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Foto © Costin Radu

Harmonie auf Spitze

DER REST IST TANZ
(Pontus Lidberg, Renato Paroni de Castro, Marguerite Donlon)

Besuch am
20. Mai 2017
(Urauf­führung)

 

Ballett des Musik­theaters im Revier,
Gelsenkirchen

Gleich drei Urauf­füh­rungen enthält das letzte Saison-Programm des Gelsen­kir­chener Balletts im Revier. Der Rest ist Tanz vereinigt Arbeiten dreier Choreo­grafen, die trotz unter­schied­licher Handschriften eine Menge verbindet. Ob Pontus Lidbergs Daybreak, ob Renato Paroni de Castros Archi­tektur der Liebe oder Marguerite Donlons To the Moon and back: Alle Stücke sprühen vor kreativer Energie, sie alle sind dem klassi­schen Ballett eng verbunden und frönen einer leiden­schaft­lichen Liebe zum Spitzentanz. Alle drei Arbeiten thema­ti­sieren zudem Gegensätze.

Pontus Lidberg stellt in Daybreak die äußere Welt der Natur dem Innen­leben der Menschen gegenüber, der Brasi­lianer de Castro Liebe und Verzicht und die Irin Marguerite Donlon changiert zwischen Fantasie und Realität. Während Lidberg und de Castro dem Bewegungs­re­servoir des klassi­schen Balletts treu bleiben und ihre Wirkung vor allem durch Ausdrucks-Inten­sität und Pas de deux‘ von berückender Sensi­bi­lität erzielen, spielt Marguerite Donlon mit den Tradi­tionen und Techniken.

POINTS OF HONOR

Musik  
Tanz  
Choreo­grafie  
Bühne  
Publikum  
Chat-Faktor  

Donlons To the Moon and back ist das zweifellos origi­nellste Stück des Abends. Aus einer Schnee­land­schaft erstehen drei lebende, schwe­relos umher­flat­ternde „Schnee­flöckchen“, die Zeugen eines derberen Auftritts einer Männer­gruppe werden. Es kommt zu diversen Begeg­nungen, bis sich am Ende wieder die pitto­reske Schnee­land­schaft von Bühnen­bildner Jürgen Kirner einstellt. Es bleiben Erinne­rungen, in denen die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verwi­schen. Donlon arbeitet mit filigranen Bewegungs­ab­läufen, die auch die Hände und den Kopf berück­sich­tigen und schafft teilweise skurril-witzige, quick­le­bendige Bewegungs­ab­läufe. In den kontrast­reichen Kostümen von Thomas Lempertz, der die Damen mit fleisch­far­benen Trikots und flockigen Perücken bekleidet und die Männer in grobe schwarze Röcke hüllt sowie mit einer exoti­schen Musik­mi­schung aus aller Herren Länder besticht die Arbeit durch ihre ironisch-feinfühlige Leichtigkeit.

Zu den Études für Streich­or­chester von Frank Martin schafft Renato Paroni de Castro sechs Szenarien der Liebe von Unschuld über Beses­senheit und Freude bis zu Verlust­ängsten und Schwermut. Hier dominieren Soloauf­tritte und Duette, wobei Ballett­di­rek­torin Bridget Breiner es sich nicht nehmen lässt, gerade die nachdenk­lichen Momente grandios zum Ausdruck zu bringen. Allein, in völliger Stille, beklagt sie den „Verlust“, in tiefem, harmo­ni­schem Einver­ständnis mit Carlos Contreras überwindet sie in einem eindring­lichen Pas de deux ihre Schwermut. Trotz der episo­den­haften Anlage gefällt die Arbeit nicht zuletzt durch ihre in sich stimmige Geschlossenheit.

Foto © Costin Radu

Bridgett Zehr und Alexander Zaitsev sind die Stars in Pontus Lindbergs Daybreak, die ihre indivi­du­ellen Gefühle, losgelöst von ihrer Umgebung, ausdrücken dürfen. In klassi­scher Harmonie, auf hohem tänze­ri­schem Niveau, leben sie ihren Lebenstanz aus, während sich der Rest des Ensembles als Chiffren der Natur, teilweise in Wolfs­masken gehüllt, autonom bewegt. Ein reizvolles dialek­ti­sches Spannungs­ver­hältnis zwischen Individuum und Umgebung zu der neoro­man­ti­schen Musik des Streich­quar­tetts op. 11 von Samuel Barber mit dem berühmten Adagio, das Bridgett Zehr und Alexander Zaitsev zu einem Höhepunkt des Abends motiviert.

Kein Abend der Sensa­tionen und Neuerungen. Kein Abend, der Tradi­tionen sprengt. Aber ein Abend von großer Inten­sität und Sensi­bi­lität, mit dem das kleine, aber feine Ensemble des Gelsen­kir­chener Balletts seinen Rang als eine der besten Tanz-Compa­gnien an Rhein und Ruhr bestätigt.

Entspre­chend begeistert fällt der Beifall des Premie­ren­pu­blikums aus.

Pedro Obiera

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