O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.
Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.
Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.
O-Ton
3-Monats-Abo
für jeweils 3 Monate
O-Ton
Jahres-Abo
pro Jahr
O-Ton
6-Wochen-Abo
für jeweils 6 Wochen
O-Ton
Jahres-Mitgliedschaft
für ein Jahr
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Kulturmagazin mit Charakter
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Noch immer eilt dem Trovatore bei einem erheblichen Teil des Publikums der Ruf voraus, die Handlung sei völlig konfus. Wo dramaturgische Stringenz fehle, richte auch der fähigste Regisseur wenig aus, allenfalls lasse sich auf ein Fest der Stimmen hoffen. Die Premiere zur Spielzeiteröffnung der Frankfurter Oper unternimmt nichts, um dieses Vorurteil zu entkräften.
David Bösch stellt Bilder und arrangiert Tableaus. Die Figurenkonstellation bleibt im Dekorativen stecken. Der Abend läuft auf das entschiedene Bekenntnis zu hübschen Grüppchen hinaus. Bekenntnis wohlgemerkt, denn oft fehlt dem Arrangeur schlicht die Optik, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen. Bösch, der vom Schauspiel kommt, scheint für verlorene Liebesmüh‘ zu halten, im Musiktheater Motive und Tiefenschichten auszuloten. Die Akteure bleiben daher weitgehend sich selbst und ihren jeweils mehr oder minder vorhandenen darstellerischen Gaben überlassen. Inzwischen wird derart vorsintflutliche Spielleitung meist selbst an mittleren Bühnen im romanischen Sprachraum kaum mehr geduldet. Wenngleich sie dort in der Regel immerhin handwerklich in Ordnung geht.
| Musik | ![]() |
| Gesang | ![]() |
| Regie | ![]() |
| Bühne | ![]() |
| Publikum | ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() |
Das Bühnenbild von Patrick Bannwart bietet durchaus Optionen für ernstzunehmende Regiearbeit. Nahegelegt wird eine Bürgerkriegssituation. Vor einem abstrakt-expressionistischen Hintergrundprospekt in Schwarz und Grau beherrscht ein Panzer inmitten eines zerschossenen Waldes wiederholt die Szene. Azucena bewohnt einen schrottreifen Wohnwagen. Überhaupt zeigt das Lager des fahrenden Volks viel Liebe zum Detail, so ein aus Autowrack und Vorderteil eines Pferdewagens kombiniertes Vehikel. Später wird für Azucena ein zwar nicht annähernd exekutionstauglicher, dafür aber optisch attraktiver Scheiterhaufen aus mikadoartig zusammengesteckten Ästen und Zweigen aus der Versenkung gefahren, über dem final der Umriss eines monumentalen Herzens in Flammen aufgeht. Vor purem Kitsch bewahrt dieses Bild, dass es in braunes Streulicht getaucht ist.

Die in unspezifischer Weise der Gegenwart angenäherten Kostüme verantwortet Meentje Nielsen. Manrico in Streifenhose und Lederjackett gehört modisch ins mediterrane Halbweltmilieu. Leonora kommt in rosafarbenem Plisseerock und gepunktetem Oberteil weniger züchtig als spießerhaft daher. Am langen Soldatenmantel Lunas klimpert reichlich Ordenslametta. Nebenbei bemerkt, widersprechen solche am Mantel befestigten Auszeichnungen dem Uniformreglement. Auch im Klosterbild zeigen sich verfehlte Kostümdetails. Zwar sehen Novizinnen, die die ewige Profess ablegen, also dauerhaft in den Orden eintreten, tatsächlich wie Bräute aus, aber keine von ihnen trägt ein ärmelloses Kleid wie eine der Choristinnen. Attraktiv gesehen dagegen sind die Reisigen. Sie bestehen mehrheitlich aus Jahrmarktgauklern.
Der von Tilman Michael einstudierte Chor der Oper Frankfurt übt im Lager der Fahrenden äußerste vokale Zurückhaltung. Wenn auch die volkstümliche Deftigkeit des angeblich lustigen Lebens der Reisigen nicht vermisst wird, so muss nicht unbedingt ein Chorwerk wie von Mendelssohn daraus gemacht werden. Ansonsten entledigt sich der Chor seiner Aufgabe unauffällig zweckdienlich.
Mit dem Opern- und Museumsorchester setzt Jader Bignamini auf zügige bis forsche Tempi, federnde Eleganz, feine dynamische Abstufungen, Sängerfreundlichkeit und höchst ausgewogenen Ensembleklang, Kapellmeistertugenden, die kultiviertes Musizieren und dramatische Verve vereinen.
Piero Pretti als Manrico gestaltet leidenschaftliche Bögen und findet zu schönen Piani. Das hohe C der Stretta ist achtbar, wenngleich ohne Charisma. Die Leonora der Elza van den Heever sorgt für die vokalen wie darstellerischen Glanzlichter des Abends. Van den Heever geht bruchlos vom zartesten Piano zu lyrisch-emphatischer Strahlkraft und dramatischer Attacke über. Brian Mulligan verfügt über die hohe Tessitura der echten Verdi-Baritone, was ihm erlaubt, seine Partie ganz auf Linie zu singen. Die Spitzentöne sitzen perfekt. Darstellerisch fehlt Mulligan die Anleitung durch den Regisseur. Erst zur Generalprobe für die erkrankte Tanja Ariane Baumgartner eingesprungen ist Marianne Cornetti. Ihre Azucena wird von großer Erfahrung in dieser Partie geprägt. In der Kerkerszene berührt Cornetti durch eindringliche Lyrismen. Kihwan Sim ist ein markanter Ferrando.
Starker Beifall für die musikalischen Akteure. Zahlreiche Buhrufe für das Regieteam, vor allem für David Bösch, der vor den szenischen Herausforderungen des Trovatore schlicht kapituliert und das Frankfurter Premierenpublikum intellektuell weit unterfordert.
Michael Kaminski