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Foto © Costin Radu

O du „selige Unruhe“

THE VITAL UNREST
(Bridget Breiner)

Besuch am
25. März 2017
(Premiere)

 

Ballett des Musik­theaters im Revier,
Gelsenkirchen

Dass die Bewun­derung für die ameri­ka­nische Tanz-Ikone Martha Graham bei Bridget Breiner, der ebenso verdienst­vollen wie innova­tiven Direk­torin des Gelsen­kir­chener Balletts im Revier, ihre frucht­baren Spuren hinter­lassen hat, ist unver­kennbar. Mit ihrem neuesten abend­fül­lenden Programm bezieht sich Bridget Breiner direkt auf die Pionierin des Modern Dance.

The Vital Unrest heißt das zweistündige Programm, die „lebendige Unruhe“: Das Bekenntnis Martha Grahams zur kreativen Unruhe als Quelle schöp­fe­ri­scher Energie gehört zu den Leitlinien der Arbeit von Bridget Breiner. Eine Leitlinie, die sie in ihrem neuen, eupho­risch bejubelten, abend­fül­lenden Programm im voll besetzten Musik­theater im Revier in den Mittel­punkt stellt.

Als Verbeugung vor Graham, dem 1991 verstor­benen Idol, leitet Bridget Breiner den Abend mit einem eindrucks­vollen Solo ein. Ein wenig selbst­ver­loren, zart, aber mit großer Innen­spannung, garniert mit hauch­dünnen Klavier­klängen und gekleidet in einem schlichten Leibchen scheint sie ihre Kraft aus der inneren Begegnung mit dem Vorbild zu beziehen, bevor die Compagnie die Bühne betritt und den ersten Teil eröffnet. Der soll zu den Klängen der eigens für die Produktion kompo­nierten Sinfonie Response von Georgs Pelēcis einen härter geschnitzten Gegenpol zum zweiten Teil setzen, in dem Bridget Breiner mit Camille Saint-Saëns‘ Orgel-Symphonie an Martha Grahams Vorstellung einer „seligen Unruhe“ anknüpfen will.

POINTS OF HONOR

Musik  
Tanz  
Choreo­grafie  
Bühne  
Publikum  
Chat-Faktor  

Ein Konzept, das nicht ganz aufgeht. Denn Saint-Saëns‘ Symphonie strahlt, vom warm fließenden Adagio abgesehen, mehr prickelnde Unruhe aus als die über weite Strecken geradezu banal flimmernde, minima­lis­tisch narko­ti­sie­rende Musik des letti­schen Kollegen. Da kann Breiner für die mehr als 50 langen Minuten der Kompo­sition noch so fanta­sievoll ihr ganzes Reservoir an Bewegungs­formen und ‑formeln aufbieten und jeden Tänzer ihrer zwölf­köp­figen Compagnie mit dankbaren Aufgaben betrauen. Die Musik konter­ka­riert ihren Versuch, mit bewusst asynchronen und gegen­läu­figen Bewegungs­ab­läufen die Ideale klassi­scher Ballett­kunst auszu­hebeln, also quasi aus der Ruhe zu bringen.

Zu den teils nervös flirrenden, teils orgias­tisch aufbrau­senden Tönen der Orgel-Symphonie des Franzosen versucht Bridget Breiner, zurück zu Symmetrie und Ordnung zu finden. Hier gelingen ihr Sentenzen von entwaff­nender Schönheit. Nicht nur im gefühl­vollen Adagio, sondern in allen Teilen. Am Ende, zu den rausch­haften Final­klängen, fügen sich die Tänzer zu einer geord­neten Truppe in Reih und Glied und verleihen dem Abend einen harmo­nisch versöhn­lichen Schluss­punkt, der beweist, dass sich klassische Schönheit und moderne Expres­si­vität nicht ausschließen müssen, sondern fruchtbar ergänzen können.

Foto © Costin Radu

Das alles spielt sich in Bühnen­bildern von Jean-Marc Puissant ab, die die Spiel­fläche durch Wände eingrenzen, die sich aber flexibel öffnen und gleich­zeitig als Projek­ti­ons­flächen für Video­ein­blen­dungen einzelner Musiker im ersten und für frühlingshaft farbige Aquarell-Skizzen im zweiten Teil nutzen lassen.

Das Ensemble des Balletts im Revier absol­viert sein anspruchs­volles und anstren­gendes Programm auf dem gewohnten, von Bridget Breiner sorgfältig erarbei­teten, hohen Niveau, wobei spürbar wird, wie dankbar die Chance von jedem einzelnen Mitglied genutzt wird, auch solis­tisch oder in wirkungs­vollen Pas de deux‘ in Erscheinung treten zu können.

Die Neue Philhar­monie Westfalen unter Leitung von Valtteri Rauha­lammi sorgt für die eindrucks­volle orches­trale Live-Unter­malung. Für die quali­ta­tiven Unter­schiede der Kompo­si­tionen können die Musiker nichts.

Begeis­terter Beifall für eine tänze­risch hervor­ra­gende Neupro­duktion Bridget Breiners, die lediglich durch eine etwas unglück­liche musika­lische Dispo­sition getrübt wird.

Pedro Obiera

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