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Mit dem Maskenball steigt die Kammeroper Frankfurt ins gehobene Repertoire ein, das zu stemmen manch kleinem Stadttheater nicht leicht fällt. Das Wagnis findet bei angenehmen Temperaturen in einer beinahe ausverkauften Premiere im Musikpavillon des Frankfurter Palmengartens statt. Die Atmosphäre hat eigenen Charme. Das Publikum trinkt während der Vorstellung Wein und Bier, einige Leute knabbern an Brezeln, holen Nachschub am Getränkestand, die jüngeren schauen auch schon einmal, was gerade auf ihrem Smartphone passiert. Um nicht allein das Musiktheater lebendig und breitenwirksam zu erhalten, braucht es solch niedrigschwellige Angebote, wie sie die Kammeroper Frankfurt bietet.
Der Chef des Ensembles, Rainer Pudenz, wirkt wie der sympathische Zwilling von Thomas Bernhards Theatermacher Bruscon.
Gesungen wird wie an der Kammeroper Frankfurt üblich in deutscher Sprache. Eigens dafür hat Thomas Peter das Libretto neu übersetzt. Manche dennoch antiquierte Wendung mag auf die bei einem solchen Unternehmen übliche Silbenstecherei zurückgehen.
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In Frankfurt entscheidet man sich nicht für die längst rehabilitierte ursprüngliche Fassung der Oper, die in Schweden spielt, sondern für die von der Zensur des Kirchenstaates seinerzeit als Voraussetzung der Uraufführung in Rom geforderte Verlagerung der Handlung nach Boston. Älteren Opernbesuchen klingen daher die Namen Riccardo und Renato vertraut, die jüngeren sind an Gustavo und Anckarström der ursprünglichen Version gewöhnt.
Die Figuren werden von Pudenz handwerklich solide, dabei über weite Strecken durchaus konventionell geführt. Mitunter legt handfeste Ironie die Unwahrscheinlichkeiten der Handlung bloß, etwa, dass Renato die eigene Frau nicht wenigstens an der Stimme erkennt, wenn sie schon verschleiert ist. Amelia verhüllt sich daher bei Pudenz mit einem allzu transparenten Miniatur-Brautschleier. Gelegentlich changiert die Regie unentschieden zwischen Satire und blutigem Ernst. So nimmt sich Riccardos hochpathetische Sterbeszene wie ein bloßer Betriebsunfall aus.

Für die Bühne zeichnen Frank Keller und der im Centre Pompidou schon ausgestellte spanische Maler Mateo Vilagrasa verantwortlich. Das Duo fokussiert sich auf die große rasterförmig abstrahierte Stadtlandschaft aus der Vogelperspektive, die im Bühnenhintergrund prangt.
Hanna Hollmann kleidet das Ensemble in ein buntes Kostümkonglomerat. Die Herren stecken in bürgerlichen Gegenwartsanzügen, die dem eigenen Kleiderschrank entnommen sein könnten. Amelias Garderobe geistert im historisierenden Ungefähr. Ulrica ist mit langen bunten Röcken die Klischee-Roma aus dem Bilderbuch.
Der kleine, von Armin Rothermel einstudierte Chor beeindruckt durch klangliche Präsenz.
Florian Erdl leitet das durch markante Blechbläser und lyrisch versonnene Querflöten überzeugende Orchester.
Die einzige Rechtfertigung der Aufführung einer italienischen Oper in deutscher Sprache besteht in der Textverständlichkeit der Sänger. Die ist weitgehend gegeben. Lemuel Cuentos Riccardo bietet eine angenehme Mittellage und attraktive Piani. Der Renato von Thomas Peter wartet mit dem hohen Bariton auf, den Verdi fordert. Ilona Nymoen zeigt ihre Amelia zur dramatischen Attacke bereit. Ulrica ist in den satten Tiefen Denise Seyhans effektsicher aufgehoben. Daria Kalinina brilliert als Oscar. Auch die übrigen Partien sind angemessen besetzt.
Das Publikum steht in Treue fest zur Kammeroper Frankfurt. Der Applaus ist stark, Kalinina der erklärte Publikumsliebling.
Zu wünschen ist der rührigen Theaterleitung, dass sie sich trotz der ambitionierten Genreüberschreitung bewusst bleibt, wie tief das Ensemble im Spielopernrepertoire verwurzelt ist.
Michael Kaminski