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Foto © Michael Rathmann

Religiöse Macht und Machtrepräsentation

LUTHERNACHT – GELD.MACHT.MUSIK
(Diverse Komponisten)

Besuch am
22. September 2017
(Einmalige Aufführung)

 

Festival Alte Musik Knecht­s­teden, Basilika

Einige Besucher dieser intimen Abend­ver­an­staltung in der riesigen Basilika des Klosters Knecht­s­teden mögen beim Blick auf das Podium vor dem abgedun­kelten Altarraum ihren Augen nicht trauen: Mehr als 20 Block­flöten unter­schied­lichster Größe und Tonlage warten darauf, vom dem B‑Five Block­flöten Consort zum klingenden Leben erweckt zu werden. Ob es die kleine Sopranino-Flöte oder das mannshohe Großbass­instrument ist, der Atem der Musiker muss reichen, diesen oft sehr volumi­nösen „Rohren“ sanfte, feste, harte oder leicht­füßig getupfte Töne zu entlocken, hohe Tonwellen flirren zu lassen oder einen soliden Bass zugrunde zu legen – das Ensemble schafft das mit Virtuo­sität und Spielfreude.

Quasi als Kontra­punkt wechseln sich Flöten mit zarten, von der Laute beglei­teten Liedern ab, die Franz Vitzthum mit Counter­te­nor­stimme vorträgt. Viele der Lieder stammen aus dem Umfeld Martin Luthers, der selbst ein begeis­terter Lauten-Hausmu­siker und Komponist war, von ihm stammen zwei Lieder im Programm. Julian Behr ist ein zurück­hal­tender, verhalten spielender Lautist, der Vitzthum allen Raum lässt zur Entfaltung seines hellen, volumi­nösen Counter­tenors. Und dem gelingt es tatsächlich, ob vom Altarraum her oder aus der Mitte des hohen Kirchen­schiffes trotz halliger Akustik wunder­schöne, sanft und voll klingende Lieder zu intonieren, die durch das Kirchen­schiff schweben. Luther hätte gewiss seine Freude an diesen Liedern gehabt. Dass in diesem Kirchenraum die zarten Töne der Laute, diesem Hausin­strument, mehr als einmal verloren gehen, muss man wohl beim Verzicht auf jegliche Elektronik in Kauf nehmen.

POINTS OF HONOR

Musik
Gesang
Publikum
Chat-Faktor

Das B‑Five-Block­flöten Consort sowie Frantz Vitzthum und sein Begleiter Julian Behr präsen­tieren ein Programm, in dem sich Kirchen­lieder, Motetten und Stücke für die damalige Hausmusik abwechseln. Jakob Fugger, überaus erfolg­reicher Kaufmann und Bankier aus Augsburg, machte sich auch als Mäzen und Instru­men­ten­sammler im süddeut­schen Raum einen Namen. Auf zwei der von ihm gesam­melten Musik­hand­schriften greift das Flöten-Quintett zurück und erweckt Kompo­si­tionen religiösen wie weltlichen Charakters zu musika­li­schem Leben. Mit Werken von Josquin Desprez, Antoine Brumel, Heinrich Fink und Ludwig Senfl präsen­tiert es eine vielge­staltige Auswahl damaliger Kompo­si­tionen und gibt den Zuhörern ein reich­hal­tiges Bild damals populärer Musik. Dabei wechseln immer wieder die Stimm­lagen der Flöten und die Zusam­men­klänge, die gleichwohl einen bestens abgestimmten harmo­ni­schen Klang ergeben.

Lautenist Julian Behr und Counter­tenor Franz Vitzthum – Foto © Michael Rathmann

So erhalten die Zuhörer einen inten­siven Eindruck davon, weshalb für Luther das gemeinsame Musizieren und Singen Ausdruck seiner Theologie ist, so dass er die Musik als ein „herrlich und göttlich Geschenck und Gabe“ bezeichnet.  Und die mit viel Freude und Leben­digkeit vorge­tra­genen Motetten und Tänze im Umfeld des Geldbürgers Fugger holen ein wenig das wachsende Selbst­be­wusstsein des städti­schen Bürgertums mit seiner Lebens-  und Tanzeslust in die ehrwürdige Basilika, die sonst eher den Eindruck einer dunklen Festung vermittelt.

Ein wenig getrübt wird die Freude an diesem musika­lisch-künst­le­risch gelun­genen Abend durch eine Reihe von unnötigen und leicht zu behebenden Unzuläng­lich­keiten, von denen hier nur einige genannt sind: Fehlende oder unzurei­chende Beschil­derung und Namens­schilder, unüber­sicht­liche Programm­hefte, Fehler bei der akusti­schen Versorgung der Zuhörer … Hier wäre eine Zusam­men­arbeit mit Studie­renden des Studi­en­gangs  Event­ma­nagement empfeh­lenswert, der von über 50 Hochschulen in Deutschland auch in direkter Nachbar­schaft  angeboten wird.

Horst Dichanz

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