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Sternstunde des Orchesters

DIE FRAU OHNE SCHATTEN
(Richard Strauss)

Besuch am
16. April 2017
(Premiere)

 

Staatsoper Hamburg

Das Team um den Regisseur Andreas Kriegenburg mit Harald B. Thor, verant­wortlich für das Bühnenbild, den Kostümen von Andreas Schraad und der Licht­ge­staltung von Stefan Bolliger kreiert einen durch eine Vielzahl von Verstre­bungen gebro­chenen, aufwän­digen Bühnenraum auf zwei Ebenen. Die werden jeweils im Übergang der Aktbilder auf ganzer Portalhöhe herauf- oder herun­ter­ge­fahren, um die Welten des Geister­reiches und des Irdischen zu gestalten. Sie sind verbunden über eine schmale Wendel­treppe, welche den Protago­nisten der Handlung ermög­licht, den jeweils anderen Orbit zu betreten und zu erfor­schen. Insbe­sondere die Licht­ge­staltung schafft dabei eine Vielzahl wechselnder, atmosphä­risch ausdrucks­starker Raumgestaltungen.

Das insze­na­to­rische Konzept versucht Ängste, Reali­täts­flucht, poten­zielle oder reale Kontroll­ver­luste, Fragen der Verant­wortung, und Erkennt­nis­pro­zesse, die im Textbuch in erster Linie der Kaiserin zugeordnet sind, aus der Perspektive der Färberin aufzu­greifen und zu verar­beiten. Die Kaiserin wäre dann eine Imagi­nation, in der Sprache der Psycho­analyse eine Traum­er­scheinung der Färberin, die als Frau in einer anderen Sphäre – gewis­ser­maßen einer imagi­nierten Flucht- und Märchenwelt der Färberin – schluss­endlich mit den gleichen existen­ti­ellen Fragen an sich selbst konfron­tiert ist. Der Frage nämlich, ob man als Frau unter vorherr­schenden schwie­rigen materi­ellen oder ander­wei­tigen Bedin­gungen die Verant­wortung für Kinder übernehmen kann, muss oder darf.

Auch unter den Umständen der Färberin beant­wortet der Regisseur die Frage am Ende des Erkennt­nis­weges mit einem glatten und unkom­pli­zierten „Ja“. So sieht man am Ende die Paare aus Geister- und Erdenwelt auf Bänken im Park sitzen, umgeben von spielenden und fröhlichen Kindern, die Frauen sich gegen­seitig Blumen überbringend, von aller im Nachhinein geradezu unver­ständ­licher und verges­sener Bedrängnis erlöst und in aller­schönster Einfalt verweilend.

POINTS OF HONOR

Musik  
Gesang  
Regie  
Bühne  
Publikum  
Chat-Faktor  

Mit der Einführung weiterer christ­licher Symbole wie der an die Dornen­krone gemah­nende Kopfschmuck des Kaisers, oder die Darstellung des Jünglings in der Gestalt des mit Pfeilen durch­bohrten heiligen Sebas­tians, Doppel­gän­ge­rinnen beider Frauen, und Bildele­menten aus einer psych­ia­tri­schen Anstalt wird die Handlung mit der in der Vorlage bereits übermäßig vorhan­denen Symbolik weiter angerei­chert, um am Ende in der Bebil­derung eines in seiner gänzlichen Schlichtheit einfäl­tigen Glücks aufzu­gehen. So schön ist das Leben. So schwer der Weg, so sonnig sind die Paradiese der Erkenntnis am Ende im realen Sein und das Glück der Liebe mit vielen Kindern.

Das Erschei­nungsbild der Insze­nierung vermittelt keine Fragen an ein eventuell werkim­ma­nentes, aus der Entste­hungszeit, oder auch heute poten­ziell existentes, spezi­fi­sches Herrschafts- und Frauenbild, oder gar zu der zweifel­haften Ethik eines Überlebens und Gebärens zu Ende des Ersten Weltkrieges oder der Zwischenkriegszeit.

