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ORCHESTER ZU GAST
(Luciano Berio, György Ligeti, Claude Vivier)
Besuch am
29. Mai 2017
(Einmaliges Gastspiel)
Zurzeit erscheint der Name von Teodor Currentzis auf allen Plakaten und Programmen der führenden Festspiele, Konzertsäle und Opernhäuser. Seit er mit seinem Da-Ponte-Zyklus in Perm im fernen Sibirien die klassische Musikwelt zu recht begeistert hat, ist er ein viel gefragter Dirigent und Interpret eines sehr breit angelegten Programmes. In Salzburg darf es nochmals Mozart sein, La Clemenza di Tito, in Zürich Verdi mit Macbeth und so wird es in der Karriere des Ausnahmekünstlers weitergehen. Mit seinem vergeistigten Erscheinen, seinem stetig zum Lächeln geöffneten Mund und seinem ruhigen, zurückhaltenden Auftreten wirkt er ewig jugendlich in seine Welt abgehoben, ausgeglichen und sicher. Aber die Auseinandersetzung mit dem musikalischen Werk sitzt tief in ihm, jede Note der Partitur ist ihm klar vor Augen, und wie er das Orchester spielen lassen will, weiß er auch und zeigt es den Musikern an. Für diesen Abend haben er und seine Mitwirkenden, sein von ihm gegründeter und musikalisch weiterentwickelter Chor Musica Eterna, das Mahler Chamber Orchestra und die Solistin Sophia Burgos ein außerordentlich anspruchsvolles, farbiges Programm von ausnahmslos zeitgenössischer Musik ausgewählt.
| Musik | ![]() |
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Die Elbphilharmonie scheint derzeit im Mittelpunkt der Klassik-Konzerte zu stehen, die Karten sind heißbegehrt, und so ist auch ein so außergewöhnliches Konzert ausverkauft. Dunkel ist es im Saale, die Sessel des Orchesters sind leer, trotzdem startet Trommelwirbel, und Bläser setzen zur Fanfare an. Luciano Berio hat sein Werk Call oder die St. Louis Fanfare immer wieder überarbeitet. Der Italiener ist in der klassischen Musikgeschichte verhaftet, testet aber Grenzen in seinen Kompositionen. Insbesondere das Hauptwerk des Abends, sein Coro, wirft sich mit einer Klangvielfalt und wuchtigen Auseinandersetzung von Harmonik und Rhythmik wahrlich auf den Zuhörer. Jede einzelne Chorstimme tritt in Wettstreit oder Gleichklang zu einem musikalischen Instrument. Eine unglaubliche Herausforderung für die Sänger, die einzelnen Töne sicher zu treffen und eine elegante Intonation zu halten.

Aber darauf scheinen die Sänger und Sängerinnen von ihrem „Meister“ Teodor Currentzis trainiert zu werden. Schon beim Werk Lux Aeterna von György Ligeti vor der Pause begeistern die Sänger mit ihrem Können. Halbtonschritte mit auffällig angelegten Dissonanzen, die sich in Steigerungen zu harmonischen Auflösungen entwickeln, meistern jeder einzelne Sänger und Sängerin zumeist im Solo mit Bravour in voller Konzentration. Ein ungeahntes Gefüge von Tonfolgen eröffnet sich dem Zuhörer. Die nach wie vor umstrittene Akustik der Elbphilharmonie trägt diesen Vielklang transparent und klar, ohne die Töne zu umhüllen. Präzision ist erforderlich, denn sie verzeiht keine Fehler.
Barbara Hannigan sagt ihre Mitwirkung in diesem Konzert wegen einer unvorhergesehenen Terminkollision ab. Sophia Burgos übernimmt kurzfristig den Part in Lonely Child, den sie bereits in München interpretiert hat. Sie zeigt in dem Werk von Claude Vivier einen langen Gesang der Einsamkeit. Eine teilweise erfundene Sprache mit Urlauten sind Teile seiner einzigartigen Musiksprache. Sehr traditionell und klassisch im Anschluss der tosende Applaus des Publikums. Eine Zugabe des Chores als Dank schließt das Programm und untermauert das musikalische, aber auch das erzieherische Talent von Currentzis. Sicherlich wird man von ihm noch einiges an spannenden Werkdeutungen und Aufführungen erwarten können.
Helmut Pitsch