O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.
Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.
Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.
O-Ton
3-Monats-Abo
für jeweils 3 Monate
O-Ton
Jahres-Abo
pro Jahr
O-Ton
6-Wochen-Abo
für jeweils 6 Wochen
O-Ton
Jahres-Mitgliedschaft
für ein Jahr
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Kulturmagazin mit Charakter
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
HÄNSEL UND GRETEL
(Engelbert Humperdinck)
Besuch am
22. April 2017
(Premiere am 21. April 2017)
In Zeiten wachsender politischer Spannungen, eines umstrittenen Parteitags und dazugehöriger Demonstrationen in Köln kann ein bisschen Eskapismus in die Märchenwelt von Hänsel und Gretel ganz erholsam sein. Glücklicherweise ist die in der Broschüre enthaltene kurze Analyse gesellschaftspolitischer Bezüge des Werkes zu seiner Entstehungszeit nur eine interessante Randnotiz und wird nicht zum Anlass genommen, die Geschichte zwanghaft an aktuelle Geschehnisse anzupassen.
Regisseur Igor Folwill erfindet das Rad in seiner Inszenierung nicht neu und nutzt die Mittel, die ihm die Hochschule zur Verfügung stellt. Die Erzählung wird ungefähr in die Mitte des 19. Jahrhunderts angesiedelt und verbleibt damit in der üblichen Darstellung des Märchens. Die einzige größere Änderung besteht im Austausch des Zauberstabs der Hexe durch eine magische Handpuppe, die in der Ofenszene verbrannt wird, worauf die Hexe besiegt zu Boden fällt. Hier verwirrt Folwill wohl absichtlich, da die Hexe in der Schlussszene wieder erscheint, sich die in einen Lebkuchen verwandelte Puppe wieder zurückholt und selbst noch nach Fallen des Vorhangs am Bühnenrand verweilt und diabolisch lachend ins Publikum schaut. Ein sehr düsterer Verweis darauf, dass ein Happy End in der Realität meist nicht so einfach eintritt. Gleichzeitig konterkariert Folwill hier seine Intention, dem Spiel durch die Puppe, dem Verzicht auf einen Gewalttod der Hexe und der insgesamt heiteren Inszenierung eine zeitgemäße kindgerechte Note zu verleihen.
| Musik | ![]() |
| Gesang | ![]() |
| Regie | ![]() |
| Bühne | ![]() |
| Publikum | ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() |
Bei den Kostümen werden wie in der Inszenierung keine Experimente gemacht. Während Hänsel, Gretel und ihre Eltern ärmlich gekleidet sind, stechen die Kostüme der fantastischen Figuren wie Engel oder Sandmännchen mit opulenter Farbenpracht hinaus. Dem Bühnenbild hingegen mangelt es etwas an Darstellungskraft. Das Haus der Eltern ist noch sehr lebendig und bietet viele Möglichkeiten der Interaktion, der Wald hingegen ist arg einfallslos und spiegelt nicht die märchenhafte Atmosphäre des Werkes wieder. Auch erschließt sich die Entscheidung nicht, neben dem Hexenhaus ein weiteres, echtes Lebkuchenhaus in der Mitte der Bühne zu platzieren, obwohl beide Häuser Teil der Handlung sind.
Die Sänger und Sängerinnen der Hochschule geben sich von Anfang an keine Blöße und beeindrucken mit nahezu durchgehend makelloser Intonation und Artikulation. Nur das Orchester stellt sie des Öfteren vor Probleme, da es sich mangels eines Orchestergrabens direkt vor der Bühne befindet und fast zwangsläufig ein ums andere Mal zu laut ist. Neben der sehr guten stimmlichen Leistung überraschen die Studierenden auch mit ihrem Schauspiel. Besonders Hänsel und Gretel, gespielt von Elena Mohrs, Mezzosopran, und Andrea Graff, Sopran, zeigen von der ersten Sekunde an eine enorme Spielfreude und vermitteln gesanglich wie darstellerisch den Eindruck eines harmonischen Geschwisterpaares. Nach der Pause tritt Başak Ceber, Mezzosopran, als sinistre Hexe auf und scheint durch eine starke charakterliche Darstellung und eine hoch energetische Leistung in Gesang und Spiel die Bühne vollständig zu füllen. Es würde nicht verwundern, wenn man einige der Namen aus der Darstellerliste in Zukunft häufiger in größeren Opernhäusern wiederfindet.

Auch der Kinderchor, gestellt von der Sängerjugend Solingen unter der Leitung von Ingrid Fliersbach, leidet unter der Lautstärke des Orchesters. Als Engel und verzauberte Kinder spielen die Nachwuchssänger ihre Rollen zwar etwas schüchtern und zurückhaltend, jedoch souverän.
Ob das Hochschulorchester unter der Leitung von Stephan Wehr die Lautstärkenproblematik durch eine etwas sanftere Spielweise hätte auffangen können, sei dahingestellt, denn nach einigen kleinen Schwächen in der Ouvertüre begeistert auch das Orchester mit einer emotional bewegenden und konzentrierten Darbietung.
Das Publikum im sehr gut gefüllten Konzertsaal der Hochschule honoriert die kurzweilige und musikalisch exzellente Vorführung mit minutenlangem Applaus und verbleibt im Anschluss noch zu großen Teilen im Foyer, um den Sängern zu ihrer Leistung zu gratulieren.
Sebastian Heuckmann