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HOFFMANNS ERZÄHLUNGEN FÜR KINDER
(Jacques Offenbach)
Besuch am
1. April 2017
(Premiere)
Wenn man von einem „romantischen“ Musiktheater eine „fantastische“ Oper erwartet, gehört Jacques Offenbachs im besten Sinne des Wortes „spektakuläre“ Oper Hoffmanns Erzählungen in die allererste Liga. Schade, dass das unvollständig hinterlassene Fragment Herausgeber und Theaterschaffende vor große Probleme stellt. Dass mit der Verschmelzung von Illusion und Realität und der vielschichtig angelegten Handlung das Verständnis erschwert, jede Eindeutigkeit sogar verhindert wird, gehört zur Intention des Komponisten und zum Wesen des Stücks.
Voraussetzungen, die es nicht gerade zur Steilvorlage für eine Kinderoper prädestinieren. Es sei denn, man gibt dem Werk das zurück, was angesichts vieler kopflastiger Inszenierungen oft verloren geht: die Lust am „Fantastischen“, am „Märchenhaften“. Und daran mangelt es der neuen Produktion der Kölner Kinderoper beileibe nicht. Kai Anne Schuhmacher, Regisseurin mit einem besonderen Faible fürs Puppenspiel, Bühnenbildner Julius Theodor Semmelmann und die Kostümbildnerin Valerie Hirschmann tauchen in eine kunterbunte Welt der Illusion ein und zeigen ein geschicktes Händchen, die bisweilen brutale und pikante Handlung des Originals soweit zu entschärfen, dass der Handlungskern erkennbar bleibt, ohne in einen betulichen Kindlichkeits-Jargon zu verfallen.
| Musik | ![]() |
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| Publikum | ![]() |
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Empfohlen wird das Stück für Kinder ab acht Jahren. Und so alt sollten sie schon sein, um die Sturzflut an Bildern verarbeiten zu können. Die erotische Dimension bleibt natürlich ausgespart. Und die vier Bösewichter verschmelzen zu einem nicht ganz so bösen „Phantom“. Hoffmann gerät in der Kölner Version in eine künstlerische Krise, aus der ihn die Muse mit dem Tintenfass auf dem Kopf befreien möchte. Dabei gerät er auf Irrwege, indem er sein Heil in der Zuneigung zur Puppe Olympia, zur todkranken Sängerin Antonia und der in eine mäßig böse Zauberin umgemodelten Kurtisane Giulietta sucht. Dabei spaltet sich seine Persönlichkeit, was die Regisseurin mittels einer Doppelung der Titelfigur durch eine Puppe andeutet, von der sich Hoffmann erst am Schluss befreien kann, wenn er der Muse vertraut und endlich wieder zu seiner Kunst zurückfindet.

Das alles wird locker, flott und mit viel Gespür für magische Momente ausgeführt, wobei man auch nicht an technischem Bühnenzauber und unzähligen liebevollen Details spart.
In diesem Umfeld stört es auch nicht, dass das seitlich dem Blick entzogene Gürzenich-Orchester in einer drastisch abgespeckten Formation aufspielt. Immerhin zeigt Dirigent Rainer Mühlbach Geschick bei der Auswahl der Musikbeispiele und lässt manches vom Zauber der Musik anklingen. Sehr erfreulich ist auch das vokale Niveau der Produktion, bei der begabte Mitglieder des Opernstudios den Ton angeben. An der Spitze Dino Lüthy in der Titelrolle, ein junger, mit einem tragfähigen, biegsamen lyrischen Tenor ausgestatteter Sänger, der sich hier voll entfalten kann. Kein nennenswertes Gefälle ist zu seinen Studio-Kollegen in den kleineren Partien zu hören, etwa zur Muse von Sara Jo Benoot, zum bösen Phantom Insik Choi und der ebenso bösen Zauberin Maria Isabel Segarra oder zur koloraturgewandten Olympia von Maria Kublashvili.
Das Publikum reagiert begeistert auf die 70-minütige Produktion. Schade, dass ausgerechnet im Staatenhaus 3, in dem die Kinderoper platziert ist, die Sitzreihen ein so schwaches Gefälle aufweisen, dass die Sichtverhältnisse deutlich schlechter sind als in den restlichen Spielstäten der Deutzer Halle. Zumindest für die erwachsenen Besucher. Die Kinder können sich vorne platzieren.
Pedro Obiera