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The Grange Festival zählt zu den bekannteren und renommierten Festspielen auf privaten englischen Landsitzen. Doch bedeutet die Saison 2017 eine besondere Wende in der Geschichte des Festivals. Das ursprüngliche künstlerische Team unter der Leitung von Wasfi Kani hat sich verabschiedet und mit dem Grange Park Festival in Henley ein neues, ähnlich ausgerichtetes Festival ins Leben gerufen. Der Countertenor Michael Chance hat nun die künstlerische Leitung in The Grange übernommen und versucht mit Hilfe seiner zahlreichen Freunde und Förderer das Festival mit dem verbliebenen Team neu zu gestalten.
Die Lage und Umgebung ist auch hier, wie an anderen Festspielorten in England, eindrucksvoll und reichert den Kunstgenuss mit natürlicher Inspiration an. Doch unterscheidet sich der architektonische Rahmen. Äußerlich ein mächtiger Bau, im 19. Jahrhundert wurde die Fassade des Herrenhauses zu einem griechischen Tempel mit Säulenhalle umgestaltet, ist dieser im Inneren zur Ruine verfallen und wurde zu einer bizarren Eventlocation mit Bar, Restaurant und Separees umgestaltet. Dekadent hängen Lüster von den Dachbalken, an den Wänden sind Reste von Stuck und Verputz, das Treppenhaus ist nur teilweise vollständig. Imposant wurde in einem Seitentrakt ein veritables Opernhaus im italienischen Stil mit Logen, Balkon und Parkett, Orchestergraben und einfachem Bühnenraum hineingebaut. Fünfhundert Zuschauer fasst der Raum, an dieser mit Spannung erwarteten Premiere ist er ausverkauft.
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Das Bournemouth Symphony Orchester konnte als neues Orchester für die Festspiele gewonnen werden. Carmen unter dem Dirigat von Jean-Luc Tingaud ist die erste gemeinsame Produktion. Der Franzose findet mit dem Orchester an diesem Abend nicht den richtigen Schwung und die spanische Färbung, die die Partitur der Oper enthält. Das liegt aber an der gelungenen Entstellung des Werkes durch die Regisseurin Annabel Arden. Sie fügt zwei neue Darsteller ein, die als Conferenciers dienen und dem Publikum auf Englisch die Handlung erklären und so den Fluss deutlich stören und jede Spannung im Keim ersticken. Es wirkt wie ein Opernabend für Kinder. Dazu steckt Joanna Parker die Darsteller in belanglose Alltagskleidung, die Zigeunerkneipe Lilias Pastia wird zum französischen Cabaret mit Glitzerkleidern und Vorhang umgewandelt. Das Bühnenbild baut weitestgehend auf einer Videoinstallation eines übermächtigen dunklen Vogels auf, der wahrscheinlich den Schicksalsraben darstellen soll. Am Ende bleibt er aber der Geschichte fern und der Bezug ungelöst.

Für die Sänger wird es schwierig, in diesem Umfeld in ihren Rollen zu überzeugen. Das gelingt am besten Philipp Rhodes als Escamillo, dank einer kräftigen Stimme und Bühnenpräsenz. Leonardo Capalbo gewinnt als der verzweifelte Gehörnte an Aussage- und stimmlicher Durchsetzungskraft. Ohne zu übersteuern, dreht er in der Ausweglosigkeit groß auf und berührt. Na’ama Goldman wirkt spanisch mit den dunklen, langen Haaren, bleibt aber in ihrer Erscheinung sehr hölzern und maskulin ohne jede Erotik und löst als Carmen an diesem Abend keine gesteigerten Begierden aus. Fehlerfrei ist sie im Gesang, aber auch hier ohne Spannkraft. Unverständlich, ja, komisch wirkt Carmens Geste, sich lediglich die Schuhe auszuziehen, angesichts der Drohungen Don Josés und diese wieder kurz vor ihrem Tod anzuziehen. Eine Auseinandersetzung der Gefühle findet nicht statt. Shelley Jackson im langen Jeansrock mit breitem Gürtel wirkt mehr als selbstbewusstes Cowgirl Michaela als das schlichte Mädchen vom Lande.
Der Abend plätschert ohne Höhepunkte, etwas Farbe kommt am Ende durch die bunten, aber unpassenden Cocktailkleider der Gesellschaftsdamen zum Stierkampf von Sevilla hinein. Carmen stirbt ohne Dramatik, schleppt sich von der Bühne und Don José stellt sich selbst dem Publikum. Trotzdem viel Applaus beim eleganten Publikum und ein sonnendurchfluteter Sommerabend leuchtet den Weg nach Hause.