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Jenseits der Operette

ARABELLA
(Richard Strauss)

Besuch am
13. Mai 2017
(Premiere am 25. Januar 2009)

 

Oper Frankfurt

Über der poeti­schen Eleganz des Hofmannst­hal­schen Idioms und dessen glänzendem Konver­sa­ti­onston samt dem brillanten Strauss­schen Parlando und der Fülle an melodi­schen Einge­bungen darf nicht vergessen werden, wie genau das Stück das Milieu einer Elite auf ihrer Schwund­stufe zeigt. Hier setzt die rezep­ti­ons­ge­schichtlich wegwei­sende Insze­nierung Christof Loys an, die in Frankfurt zum ersten Mal in der Spielzeit 2008/​2009 gezeigt wurde und nun unter der umsich­tigen szeni­schen Leitung von Hans Walter Richter wieder­auf­ge­nommen wird.

Loy versagt sich, die von außen betrachtet realsa­ti­rische Welt des Wiener niederen Adels an die Karikatur auszu­liefern. Weder die simultane Horoskop-Verses­senheit und Bigot­terie Adelaides noch die Spiel­sucht Waldners oder das Gebalze windiger Grafen und Barone um die Titel­figur werden der Lächer­lichkeit preis­ge­geben. Desto schärfer arbeitet Loy heraus, wie sehr dieser zweifel­haften adeligen Bonvi­vants zum bloßen Zeitver­treib in einem sinnent­leerten und parasi­tären Dasein Frauen umstandslos zu Göttinnen stili­sieren, um sie prompt zur Hure herab­zu­stoßen, sobald einer der dubiosen Herren von Stand die Angebetete mit einem Rivalen liiert wähnt. Auch Arabella sieht sich den Zudring­lich­keiten Matteos und in subli­mierter Form selbst des von der Treibjagd durch höchstens zweit­klassige Ballsäle korrum­pierten Mandryka ausge­setzt. Die walzer­selig parfü­mierte Atmosphäre der k. u. k. Haupt­stadt ist vergiftet. Arabella bietet ihre gesamte Souve­rä­nität und Charak­ter­stärke auf, um die Liebe zu dem walachi­schen Magnaten zu retten, der einzig sie aus dem Dunst­kreis der verdor­benen Metropole zu befreien vermag. Zdenka aber bleibt erneut als Opfer zurück. Zwar wird ihr guter Ruf wieder­her­ge­stellt, doch ist ihr vorge­zeichnet, in liebloser Ehe mit Matteo zu landen, der sich so schnell daraus retirieren wird wie irgend möglich.

POINTS OF HONOR

Musik  
Gesang  
Regie  
Bühne  
Publikum  
Chat-Faktor  

Die Bühne Herbert Murauers setzt einen weißen Zauber­kasten gleich hinter das Bühnen­portal, dessen verschiebbare Rückwand die wie auf einer Schiene vorbei­glei­tenden Räumlich­keiten des Hotels freigibt. Die Herberge befindet sich in ähnlichen Schwie­rig­keiten wie die dort logie­renden insol­venten Waldners. Jeden­falls haben deren Suite, wie auch der Hotelflur und selbst der von Murauer in raffi­niert demons­tra­tiver Belie­bigkeit entworfene Ballsaal schon bessere Zeiten gesehen.

Auch die Kostüme verant­wortet Murauer. Für Arabellas hellblaue Seidenrobe mussten offenbar die letzten Juwelen der Familie versetzt werden. Die Fiaker­milli in weißen Schnür­stiefeln, weißem Cocktail­kleid und Zylinder ist aller­liebst gewandet.Die mitge­nommene Tages­gar­derobe Waldners zeigt, wie schwer es ihm und seiner Familie fällt, den gesell­schaft­lichen Schein wenigstens notdürftig zu wahren.

Der von Tilman Michael einstu­dierte Chor entledigt sich versiert seiner begrenzten Aufgabe.

Foto © Barbara Aumüller

Stefan Soltesz entlockt dem Frank­furter Opern- und Museums­or­chester schwe­relos gleitende Läufe in Strei­chern und Holzbläsern samt fescher Bläser­ein­würfe. Jede musika­lische und textliche Wendung auf der Bühne findet ihren pointierten Kommentar aus dem Graben. Das gilt für den walzer­selig wiene­ri­schen Ton nicht anders als für das folklo­ris­tisch-südsla­wische Idiom, das Mandryka ins Stück hinein­trägt oder die Chromatik, mit der Strauss Zdenka bedenkt.

Maria Bengtsson geht die Titel­partie aus dem Geist Mozarts an. Für Augen­blicke scheint die Figaro-Gräfin auf der Bühne zu stehen. Bengtssons Piani sind eine Klasse für sich. Zeit und Ewigkeit scheinen belanglose Worthülsen. Kein Zweifel, die Sängerin ist auf dem Weg zu einer führenden Vertre­terin der Rolle. James Ruther­fords Mandryka subli­miert seine Eifer­suchts­aus­brüche um eine Spur zu nobel. In der Walachei lassen sich tempe­ra­ment­vollere Charaktere vermuten. Vollendet die Zdenka von Brenda Rae, die stimmlich wie darstel­le­risch eben so leiden­schaftlich wie makellos den Konflikt zwischen innerem Liebes­feuer und Anfor­de­rungen der Hosen­rolle zunehmend virulenter, krisen­hafter und ausweg­loser gestaltet. Peter Marsh als Matteo verschießt seine Affekt­mu­nition höhen­sicher und raumgreifend. Der Waldner von Alfred Reiter nimmt sich stimmlich stark zurück, um des Edelmanns sittliche und pekuniäre Abgeris­senheit zu beglau­bigen. Barbara Zechmeister ist eine in jeder Hinsicht auf Contenance bedachte Adelaide. Nora Fried­richs als Fiaker­milli fokus­siert sich noch sehr auf die Erzeugung von Tönen. Die weiteren Solisten singen und agieren rollendeckend.

Loy räumt endgültig mit den operet­ten­haften Klischees, die weithin mit dem Werk verbunden sind, auf und erschließt ein gesell­schaft­liches und seeli­sches Drama von bedeu­tender Tiefen­schärfe. Die Sänger­dar­steller werden mit regem Applaus gewürdigt. Das Dirigat von Stefan Soltesz erhält Ovationen.

Michael Kaminski

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