielen Bravos für Sänger und Dirigenten.

Karin Coper

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