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Sie wirken schon seltsam anmutend, diese historisch stilisierten, an Vorhangstoffe erinnernde Kostüme in Giuseppe Verdis Otello am Stadttheater Klagenfurt. Ebenso wie die reduzierten Kulissen mit einem großen Segel zu Beginn und die tapetenartigen Prospekte mit floralen und fruchtartigen Ornamenten oder später mit rotem Samt. Wenn sich die dahinterliegenden Vorhänge auftun, sieht man ein Wirrwarr an Geäst oder einen kuschelig schlafenden Löwen mit Heiligenschein. Recht plakativ, aber wirkungsvoll ist in der Schlussszene der Auftritt des Otello: Wenn sich nach Desdemonas Gebet eine große Madonna-Figur dreht, kommt ein riesiges Skelett zum Vorschein. Daraus entsteigt der Titelheld mit Schwert und Kapuze, wie ein Mönch gekleidet. Diese gesamte Ausstattung stammt von Miron Schmückle und ist von sehr fragwürdigem Geschmack.
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Für den erkrankten Patrick Schlösser eingesprungen, hat Regieassistentin Sophie Springer die Inszenierung des Meisterwerks in der Endphase übernommen: Nahe am Libretto von Arrigo Boito angesiedelt, wird das große Eifersuchtsdrama, das auf Shakespeare zurückgeht, sehr lange unspektakulär, teils unbeholfen, viel zu harmlos und statisch erzählt. Vor allem der Chor wird wie beim guten alten Steh- und Rampentheater arrangiert: Aufmarsch von links und rechts, Aufstellung im Halbkreis und Blick ins Publikum. Bei manchen Schlüsselszenen oder Zornausbrüchen des Titelhelden hätte man sich mehr Drastik und mehr Ideen erwartet. Erst die Endphase gewinnt an packender Dramatik.

„Ich glaube an einen grausamen Gott, der mich erschaffen hat“: In seinem berühmten Credo zeigt der Nihilist erstmalig Einblick in sein Seelenleben, seine Motivation, Böses zu tun, und sein wahres Gesicht, seine bösartigen, ja, dämonischen Züge. Csaba Szegedi mimt mit expressiver Gestik und Mimik einen Jago zum Fürchten. Nach außen hin gibt er sich als ungemein subtiler, eleganter, rothaariger Intrigant und singt die Partie mit wunderbarem Bariton. Aber auch der zweite männliche Protagonist ist beeindruckend, wenn auch mehr von seiner stimmlichen Präsenz: Denn Antonello Palombi ist darstellerisch vorerst ein viel zu zurückhaltender Titelheld, dem man die Eifersucht erst im zweiten Teil abnimmt. Seine kraftvolle Riesenstimme vermag er anfänglich kaum zu zügeln, beeindruckt dann aber auch mit leiseren Tönen und singt und spielt im Finale mitreißend. Betsy Horne, zu Beginn mit etwas viel Vibrato zu hören, ist eine feinsinnig singende Desdemona. Die von ihr gewünschte Innigkeit kommt aber erst im finalen Ave Maria voll zur Geltung. Matthias Frey singt einen etwas leichtgewichtigen Cassio. Die kleineren Partien mit Thomas Tischler als Roderigo, Christiane Döcker als Emilia, Michael Schober als Montano und Jisang Ryu als Lodovico sind alle passend besetzt. Recht gut hört man auch den Chor des Hauses, der von Günter Wallner einstudiert wurde, der allerdings nicht immer eines Sinnes ist.
Alexander Soddy, bereits GMD in Mannheim, steht am Pult seiner letzten Opernproduktion am Haus. Er motiviert das Kärntner Sinfonieorchester zu blühenden, nuancenreichen Klängen und vielen ausdrucksstarken Ausbrüchen, aber auch wunderbaren Lyrismen.
Am Ende lässt sich das Publikum recht bald zu spontanen, stehenden Ovationen hinreißen.
Helmut Christian Mayer