Dabei durften die Sänger – bei der über weite Strecken nicht vorhan­denen Perso­nen­führung – in der Regel schön an der Rampe singen und nach Herzenslust die Arme recken.

Gesungen wird auf aller­höchstem Niveau, wobei immerhin die vier Sänger von Amme, Barak, Färberin und Geisterbote jeweils ihr Debüt in den Rollen geben.

Die Kaiserin von Emily Magee betört vor allem in den schwie­rigen Passagen im dritten Akt durch wunder­volle Gesangs­bögen und große Verin­ner­li­chung und Ruhe in Stimme und Spiel. Der Kaiser von Roberto Saccà wird der in jeder Form schwie­rigen und teilweise sperrigen Rolle stimmlich und darstel­le­risch in hohem Maße gerecht. Das mit Lise Lindstrom und Andrzej Dobber besetzte Färberpaar stellt heute eine ideale Verkör­perung dar. Der stimmlich wie in der Bühnen­er­scheinung rückhaltlos agierenden Lindstrom steht der bis zur Unerträg­lichkeit Geduld und Aufop­ferung perso­ni­fi­zie­rende Dobber gegenüber. Mit beiden Rollen­debüts gelingt eine in jeder Hinsicht einzig­artig berüh­rende Gestaltung. Auch Linda Watson singt die Amme zum ersten Mal. Ihre Bühnen­präsenz, langjährige Erfahrung in vergleichbar anspruchs­vollen Wagner- und Strauss-Partien sowie stimm­liche Beherr­schung geben ihrer Darstellung Ausdruck und Durchschlagskraft.

Lise Lindstrom als Färbersfrau – Foto © Brinkhoff/​Mögenburg

Unter den vielen weiteren Betei­ligten seien hier der Geisterbote von Bogdan Baciu, ein Hüter der Schwelle des Tempels und die Stimme des Falken von Gabriele Rossmanith, Erscheinung des Jünglings von Alex Kim sowie die Brüder Baraks von Alexey Bogdan­chikov, Bruno Vargas und Markus Nykänen hervor­ge­hoben. Sie alle tragen wesentlich zu dem musika­lisch anspruchs­vollen und äußerst gelun­genen Abend bei.

Die Aufführung ist vor allem aber eine Stern­stunde für das Philhar­mo­nische Staats­or­chester Hamburg unter seinem Chefdi­ri­genten Kent Nagano. Höchst selten hat man eine solche Klarheit in Klang und Struktur über alle Orches­ter­gruppen, inklusive beispiels­weise aller Holz‑, tiefen Blech­bläser und Schlag­werke in diesem Hause gehört. Die feinsin­nigen, irisie­renden Elemente der Partitur wie auch die mitunter massiven Orches­ter­bal­lungen werden mit höchster Trans­parenz und sinnvoller sowie ausdrucks­starker Dynamik von jedem einzelnen Orches­ter­mit­glied über den gesamten Abend gespielt. Das ist nicht nur die eindrucks­volle Leistung des Dirigats von Kent Nagano; vielmehr hat das Orchester mit seinem Chefdi­ri­genten in den letzten Monaten seit Beginn der inten­siven Zusam­men­arbeit zu einer Einheit gefunden, um die man das Haus beneiden kann. Diese Qualität, Inten­sität und Spiel­freude machen den Abend zum Erlebnis.

Der Chor der Staatsoper Hamburg unter Eberhard Friedrich sowie die Alster­spatzen unter Jürgen Luhn runden den musika­li­schen Teil des Abends vortrefflich ab.

Das Publikum folgte dem Abend im nicht gänzlich ausver­kauften Haus mit Spannung und Anteil­nahme. Große Begeis­terung und viele „bravi“ für die Sänger, am stärksten vielleicht für Andrzej Dobber. Langan­hal­tende Beifall­stürme und Bravorufe für Kent Nagano und die Leistung der Philhar­mo­niker. Applaus ohne Buhrufe auch für das Regieteam – bemerkenswert!

Achim Dombrowski

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