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Leise rieselt der Schnee

DAS KREUZ DER VERLOBTEN
(Christian Klinkenberg)

Besuch am
5. Februar 2017
(Urauf­führung am 4. Februar 2017)

 

Kultur­zentrum Alter Schlachthof,
Eupen

Bemer­kenswert, was der junge belgische Komponist Christian Klinkenberg mit seinem ebenso jungen Team auf die Beine stellt. Eine zeitge­nös­sische Oper ohne Unter­stützung etablierter Theater zur Urauf­führung zu bringen, das allein schon verdient Respekt. Erst recht, wenn das Ergebnis so erfreulich ausfällt wie die Urauf­führung von Klinken­bergs Kammeroper Das Kreuz der Verlobten im zwei Mal ausver­kauften Kultur­zentrum Alter Schlachthof seiner Geburts­stadt Eupen.

POINTS OF HONOR

Musik  
Gesang  
Regie  
Bühne  
Publikum   
Chat-Faktor  

Ungewöhnlich an dem 80-minütigen Projekt ist die Bindung der Handlung an ein regio­nales Ereignis, das sich 1871 im Hohen Venn zutrug, als zwei Verliebte auf dem Weg zum Hochzeits-Aufgebot in der tücki­schen Moorland­schaft einem Schnee­sturm zum Opfer fielen. Eine Begebenheit, an die noch heute ein Denkmal, eben das „Kreuz der Verlobten“, erinnert.

Ungewöhnlich auch der Versuch Klinken­bergs, auf eine tradi­tio­nelle Partitur zu verzichten und den zehn Musikern des Ensembles 88 und seines eigenen Orchestras statt Noten farbige Bilder des Malers Mark Kirschvink auf Tablets vorzu­legen, die zwar das Impro­vi­sa­ti­ons­talent der Musiker anregen, in ihrer abstrakten Gestaltung jedoch noch größere Freiheits­räume bieten als man es von früheren grafi­schen Notati­ons­ver­suchen im Umfeld von John Cage und Konsorten her kennt. Das bedeutet, dass auf Kosten der Sponta­neität die Präzision des Zusam­men­spiels erschwert wird. Dass es dem Dirigenten Bart Bouckaert dennoch gelingt, den Orches­terpart zusam­men­zu­halten, spricht für die Versiertheit der Künstler.

Foto © Peter Ortmann

Nicole Erbe zeichnet für das Libretto und die Regie verant­wortlich. Den schlichten Handlungskern erweitert sie mit einem großen, hochvir­tuosen Auftritt des perso­ni­fi­zierten Wetters in Gestalt einer engels­gleich weißen, weiblichen Licht­ge­stalt, die sich am Ende aller­dings unerbittlich zeigt. Das „Wetter“ ergeht sich in ausge­dehnten Dialogen mit den beiden Opfern, die aller­dings angesichts der hohen Tonlage wenig verständlich bleiben und das sich anbah­nende Ende zu lang hinaus­zögern. Daran ändert auch die glänzende vokale und szenische Darstellung durch die Sopra­nistin Irmke von Schlichting nichts, die sich von den Schwie­rig­keiten der Partie nicht in Verle­genheit bringen lässt. Eine Überar­beitung wäre hier sinnvoll.

Detail­liert geht die Libret­tistin auch auf die wachsende Zuneigung des Liebes­paars und die Sorgen von Maries Bruder ein. Gespielt wird in der pragma­ti­schen Ausstattung von Ann Gontarek ohne Requi­siten mit raffi­nierten Licht­ef­fekten, schlichten Kostümen und einem riesigen weißen Laken, das der Wetter-Allegorie als eindrucks­volles Gewand dient, sich letztlich jedoch als Leichentuch entpuppt. Ein einfacher, aber pointierter Einfall.

Die schwie­rigen Gesangs­partien sind bei den jungen Solisten bestens aufge­hoben. Dem Niveau von Irmke von Schlichting entsprechen die Leistungen der Sopra­nistin Estelle Lefort als liebende Marie und des Bass-Baritons Jean Bermes als deren Geliebter François. An seine Grenzen stößt der Tenor Giancarlo Paola als Maries Bruder Lambert.

Viel Beifall des aufmerk­samen Publikums für ein gelun­genes Experiment, der Klinkenberg und seine Crew zu weiteren Taten ermuntern sollte.

Pedro Obiera

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