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Über der poetischen Eleganz des Hofmannsthalschen Idioms und dessen glänzendem Konversationston samt dem brillanten Straussschen Parlando und der Fülle an melodischen Eingebungen darf nicht vergessen werden, wie genau das Stück das Milieu einer Elite auf ihrer Schwundstufe zeigt. Hier setzt die rezeptionsgeschichtlich wegweisende Inszenierung Christof Loys an, die in Frankfurt zum ersten Mal in der Spielzeit 2008/2009 gezeigt wurde und nun unter der umsichtigen szenischen Leitung von Hans Walter Richter wiederaufgenommen wird.
Loy versagt sich, die von außen betrachtet realsatirische Welt des Wiener niederen Adels an die Karikatur auszuliefern. Weder die simultane Horoskop-Versessenheit und Bigotterie Adelaides noch die Spielsucht Waldners oder das Gebalze windiger Grafen und Barone um die Titelfigur werden der Lächerlichkeit preisgegeben. Desto schärfer arbeitet Loy heraus, wie sehr dieser zweifelhaften adeligen Bonvivants zum bloßen Zeitvertreib in einem sinnentleerten und parasitären Dasein Frauen umstandslos zu Göttinnen stilisieren, um sie prompt zur Hure herabzustoßen, sobald einer der dubiosen Herren von Stand die Angebetete mit einem Rivalen liiert wähnt. Auch Arabella sieht sich den Zudringlichkeiten Matteos und in sublimierter Form selbst des von der Treibjagd durch höchstens zweitklassige Ballsäle korrumpierten Mandryka ausgesetzt. Die walzerselig parfümierte Atmosphäre der k. u. k. Hauptstadt ist vergiftet. Arabella bietet ihre gesamte Souveränität und Charakterstärke auf, um die Liebe zu dem walachischen Magnaten zu retten, der einzig sie aus dem Dunstkreis der verdorbenen Metropole zu befreien vermag. Zdenka aber bleibt erneut als Opfer zurück. Zwar wird ihr guter Ruf wiederhergestellt, doch ist ihr vorgezeichnet, in liebloser Ehe mit Matteo zu landen, der sich so schnell daraus retirieren wird wie irgend möglich.
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Die Bühne Herbert Murauers setzt einen weißen Zauberkasten gleich hinter das Bühnenportal, dessen verschiebbare Rückwand die wie auf einer Schiene vorbeigleitenden Räumlichkeiten des Hotels freigibt. Die Herberge befindet sich in ähnlichen Schwierigkeiten wie die dort logierenden insolventen Waldners. Jedenfalls haben deren Suite, wie auch der Hotelflur und selbst der von Murauer in raffiniert demonstrativer Beliebigkeit entworfene Ballsaal schon bessere Zeiten gesehen.
Auch die Kostüme verantwortet Murauer. Für Arabellas hellblaue Seidenrobe mussten offenbar die letzten Juwelen der Familie versetzt werden. Die Fiakermilli in weißen Schnürstiefeln, weißem Cocktailkleid und Zylinder ist allerliebst gewandet.Die mitgenommene Tagesgarderobe Waldners zeigt, wie schwer es ihm und seiner Familie fällt, den gesellschaftlichen Schein wenigstens notdürftig zu wahren.
Der von Tilman Michael einstudierte Chor entledigt sich versiert seiner begrenzten Aufgabe.

Stefan Soltesz entlockt dem Frankfurter Opern- und Museumsorchester schwerelos gleitende Läufe in Streichern und Holzbläsern samt fescher Bläsereinwürfe. Jede musikalische und textliche Wendung auf der Bühne findet ihren pointierten Kommentar aus dem Graben. Das gilt für den walzerselig wienerischen Ton nicht anders als für das folkloristisch-südslawische Idiom, das Mandryka ins Stück hineinträgt oder die Chromatik, mit der Strauss Zdenka bedenkt.
Maria Bengtsson geht die Titelpartie aus dem Geist Mozarts an. Für Augenblicke scheint die Figaro-Gräfin auf der Bühne zu stehen. Bengtssons Piani sind eine Klasse für sich. Zeit und Ewigkeit scheinen belanglose Worthülsen. Kein Zweifel, die Sängerin ist auf dem Weg zu einer führenden Vertreterin der Rolle. James Rutherfords Mandryka sublimiert seine Eifersuchtsausbrüche um eine Spur zu nobel. In der Walachei lassen sich temperamentvollere Charaktere vermuten. Vollendet die Zdenka von Brenda Rae, die stimmlich wie darstellerisch eben so leidenschaftlich wie makellos den Konflikt zwischen innerem Liebesfeuer und Anforderungen der Hosenrolle zunehmend virulenter, krisenhafter und auswegloser gestaltet. Peter Marsh als Matteo verschießt seine Affektmunition höhensicher und raumgreifend. Der Waldner von Alfred Reiter nimmt sich stimmlich stark zurück, um des Edelmanns sittliche und pekuniäre Abgerissenheit zu beglaubigen. Barbara Zechmeister ist eine in jeder Hinsicht auf Contenance bedachte Adelaide. Nora Friedrichs als Fiakermilli fokussiert sich noch sehr auf die Erzeugung von Tönen. Die weiteren Solisten singen und agieren rollendeckend.
Loy räumt endgültig mit den operettenhaften Klischees, die weithin mit dem Werk verbunden sind, auf und erschließt ein gesellschaftliches und seelisches Drama von bedeutender Tiefenschärfe. Die Sängerdarsteller werden mit regem Applaus gewürdigt. Das Dirigat von Stefan Soltesz erhält Ovationen.
Michael Kaminski