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PTAH IV
(Yanelis Rodriguez, Kevin Durwael, Julia Schalitz,
Qingbin Meng, Igor Volkovskyy)
Besuch am
25. Mai 2017
(Premiere)
Tänzer-Karrieren sind recht kurz. Den Versuch, als Choreograf dem Ballett länger verbunden bleiben zu können, unterstützt das Essener Aalto Ballett mit seinen PTAH-Projekten. Zum vierten Mal bekamen jetzt im Grillo-Theater Tänzer des Ensembles die Chance, sich mit eigenen Choreografien vorzustellen. Fünf Arbeiten wurden präsentiert, leidglich Kevin Durwael aus Antwerpen agierte als Gast-Choreograf.
Die fünf unterschiedlich langen Stücke sind von denkbar vielfältiger Machart und lassen entsprechend variable Handschriften erkennen, wobei alle auf allzu kühne avantgardistische Experimente verzichten. Die junge Kubanerin Yanelis Rodriguez zeigt sich in ihrer poesievollen Bewegungsstudie Life is calling zur Musik von René Aubrys Memoires du Futur stark dem klassischen Ballett verpflichtet und verzückt mit wunderschönen, einfühlsamen Pas de deux‘ und Solo-Sequenzen. Ähnliches trifft auch auf Kevin Durwaels Stück Living Waters zu, in dem die vier Tänzer zu Vivaldi-Klängen mit fließenden Bewegungen dem Titel gerecht werden.
Julia Schalitz nennt ihr Vier-Personen-Stück Philia, was nichts anderes als Freundschaftsliebe bedeutet. Dargestellt werden in vielfältigen, abwechslungsreichen Bewegungssequenzen mit zum Teil eindrucksvollen Solo-Auftritten freundschaftliche Beziehungen in verschiedenen Graden der Harmonie und Ausgeglichenheit.
| Musik | ![]() |
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| Publikum | ![]() |
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Ganz allein auf sich gestellt ist Qingbin Meng, der sich einen eigenen Solo-Auftritt kreiert hat. Unter dem Titel M.Selbst verknüpft er zur exotischen Musik von Tan Dun, teilweise ironisch, teils kraftbetont, Elemente des chinesischen Tanzes mit westlichen Bewegungsformen, wobei eine reizvolle Symbiose aus dynamischer Energie und Poesie entsteht.

Das längste und mit sechzehn Tänzern am stärksten besetzte Stück ließ sich Igor Volkovskyy einfallen, der eine in viele Episoden zersplitterte, fiktive Lebensgeschichte andeutet, die vor allem in ihren pantomimischen, totenstillen Momenten fasziniert. Der Stärke der Stille in dem Kak de la!?! betitelten Stück misstraut er freilich, so dass er die meisten Teile mit slapstickhaften Arrangements zu recht bunt zusammengewürfelten Musiken aus Russland und der Ukraine bestückt. Einzelne Körperteile wie verspannte Rücken und trippelnde Füße, aber auch ein unkontrollierbarer Hut bekommen ihre eigenen Auftritte, durchsetzt mit Gags, die bewusst dem Kintopp entlehnt sind. Allerdings erweist sich das Bewegungsvokabular Volkovskyys als – noch – zu schmal, um die Spannung auf Dauer erhalten zu können.
Volkovskyy beansprucht auch die Requisite und die Bühnentechnik am intensivsten, während sich seine Kolleginnen und Kollegen überwiegend mit der leeren Bühne und geschickten Lichteffekten begnügen. Originell der Auftakt zum Solo-Stück von Qingbin Meng als Schattenriss.
Das Publikum ist von allen fünf Arbeiten hellauf begeistert. Und auch Ben van Cauwenbergh zeigte sich von den Künsten seiner Mitstreiter sichtlich angetan.
Pedro Obiera