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Ironie auf Spitze

3 BY EKMAN
(Alexander Ekman)

Besuch am
9. März 2017
(Premiere am 4. März 2017)

 

Aalto-Ballett-Theater Essen

Nach dem reichlich angestaubten Don Quichotte als abend­fül­lendem Auftakt der Essener Ballett-Saison bewegt sich Ballett-Direktor Ben van Cauwen­bergh mit dem neuen Programm 3 By Ekman wieder auf der Höhe der Zeit. Anknüpfend an eine Werkschau von Jiří Kylián in der letzten Spielzeit präsen­tiert Cauwen­bergh diesmal drei brillante Stücke des jungen schwe­di­schen Choreo­grafen Alexander Ekman. Werke mit hohen tänze­ri­schen Ansprüchen, sprühender Origi­na­lität und großem Unterhaltungswert.

Dass der 33-jährige Schwede mit Preisen überhäuft wird, muss noch nichts heißen. Aber mit welch lockerer Hand, mit welch feiner Ironie er das Bewegungs­re­servoir nahezu aller klassi­schen und zeitge­nös­si­schen Genres in neue Zusam­men­hänge zu rücken vermag, das spricht nicht nur für eine erfreulich eigen­ständige Handschrift, sondern auch für die perfekten handwerk­lichen Fähig­keiten des jungen Mannes.

POINTS OF HONOR

Musik  
Tanz  
Choreo­grafie  
Bühne  
Publikum  
Chat-Faktor  

Alle drei Stücke des Abends verblüffen durch ihren spiele­ri­schen Reiz, der vergessen lässt, wieviel filigrane Feinarbeit den Tänzern abver­langt wird. Anfor­de­rungen, die das Essener Ballett in hohem Maße erfüllt, auch wenn sich keine noch so minimale Ungenau­igkeit, vor allem in der Synchro­nität, überspielen lässt.

Foto © Bettina Stöß

Geschichten erzählt Ekman nicht, setzt die Tänzer jedoch konkreten Szenarien aus. In Tyll, seiner ersten Ausein­an­der­setzung mit dem klassi­schen Ballett, werden wir Zeuge einer Proben­si­tuation, in der die Tänze­rinnen ganz klassisch in Teller-Tutus dem Spitzentanz frönen. Ekman greift klassische Ballett­stan­dards in verschie­denen Forma­tionen vom Pas de deux bis zum kompletten Ensemble auf, spielt mit den Schön­heiten und Schwie­rig­keiten des Genres und überzieht das kurzweilige Geschehen mit einem ironi­schen, gleichwohl von Respekt zeugenden Schleier. Wenn etwa ein Damen-Sextett in Anlehnung an Tschai­kowskys Schwa­nensee luftige Schwe­re­lo­sigkeit anstrebt, doch jeder Schritt durch die geschickte Klang­collage von Mikael Karlsson wie ein Elefan­ten­tritt wirkt. Aufge­mischt wird die Probe durch ein turbu­lentes Clown-Duo mit Yanelis Rodriguez und der puppenhaft agierenden Wataru Shimizu. Ein zirzen­si­scher Farbtupfer, den Isabelle Ménard und Ige Cornelis, in höfischem Gold gewandet, durch stili­sierte Tanzele­mente aus der Zeit Ludwigs des IV. kontra­punk­tieren. Hier verschieben sich Maßstäbe und Wahrneh­mungs­ebenen ebenso wie die in Schieflage geratenden Projek­ti­ons­lein­wände im Bühnenhintergrund.

Der Mensch als Herden­wesen steht im Mittel­punkt von Flockwork. Auch hier entfacht Ekman ein bizarres Vokabular teilweise slapstickhaft virtuoser Bewegungen, das ein Höchstmaß an Synchro­nität verlangt. Der Herden­trieb wird gestört durch drei lange Tische, die die Geschlos­senheit der Gruppe aufbrechen. Die Tische werden zur Bühne, dienen als Versteck, als Rutsche und Bollwerk für ein tänze­ri­sches Feuerwerk, das bei aller überdrehten Komik die Irrita­tionen und Ängste der aufge­scheuchten Menschen spüren lässt.

In Tuplet wird der Körper zum Rhyth­mus­in­strument. Zu den Jazz-Klängen von Mikael Karlsson kosten die Tänzer in vielfäl­tigen Forma­tionen die Bewegungs­ka­pa­zi­täten des mensch­lichen Körpers aus. Der Körper federt, zittert, schwingt sanft zur Musik und entlädt dynamische Kräfte. Das alles ohne demons­trative Geste, sondern mit spiele­ri­scher Leich­tigkeit. Unter­stützt durch die kongenial raffi­nierte Licht­technik von Amith Chandrashaker.

Ein grandioser Ballett-Abend. Entspre­chend begeistert fallen die Reaktionen des teilweise erfreulich jungen Publikums aus.

Pedro Obiera

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