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Viele Ideen machen noch keine Regie

CARMEN
(Georges Bizet)

Besuch am
11. Juni 2017
(Premiere)

 

The Grange Festival, Hampshire

The Grange Festival zählt zu den bekann­teren und renom­mierten Festspielen auf privaten engli­schen Landsitzen. Doch bedeutet die Saison 2017 eine besondere Wende in der Geschichte des Festivals. Das ursprüng­liche künst­le­rische Team unter der Leitung von Wasfi Kani hat sich verab­schiedet und mit dem Grange Park Festival in Henley ein neues, ähnlich ausge­rich­tetes Festival ins Leben gerufen. Der Counter­tenor Michael Chance hat nun die künst­le­rische Leitung in The Grange übernommen und versucht mit Hilfe seiner zahlreichen Freunde und Förderer das Festival mit dem verblie­benen Team neu zu gestalten.

Die Lage und Umgebung ist auch hier, wie an anderen Festspiel­orten in England, eindrucksvoll und reichert den Kunst­genuss mit natür­licher Inspi­ration an. Doch unter­scheidet sich der archi­tek­to­nische Rahmen. Äußerlich ein mächtiger Bau, im 19. Jahrhundert wurde die Fassade des Herren­hauses zu einem griechi­schen Tempel mit Säulen­halle umgestaltet, ist dieser im Inneren zur Ruine verfallen und wurde zu einer bizarren Event­lo­cation  mit Bar, Restaurant und Separees umgestaltet. Dekadent hängen Lüster von den Dachbalken, an den Wänden sind Reste von Stuck und Verputz, das Treppenhaus ist nur teilweise vollständig. Imposant wurde in einem Seiten­trakt ein veritables Opernhaus im italie­ni­schen Stil mit Logen, Balkon und Parkett, Orches­ter­graben und einfachem Bühnenraum hinein­gebaut. Fünfhundert Zuschauer fasst der Raum, an dieser mit Spannung erwar­teten Premiere ist er ausverkauft.

POINTS OF HONOR

Musik     
Gesang     
Regie     
Bühne     
Publikum     
Chat-Faktor     

Das Bourne­mouth Symphony Orchester konnte als neues Orchester für die Festspiele gewonnen werden. Carmen unter dem Dirigat von Jean-Luc Tingaud ist die erste gemeinsame Produktion. Der Franzose findet mit dem Orchester an diesem Abend nicht den richtigen Schwung und die spanische Färbung, die die Partitur der Oper enthält. Das liegt aber an der gelun­genen Entstellung des Werkes durch die Regis­seurin Annabel Arden. Sie fügt zwei neue Darsteller ein, die als Confe­ren­ciers dienen und dem Publikum auf Englisch die Handlung erklären und so den Fluss deutlich stören und jede Spannung im Keim ersticken. Es wirkt wie ein Opern­abend für Kinder. Dazu steckt Joanna Parker die Darsteller in belanglose Alltags­kleidung, die Zigeu­ner­kneipe Lilias Pastia wird zum franzö­si­schen Cabaret mit Glitzer­kleidern und Vorhang umgewandelt. Das Bühnenbild baut weitest­gehend auf einer Video­in­stal­lation eines übermäch­tigen dunklen Vogels auf, der wahrscheinlich den Schick­sals­raben darstellen soll. Am Ende bleibt er aber der Geschichte fern und der Bezug ungelöst.

Foto © Robert Workman

Für die Sänger wird es schwierig, in diesem Umfeld in ihren Rollen zu überzeugen. Das gelingt am besten Philipp Rhodes als Escamillo, dank einer kräftigen Stimme und Bühnen­präsenz. Leonardo Capalbo gewinnt als der verzwei­felte Gehörnte an Aussage- und stimm­licher Durch­set­zungs­kraft. Ohne zu übersteuern, dreht er in der Ausweg­lo­sigkeit groß auf und berührt. Na’ama Goldman wirkt spanisch mit den dunklen, langen Haaren, bleibt aber in ihrer Erscheinung sehr hölzern und maskulin ohne jede Erotik und löst als Carmen an diesem Abend keine gestei­gerten Begierden aus. Fehlerfrei ist sie im Gesang, aber auch hier ohne Spann­kraft. Unver­ständlich, ja, komisch wirkt Carmens Geste, sich lediglich die Schuhe auszu­ziehen, angesichts der Drohungen Don Josés und diese wieder kurz vor ihrem Tod anzuziehen. Eine Ausein­an­der­setzung der Gefühle findet nicht statt. Shelley Jackson im langen Jeansrock mit breitem Gürtel wirkt mehr als selbst­be­wusstes Cowgirl Michaela als das schlichte Mädchen vom Lande.

Der Abend plätschert ohne Höhepunkte, etwas Farbe kommt am Ende durch die bunten, aber unpas­senden Cocktail­kleider der Gesell­schafts­damen zum Stier­kampf von Sevilla hinein. Carmen stirbt ohne Dramatik, schleppt sich von der Bühne und Don José stellt sich selbst dem Publikum. Trotzdem viel Applaus beim eleganten Publikum und ein sonnen­durch­flu­teter Sommer­abend leuchtet den Weg nach Hause.

Helmut Pitsch

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