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Foto © Laura Nickel

„Nicht für mich, sondern für alle“

LIVERPOOL ORATORIO
(Paul McCartney)

Besuch am
10. Februar 2017
(Einmalige Aufführung)

 

Papageno Musik­theater am Palmengarten,
Alte Oper Frankfurt

24 Stunden an sieben Tagen in der Woche ist Hans-Dieter Maien­schein für sein Papageno-Musik­theater im Westen des Frank­furter Palmen­gartens unterwegs. 280 Spieltage pro Jahr, durch­schnittlich rund 55.000 Besucher, in erster Linie Kinder. In 90 Prozent sind alle 199 Plätze besetzt, wenn sich der Vorhang für Geschichten und Märchen öffnet, die nicht nur die Kinder lieben, oder für die große Oper auf kleiner Bühne im kammer­mu­si­ka­li­schen Kompakt­format. 20 Jahre betreibt Maien­schein dieses Unter­nehmen, als Schau­spieler, Buchhalter, kreativer Geist – ein Lebenswerk, immer knapp am finan­zi­ellen Abgrund. Doch Frankfurt und seine Kunst­freude wollen, ja, können von ihm nicht lassen, haben ihre Kinder und deren Klassen­ka­me­raden doch erst und oft nur dadurch einen Zugang zu klassi­scher Musik und dem Musik­theater erhalten.

Nun gibt es im 20. Jahr seines erfolg­reichen Einsatzes ein Jubiläums-Jahres­pro­gramm und ein Jubilä­ums­konzert mit einem großen Kreis von Förderern und Gönnern. Ausge­rechnet das Liverpool-Oratorio von Paul McCartney hat Maien­schein ausge­wählt. „Non nobis solum, sed toti mundo nati“ – „Nicht für uns selbst, sondern für die ganze Welt sind wir geboren“, lautet der Leitge­danke dieses Werkes. Besser lässt sich die Motivation für den unermüd­lichen Einsatz des feinfüh­ligen und überaus beschei­denen Maien­schein nicht beschreiben.

POINTS OF HONOR

Musik  
Gesang  
Regie  
Bühne  
Publikum  
Chat-Faktor  

Das spiegelt sich auch in den Reden zum Geburts­tags­konzert wider. Vertreter der Alten Oper, der Stadt Frankfurt und des Förder­vereins zollen ihm höchsten Respekt für seinen enthu­si­as­ti­schen Einsatz um die Kunst. Seine Musik­ge­schichten, Märchen und Bühnen­werke im Kammer­opern­format zählen zum Selbst­ver­ständnis des Kultur­angebots der Stadt, auch weil sie den Anspruch erfüllen, gerade für die Kinder und Jugend­lichen mit bester Qualität aufzuwarten.

2011 hatte Maien­stein das Oratorio auf seiner kleinen Papageno-Bühne halbsze­nisch mit Gesangs­so­listen und Solis­tenchor insze­niert. Zur Geburts­tags­feier in der Alten Oper stehen nun über 200 Sänge­rinnen und Sänger, Musiker und Solisten auf der Bühne. Auf der Leinwand über dem großen Ensemble werden Szenen­aus­schnitte aus der Produktion von damals in Überein­stimmung mit der Musik eingeblendet.

Kompo­niert wurde das Oratorio von dem renom­mierten ameri­ka­ni­schen Filmmusik-Kompo­nisten und Dirigenten Carl Davis. Zum 150-jährigen Jubiläum des Royal Liverpool Philhar­monic Orchestra 1991 erhielt er den Auftrag, etwas ganz Beson­deres auf die Beine zu stellen. Also holte er McCartney mit ins Boot. Gemeinsam kompo­nierten sie, Davis, als Kopf einer eher tradi­tio­nellen Musik­richtung, und der Autodidakt McCartney mit seinem reichen Fundus an popular­mu­si­ka­li­schen Ideen. Heute gilt das Oratorio als klassi­sches Werk, McCartney als sein Schöpfer.

Foto © Laura Nickel

Die Story, erzählt in acht Stationen zwischen Krieg und Frieden, gleicht McCartneys Biografie von seiner Geburt 1942 während des Krieges über Schulzeit und Hochzeit mit Mary Dee bis zur Geburt des gemein­samen Kindes.

Das Werk basiert auf großar­tigen Chorpartien mit einer imposanten Orches­ter­be­gleitung. Davis nutzt immer wieder die satte Klang­pracht der Männer­stimmen, durch­mischt vom vibra­t­ofreien, zarten Knaben­gesang zu dichtem Streicher- und Bläser­sound und flankiert von einem erwei­terten Percussion-Apparat und der Harfe. So gestaltet sich Filmmusik vom Feinsten. Die Frank­furter Kantorei und die Limburger Domsing­knaben erfüllen den großen Saal mit wohlklin­gendem Volumen.

Maien­stein hat ein Gespür für junge Schau­spiel- und Gesangs­ta­lente, die an der Seite großer Stars Erfahrung sammeln. Dazu zählt Anna Maria Kaufmann. Neben Peter Hofmann gelang ihr Anfang der 1990-er Jahre im Musical-Klassiker Phantom der Oper der inter­na­tionale Durch­bruch. 2003 eröffnete sie den Theater­neubau des Papageno-Musik­theaters und tritt regel­mäßig als Solistin auf. An diesem Geburts­tags­abend ist sie erkrankt. Als Presse­sprecher Lars Bürger das bekannt gibt, wogt eine Welle des Bedauerns durch die Publi­kums­reihen. Die Grand Dame der Oper Gail Gilmore, ebenso Magnet im Papageno-Musik­theater, faszi­niert an diesem Abend einmal mehr durch ihre magische Ausstrahlung. Hans Christoph Begemann, ebenfalls mehrfach zu Gast auf Maien­steins Bühne, beweist Wendigkeit im Wechsel der Rollen und überzeugt durch seine Fähigkeit der Charak­ter­zeichnung. Eine Entde­ckung an diesem Abend ist Daniela Haas. Kurzfristig für die erkrankte Kaufmann einge­sprungen, hat sie die Gesangs­partie der Mary Dee übernommen. Ihr Sopran ist glockenhell, zart, geschmeidig. Expressiv gestaltet sie ihre Partien, nur für den großen Saal in der Alten Oper ist sie eine Spur zu leise. Absolut brillant ist der Tenor und Wagner-Sänger Stefan Vinke. Mit großer Stimme gestaltet er die Empfin­dungswelt des Shanty.

Die Camerata Frankfurt, ein noch relativ junges Orchester, das sich aus Frank­furter Musikern zusam­men­setzt, agiert unter der Gesamt­leitung von Wolfgang Toll zuver­lässig. Am Ende will der Applaus nicht enden. Der Dank gilt den Ausfüh­renden und insbe­sondere Maien­stein für seine großartige Arbeit.

Chris­tiane Franke

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