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Foto © Bernd Uhlig

Zwischen Beckett und Dada

DIE ANTILOPE
(Johannes Maria Staud)

Besuch am
10. März 2017
(Premiere am 5. März 2017)

 

Oper Köln, Staatenhaus Deutz

Man stelle sich einen jungen Mann vor, der sich im kommu­ni­ka­ti­ons­süch­tigen Zeitalter unserer Tage gängigen Kommu­ni­ka­ti­ons­mitteln verweigern will und nur noch bereit ist, sich auf „antilo­pisch“ zu verstän­digen. Das ist der Ausgangs­punkt der zweiten Oper des deutschen Kompo­nisten Johannes Maria Staud in Zusam­men­arbeit mit Durs Grünbein, die nach ihrer Urauf­führung in Luzern jetzt auch im Kölner Staatenhaus gezeigt wird.

POINTS OF HONOR

Musik  
Gesang  
Regie  
Bühne  
Publikum  
Chat-Faktor  

Ein durchaus reizvoller Ansatz, den das mit Preisen hoch dekorierte Duo mit großem Ehrgeiz in ein andert­halb­stün­diges Bühnenwerk formte. Mögli­cher­weise mit zu großem Ehrgeiz. Denn der angestrebte Spagat zwischen Beckett und Dada überdehnt die Substanz des Stoffs und führt letztlich zu einer sechs­tei­ligen Szenen­folge, die weder die absurde Weltsicht Becketts oder wenigstens die des von Beckett hoch geschätzten Karl Valentin noch die überdrehte Anarchie der Dadaisten trifft. Im Korridor zwischen diesen Extremen verfangen sich Staud und Grünbein über weite Strecken im Reich des Banalen. Ein Eindruck, der sich angesichts des immensen Aufwands noch verstärkt. Die 21 Solopartien können sich zwar sieben Solisten teilen, aber das mit präpa­riertem Klavier, Flaschenxy­lophon, Akkordeon und anderem Schnick­schnack sowie elektro­ni­schen Zutaten verstärkte Orchester, dessen klang­liche Möglich­keiten Staud mit geradezu verkrampfter Akribie ausschöpfen will, wirken wie der Versuch, die Banali­täten auf der Bühne übertönen zu wollen. Hier möchte ein Komponist zeigen, was er einem Orchester an mehr oder weniger origi­nellen Effekten abgewinnen kann. Drama­tur­gi­schen Sinn macht das nicht.

Foto © Bernd Uhlig

Das Ergebnis ist ein Panop­tikum skurriler Szenen, die teils unter­haltsam, teils belanglos ablaufen. Die Handlung ist einfach, aber detail­reich. Die zentrale Figur ist Victor, der brave Angestellte, der sich in seiner „antilo­pi­schen“ Sprache von der Gemein­schaft absondert, indem er sich aus dem 13. Stock des Büroge­bäudes stürzt, aufrappelt und merkwür­digen Menschen begegnet. Ärzten, die sich mit Ferndia­gnosen über ihre Mitmen­schen lustig machen, Frauen mit unter­schied­lichen Lebens­plänen, einer in „antilo­pi­scher“ Sprache singenden Statue und Tieren im Zoo, in denen er sich wiedererkennt.

Am Ende findet sich Victor, mittler­weile völlig verstummt, in seinem Büroge­bäude wieder. Regisseur Dominique Mentha lässt uns im Ungewissen, ob wir es mit einem Traum oder einer düsteren Zukunfts­vision zu tun haben. Dafür setzt er zu sehr auf kräftige, optische Signale, die unent­schlossen irgendwo zwischen der Endzeit­stimmung Becketts und bizarrer Clownerie angesiedelt sind. Teilweise effektvoll und unter­haltsam, letztlich aber belanglos.

Natürlich werden auch dafür den Sängern und Musikern Höchst­leis­tungen abver­langt: Dem aufmerksam reagie­renden Gürzenich-Orchester unter Leitung von Howard Arman, dem Chor wie auch den sieben Solisten mit Miljenko Turk als Victor an der Spitze, der mit seinem Bariton die „antilo­pi­schen“ Kolora­turen seiner stimmlich in extreme Regionen gespannten Partie mühelos stemmt. Claudia Rohrbach, Dalia Schaechter und Emily Hindrichs gehören zu einem bewährten Ensemble, das seine anspruchs­vollen Aufgaben samt mehrfachen Rollen­wechseln vorbildlich löst.

Das Publikum reagiert überwiegend amüsiert auf die Novität, bei der Aufwand und Ertrag, wie so oft im zeitge­nös­si­schen Musik­theater, deutlich auseinanderklaffen.

Pedro Obiera

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