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Eingebettet in die malerische englische Landschaft mit ihren Hügeln, sattgrünen Buschhecken und Wiesen, ausladenden Bäumen und grasenden Schafen liegt romantisch der kleine Ansitz Iford Manor, zehn Kilometer außerhalb von Bath. Der gefeierte Gartenarchitekt Harold Peto schuf dort ein Refugium und gestaltete dort sein Meisterstück, einen kleinen, aber sehr feinen Garten, geschmackvoll auf Terrassen in den aufsteigenden Hügel angelegt. Ein klassischer Säulengang, geschmückt mit römischen Statuen, Büsten und Figuren, sowie ein klassischer Kreuzgang sind magische Anziehungspunkte für das Auge und die Seele beim Wandeln durch den Park.
| Musik | ![]() |
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Gerade mal 88 Opernliebhaber finden Platz an drei Seiten des Säulengangs um den zentralen Innenhof, der als Bühne fungiert, die von jedem Platz bestens eingesehen werden kann. An der Stirnseite des Kreuzgangs nimmt das auf 15 Musiker reduzierte Orchester Platz. Seit 20 Jahren organisiert die jetzige Eigentümerfamilie mit viel Umsicht und Engagement dieses feine, sehr intime Opernfestival mit Hilfe von Judy Edlington als Künstlerischer Leiterin. Mit Umsicht werden die Opern ausgewählt und die platzbedingten Adaptionen an Partitur und Libretto vorgenommen. Gesungen wird nur in Englisch, Chorszenen werden auf wenige Stimmen oder Solisten umgewandelt, Instrumentalstimmen an die reduzierte Orchesterbesetzung angepasst. Aber es bleibt überraschend viel erhalten, dass man, einmal gefangen von der Intimität und Nähe, das große Opernhaus vergisst. Die Exotik der Umgebung und das außerordentliche Hör- und Seherlebnis verzaubern.
Die jungen Sänger werden mit Bedacht und viel Sachkenntnis engagiert und auf die Gegebenheit gut vorbereitet. Die professionell ausgebildeten Stimmen füllen den geringen akustischen Rahmen bis an die Grenze, manchmal auch darüber hinaus, aber das wirkt nicht störend, sondern verstärkt die Direktheit des Hörens. Oliver Gooch am Pult hat bereits mehrjährige Erfahrung in Iford und kommt mit den akustischen Restriktionen bestens zurecht. Er kreiert einen satten Klang, über dessen Gestaltung mit der minimalen Besetzung von einer Person pro Instrumentengruppe man sich nur wundert.

Mit wenigen Mitteln wird ebenso die szenische Gestaltung von Christopher Cowell realisiert. Mehr Aussagekraft kommt den flotten Kostümen von Eleanor Wdowski zu, die Jahreszeit, gesellschaftlichen Stand, Beruf als auch Nationalität leicht erkennbar wiedergeben. Bunt, voller Farbkleckse ist der Maler Marcello, gesungen von Nicholas Lester, ein Bariton mit weichem Glanz, dessen Stimme viel Kraft für mehr erkennen lässt. Seriöser im abgetragenen schwarzen Zwirn und gegeltem Haar Antony Flaum als Rudolfo. Vorsichtig steigt er ein und öffnet immer mehr seinen leicht dunkel gefärbten Tenor, ist sicher in der Höhe und breit in der Mitte angelegt. Subtil, gefühlvoll im Ausdruck und besonders im Gebrauch ihrer mächtigen Stimme ist Maire Flavin als Mimi. Ängstlich, aber mit einem gesunden Schuss Koketterie steigt sie im ersten Akt ein, leidend, verzweifelt den Tod ahnend, sucht sie ihren Geliebten im dritten Akt. Alison Langer ist eine emanzipierte, selbstbewusste, natürliche Musette ohne puppenhafte Allüren. So bleibt sie auch stimmlich frisch und ehrlich ohne schrille Exzesse. James Ioelu als mächtiger Colline und Frederik Long als philosphischer Schaunard ergänzen gut besetzt das Künstlerquartett. Allzu schnell verrinnt der Abend mit dem lebhaften Spiel auf der Bühne, in das man sich als Zuschauer unweigerlich hineingezogen fühlt.
Schon öffnet sich wieder die Tür zum Kreuzgang und man tritt hinaus in die frische englische Abendluft. Noch ist es hell, und die Besucher saugen die letzten Blicke in den Garten auf. Am Ausgang warten William und Marianne Cartwright, die Hausherren von Iford, und verabschieden jeden Gast persönlich mit typisch englischer Höflichkeit und Herzlichkeit. Ein besonderer, unvergesslicher Opernabend der anderen Art geht zu Ende.
Helmut Pitsch