O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Bloß nicht erwachsen werden

LA BOHÈME
(Giacomo Puccini)

Besuch am
7. Oktober 2017
(Premiere am 16. September 2017)

 

Theater Koblenz

La Bohème in der Provinz gestaltet sich häufig zu einem deutlich inten­si­veren Erlebnis als an großen Häusern. Die Hochschulzeit der Sänger­dar­steller und oft auch des Leitungs­teams liegt noch einiger­maßen nahe. Gleich­zeitig wächst mit der Bühnen­er­fahrung auch die künst­le­rische Souve­rä­nität. In Koblenz macht man sich diese Vorzüge nur sehr bedingt zu eigen.

Erfahrene Sänger­dar­steller, die sich längst im Engagement befinden, agieren bei Bettina Geyer ganz, als ob sie auf die Hochschul­bühne zurück­ge­kehrt wären, um dort die Studi­enzeit wieder­auf­leben zu lassen. Spiel­freudig und zugleich ihrer Mittel noch nicht ganz sicher, eilen sie ebenso munter, aber ein wenig linkisch über die Bühne – grund­sym­pa­thisch, doch in ihren Rollen noch unerfahren. Beflissen, dabei ohne zwingende Figuren­kon­stel­la­tionen heraus zu arbeiten, verschenkt die Spiel­lei­terin auf diese Weise eine ganze Menge an szeni­schem Kapital. Mimì etwa wartet, als ob sie in der Gasse stünde, regel­recht auf das Stichwort zu ihrem Auftritt.  Am Schluss des zweiten Bildes quetscht die als fernöst­licher Drache auftre­tende banda die eigentlich trium­phie­rende Musetta nicht nur an den Bühnenrand, Geyer lässt sie vielmehr wie ein bloßes Requisit abräumen. Auch sonst ordnet Geyer die drama­tische Konstel­lation dem hübschen Einfall unter. Die kamerad­schaft­liche Balgerei der Freunde im Schlussbild kümmert sich wenig um die Musik aus dem Graben. Das Schluss­ta­bleau zeigt die Bohemiens in den tradi­tionell erstarrten Posen. Mag die Kombi­nation aus Unfer­tigem und Treuher­zigkeit sich oft anrührend ausnehmen, sie trägt nicht durch den Abend. Der studen­tische Buden­zauber verfliegt.

POINTS OF HONOR

Musik
Gesang
Regie
Bühne
Publikum
Chat-Faktor

Für seinen Kulis­sen­bau­markt stoppelt Fabian Lüdicke allerlei Versatz­stücke zusammen, aus denen das Weichbild einer belie­bigen Großstadt ersteht, deren scheußlich gepin­selte Wolken­kratzer in der Ferne aufleuchten. Ganz an dieser Peripherie urbanen Lebens kampieren die Bohemiens im klapp­rigen, grünen Klein­wagen oder – wie Rodolfo – im Einper­so­nenzelt. Das nicht eben breite Koblenzer Bühnen­portal noch mit einer parallel zur Rampe gestellten Wand einzu­engen, muss einem erst einmal einfallen. Jeden­falls ist die Welt bunt und blinkt in billigem Flitterkram. Die Bohemiens legen im letzten Bild einen Tankstop ein. Mimi haucht ihr Leben an einer Zapfsäule aus.

Carla Friedrich staffiert Rodolfo als Rolando Villazón fürs Abonnement aus. Womit Mimì nach der Trennung von Rodolfo ihr Geld verdient, belegt die platin­blonde Perücke. Marcello in wild gemus­tertem Hemd, engan­lie­gendem Leder­ja­ckett und goldenem Halskettchen zählt modisch nicht zu den Bohemiens, sondern in die Halbwelt.

Murger prophezeit den Helden seiner Scènes de la vie de bohème, sie werden entweder in der Gosse oder der Akademie landen. Angesichts dessen, was in dieser Produktion szenisch vorgeht, kann zu einer Wette auf die Akademie nicht geraten werden.

Foto © Matthias Baus

Der Chor des Theaters Koblenz samt Extrachor unter Leitung von Ulrich Zippelius setzt sich stimmlich brachial in Szene. Manfred Faig und Wolfram Hartleif haben den vokal agilen Kinderchor einstudiert.

Dem Staats­or­chester Rheinische Philhar­monie fordert Enrico Delamboye forsche Tempi ab. Auf Kosten der impres­sio­nis­ti­schen Tonma­lerei und veris­tisch- affek­tiven Umschwünge, die überdies im Einheits­mez­zo­forte untergehen.

Marco Antonio Rivera ist Rodolfo. Riveras Mittellage klingt unein­heitlich, bald eng, bald trüb. Dann wieder schwingt er sich zu empha­ti­schen Bögen auf. Sein hohes C beein­druckt. Die Mimì von Sara Rossi Daldoss wartet mit wunderbar gerun­deten Ansätzen auf, verhärtet sich dann aber. Christoph Plessers enthält Marcello die baritonale Kernhaf­tigkeit vor. Hana Lee ist eine Musetta, die stimmlich jede Phrase ihrer Partie auskostet. Darstel­le­risch behält sie – wo immer es ihr die Regie ermög­licht – das Heft in der Hand. Nico Wouterse als Schaunard wartet mit virilem Bariton auf. Jongmin Lim ist ein echter basso profondo, dessen Phrasierung gleichwohl noch gewinnen kann.

Der Beifall ist herzlich. Auch, weil die älteren Theater­be­sucher dank der deutschen Übertitel endlich die vielen Pointen und intel­lek­tu­ellen Volten des Librettos mitbe­kommen und diese entzückt flüsternd kommentieren.

Michael Kaminski

Teilen Sie O-Ton mit anderen: