O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Foto © Carole Parodi

Irgendwie machen es alle so

COSÌ FAN TUTTE
(Wolfgang Amadeus Mozart)

Besuch am
30. April 2017
(Premiere)

 

Grand Théâtre de Genève,
Opéra des Nations

Così fan tutte gehört zum Standard­pro­gramm eines jeden Stadt­theaters wie Aida, Tosca oder die Zauber­flöte. Da nimmt es Wunder, dass das Grand Théâtre Genève sich dieser Oper annimmt. Vielleicht, weil es so gut in die Ausweich­spiel­stätte L’Opéra des Nations passt. Ist dann eben auch mal dran. Aber in Genf findet nichts einfach so statt – zumindest so lange es um die Oper geht. Da gibt es immer noch das Besondere, das Einzig­artige. Und so ist es auch an diesem Abend.

Neben exzel­lenten Sänger­dar­stellern gönnt man sich den Dirigenten Hartmut Haenchen, der für eine solche Aufführung sicher überqua­li­fi­ziert ist. Da entsteht eher der Eindruck, dass Haenchen sich ein persön­liches Vergnügen gönnt. Und so dirigiert er auch. Unglaublich engagiert führt er die Musiker und vor allem die Sänger. Das Orchestre de la Suisse Romande folgt ihm auf nahezu jede Bewegung und erzielt so einen Klang, der nah bei Mozart und ganz eng am Geschehen ist. Dazu tragen auch Cellist Jakob Clasen und Cembalist Xavier Dami in beson­derer Weise bei, wie sich später zeigen wird. Das hochkon­zen­trierte Orchester folgt der Idee des Dirigenten, die Musik lebensecht und sänger­freundlich zu präsen­tieren. Hier wird nicht forciert, sondern sensibel gedient.

POINTS OF HONOR

Musik  
Gesang  
Regie  
Bühne  
Publikum  
Chat-Faktor    

Das kommt der Idee von Regisseur David Bösch entgegen, die Oper so natürlich wie möglich erscheinen zu lassen. Zumindest im ersten Akt soll nicht der artifi­zielle Gesang im Vorder­grund stehen, sondern die Handlung. Dazu hat Falko Herold eine Drehbühne gebaut, die auf der einen Seite eine typisch italie­nische Bar zeigt, auf der Rückseite über ein geräu­miges Schlaf­zimmer verfügt. Don Alfonso ist zum Gastwirt mutiert, was nicht nur Spaß macht, sondern auch genauso gut funktio­niert wie Despina als Kellnerin. Neben diesen stili­sie­renden Kostümen verwendet Bettina Walter viel Fantasie auf die Farbge­staltung insbe­sondere der Kleider der beiden Schwestern. Da darf es richtig bunt werden. Mit wenigen Acces­soires verdeut­licht sie den mehrfachen Rollen­tausch. Den zu erklären, gehört mit zu den schwie­rigsten Aufgaben, die ein Regisseur zu lösen hat, wenn das Publikum nicht durch Rätsel­raten vom Spaß abgehalten werden soll. Bösch schafft größt­mög­liche Klarheit und lässt dabei den Spaß nicht zu kurz kommen. Im zweiten Akt geht ihm dabei ein wenig die Puste aus, und es wird viel „an der Rampe” gesungen. Immerhin fällt ihm aber noch ein, Dorabella und Guglielmo nach der Tenor-Arie Ah, lo veggio, quell’anima bella noch ein bisschen schwofen zu lassen – zu den Cembalo-Klängen von Elvis Presleys Love me tender. Mit Beginn der Hochzeits­feier hat der Regisseur die Situation dann auch wieder im Griff und bringt das Stück schwungvoll zu Ende. Zur Feier selbst fällt dann auch Licht-Designer Michael Bauer noch ein besonders hübscher Effekt ein, ehe der große Coup zum Schlussbild kommt. Ansonsten begnügt er sich mit angenehm situa­ti­ons­ge­rechter Ausleuchtung und rückt die Sänger hier und da mit gekonntem Verfolger-Einsatz ins rechte Licht.

Foto © Carole Parodi

Viel mehr Lumen könnte auch leicht zur Quälerei für die Sänger geraten, die darstel­le­risch erheblich gefordert werden. Denn auch wenn Intendant Tobias Richter Tenor Steve Davislim vorsichts­halber als pollen­be­dingt indis­po­niert ankündigt, bringen alle Akteure vorbild­lichen Einsatz. Allen voran Bariton Laurent Naouri, der mit großer Souve­rä­nität und Stimme die Rolle des Gastwirtes Don Alfonso ausfüllt. Auch Davislim zeigt sich als Ferrando darstel­le­risch wie stimmlich voll auf der Höhe, brilliert mit seiner Arie, die zu allem Überfluss ja auch noch recht spät ansteht – also nach zahlreichen kräfte­zeh­renden Einsätzen. Wie viel Kraft ihn der Abend kostet, sieht man am Schweiß seines Angesichts nach vollbrachtem Werk. Einen ganz wunder­baren Guglielmo präsen­tiert Vittorio Prato, der vor allem im zweiten Akt seinen pracht­vollen Bariton zur Gänze entfaltet. Despina ist hier mit Mezzo­so­pra­nistin Monica Bacelli nicht mit einem „Mäuschen“ besetzt, sondern mit einer gestan­denen Frau mit Lebens­er­fahrung – und das bekommt der Rolle ausge­sprochen gut, zumal Bacelli auch durchaus über komödi­an­ti­sches Geschick und, wie die anderen auch, über viel Spiel­freude verfügt. Ähnlich verhält es sich mit Veronika Dzhioeva, in deren Sopran sich ein drama­ti­scher Einschlag bemerkbar macht, was Fiordiligi ganz hervor­ragend aufwertet. Alexandra Kadurina erfrischt als Dorabella mit heiter-verspielter Art, gibt sich auch schon mal träume­risch oder lüstern. Schau­spie­le­risch wird sie nicht weiter gefordert, so will es scheinen, stimmlich geht ihr unterwegs kurz die Puste aus. Aber wen inter­es­siert das bei einem solch vorzüg­lichen Ensemble, das sich gegen­seitig fabelhaft zuspielt? Niemanden.

Auch der Chor unter Leitung von Alan Woodbridge arbeitet im Wortsinn kräftig am Erfolg des Abends mit. Geht es in der Wirts­haus­szene noch recht beliebig zu, wird die Hochzeits­szene innerhalb kürzester Zeit vorbe­reitet, während die Stimmen präzise und durch­schlagend bleiben.

Nach drei Stunden, in denen das Publikum der Handlung hochkon­zen­triert folgt und gerne und oft Einzel­leis­tungen applau­diert, bricht ein Sturm der Begeis­terung los, na, jeden­falls für schwei­ze­rische Verhält­nisse. Zehn Minuten lang werden Leitungsteam, Ensemble, Chor und Orchester intensiv – inklusive Klatsch­marsch – gefeiert.

Das Grand Théâtre Genève hat sich einmal mehr in der Ersatz­spiel­stätte Opéra des Nations bewährt. In dieser Spielzeit steht noch Norma als Übernahme aus Stuttgart an. In der kommenden Saison warten zahlreiche, hochin­ter­es­sante Produk­tionen, ehe es dann in das sanierte Gebäude an der Place Neuve zurückgeht.

Michael S. Zerban

Teilen Sie O-Ton mit anderen: